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Schokolade

Einmal Elbphilharmonie und zurück

Veröffentlicht in Design, Genuss, Kultur, Kunst, Musik | 13. Februar 2020 | 11:03:05 | Roland Müller

Die Abendkasse der Elbphilharmonie Hamburg

Hamburg ist in vielerlei Beziehung einen Reise wert. Seit die Elbphilharmonie als das neue Wahrzeichen der Hansestadt eröffnet ist, addiert sich ein weiterer Grund hinzu – insbesondere für Jazzfreunde und sonstige Konzertgänger. Wird die Akustik des Neubaus nach dem Entwurf des Architektenbüros Herzog & de Meuron dem legendären Ruf gerecht, den der verantwortliche japanische Ingenieur Yasuhisa Toyota diesbezüglich genießt? Wir haben es uns angehört…

Der Blick aus Etage 12, Bereich C, Reihe 3

Asymmetrisch, organisch, licht und irgendwie von einem anderen Stern. Das Innere des Großen Saals der Elbphilharmonie fasziniert.

Helle, natürliche Farbtöne, ein Grundaufbau im klassischen Agora-Stil und Diffusorelemente rundum sollen den perfekten Erlebnisraum schaffen für Künstler und Konzertbesucher.

Die Verteilung der Besucherränge erinnert ein wenig an einen Bienenkorb. Wie sich dieser ungewohnte Innenaufbau auf die Raumakustik auswirkt? Nun, wir konnten uns davon am 6. Februar 2020 einen Eindruck verschaffen. Beim vierten der von Manfred Eicher, dem Gründer des legendären Labels ECM kuratierten Konzerte der Reihe „Reflektor Manfred Eicher“

Eigentlich einem Doppelkonzert, denn im ersten Teil brillierte Egberto Gismonti an zehnsaitiger Gitarre und Piano, im zweiten Teil trat das Avishai Cohen Quartett auf. Beides herausragende Jazz-Interpreten, die von Manfred Eicher entdeckt, gefördert und auf ECM veröffentlicht wurden. Aus naheliegenden weil urheberrechtlichen Gründen verzichten wir hier auf Fotos von deren Performance. Aber soviel sei nach gut zwei Stunden intensivem Hörgenuss gesagt: Für Solisten und kleine Jazz-Besetzungen ist die Raumakustik des Großen Saals unfassbar gut. Was auch Egberto Gismonti zutiefst überrascht bestätigte, als er feststellte, dass der Raum vollkommen frei von Echos und ungewollten Reflexionen sei. Das Ergebnis ist eine unglaublich Intimität der musikalischen Darbietung. Jedes Detail beim Anzupfen einer Gitarrensaite und selbst der leise, sonst für das Publikum unhörbare „Klick“, der vor dem eigentlichen Perkussivton des Instruments entsteht, wenn der Pianist die Tasten berührt, wird hörbar. Unglaublich. Akustisch ein ganz großer Wurf. Dem im übrigen das Doppelkonzert an jenem Abend in jeder Beziehung gerecht wurde! Zusammengefasst kann man also guten Gewissens behaupten: Die Elbphilharmonie ist eine Konzertreise wert!

Nachtrag: Um den Konzertausflug nach Hamburg perfekt zu machen, empfiehlt es sich, so wie wir im The Westin zu übernachten, einem Top-Hotel der Marriot-Gruppe im Gebäude der Elbphilharmonie, unmittelbar unter den Konzertsälen gelegen. Es ist genial, bei jedem Wetter in geschätzt 5 Minuten trockenen Fußes ins Konzert zu kommen 😉

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Nur ein Midwestern Boy?

Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik | 28. Januar 2020 | 16:07:40 | Roland Müller

Der Wirtschaftsclub Rhein-Main e.V. – 1950 gegründet von jungen Unternehmern und Führungskräften der Wirtschaft im I.G.- Farben- Haus in Frankfurt am Main. Im Gegensatz zu bestehenden Vereinigungen in Deutschland aus der Vorkriegszeit ist dies von Anfang an keine ausschließliche Unternehmer-Vereinigung. Angestellte Manager, Führungskräfte und Arbeitnehmer wurden einbezogen. Dadurch konnten Interessenvertretungen verhindert werden, und es entstand ein „dritter Ort“ mit absoluter Neutralität in parteipolitischer, sozialer, religiöser und wirtschaftlicher Hinsicht. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stehen bis heute der Austausch von Meinungen und Ideen sowie eine Kontaktaufnahme zu potentiellen Geschäftspartnern. Besonders spannend ist die Auswahl von Gästen und Rednern, die übers Jahr im Wirtschaftsclub auftreten.
Wir hatten das Vergnügen, bei einem wenige Tage zurückliegenden Treffen des Wirtschaftsclubs den US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, kennenzulernen. Nun ja, was heißt schon kennenzulernen? Die Ambivalenz seiner Person eilt ihm ja voraus. Nicht nur in medialen Kreisen wie der FAZ, die ihn als „Brachialdiplomaten“ charakterisiert. Oder die TAZ, die als seine Lieblingsbeschäftigung das Drohen ausgemacht haben will. Wir jedenfalls wollten uns selbst ein Bild machen. In Frankfurt am Main, in der Villa Bonn.
Worauf achteten wir also beim Auftritt von Richard Grenell, der sich selbst mit einem berechnenden Augenzwinkern als „Midwestern Boy“ bezeichnet, als einen ganz normalen Vertreter jenes Mittleren Westens der USA, aus dem sich der Löwenanteil von Trumps Wählern oder besser gesagt Fans rekrutiert? Richtig: auf seine Körpersprache, auf seine Gestik. Und weniger auf das, was er tatsächlich sagte.
Oh ja, der Mann hat Ausstrahlung, Charisma sogar. Und er weiß davon Gebrauch zu machen. Insbesondere, wenn er mit seinen deutschen Freunden spricht und sie vor dem Feind warnt. Was natürlich und schon immer das böse, böse Russland ist. Ein zwar einfaches, wenn nicht sogar eindimensionales Bild. Aber in Anbetracht des Putin’schen Machtbewusstseins zumindest nicht ganz unzutreffend.
Kontrolliert, selbstbewusst, sich jederzeit seiner Gestik bewusst präsentiert sich Mr. Grenell als charmanter Wolf im Wolfspelz. Der einfache Junge aus dem Mittleren Westen weiß ganz genau, was er anbietet und was er einfordert. Dass er dies in einer alles andere als diplomatischen Sprache tut, mag in seiner Natur liegen. Die er immer wieder nicht ohne ein gerüttelt Maß an Koketterie und, wer weiß, Narzissmus inszeniert. Was, wir müssen es zugeben, nicht ohne Eindruck bleibt auf die Anwesenden und uns.
Was bleibt als Fazit? Richard Grenell ist knallhart, sehr direkt, überaus berechnend und im deutschen Walde der Wolf, dem kein Rotkäppchen begegnen mag. Nichtdestotrotz sind seine Argumente präzise, in Teilen nachvollziehbar und zumindest ernsthaft zu diskutieren. Beispielsweise, wenn es um die ja nicht gerade neuen Forderungen Washingtons nach mehr finanziellem und materiellem Engagement Deutschlands in der Nato geht. Weniger goutieren kann man das brachiale Feindbild, mit dem er durch die Lande reist. Aber nun ja, „America First“ lässt vermutlich keine andere Weltanschauung zu. So oder so: ein spannender Auftritt eines sehr interessanten Mannes.

(Copyright Fotos: Roland Müller)

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Frankfurter Buchmesse – ab 2020 ganz neu

Veröffentlicht in Kultur, Kunst, Literatur, Medien | 24. September 2019 | 15:30:48 | Roland Müller

2019 wird für die Frankfurter Buchmesse das letzte Jahr im alten Gewand sein. Bereits im kommenden Jahr heißt es: schöner, höher, weiter! Mit den bereits in diesem Jahr abgeschlossenen Revitalisierungsarbeiten an der Halle 6 und dem Abtragen der Halle 5 ab Ende des Jahres mit anschließendem Neubau bis 2023 kommt es eh schon zu großen Veränderungen auf dem Frankfurter Messegelände. Noch gravierender aber wird das neue Entrée der Buchmesse sein. Ab 2020 empfängt die Halle 1 mit einem neuen, großen „Fenster zur Stadt“ die Hunderttausende von Besuchern. Die dank der riesigen Glasfront an der Ostseite lichtdurchflutete Halle liegt in unmittelbarer Nähe des vielfrequentierten City-Eingangs und der Halle 3 und soll für ein ganz neues Buchmesse-Gefühl sorgen. Stadtzugewandter als je zuvor präsentiert die weltgrößte Buchmesse damit ihr Angebot und macht im übertragenen Sinne die Transparenz und Weltoffenheit, für die die Messe seit jeher steht, ganz unmittelbar erlebbar. Die Hallen 1 und 3 werden durch zwei ineinander übergehende Freiflächen verbunden. Der Weltempfang – Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung – zieht von Halle 4.1 in Halle 1.1., ebenso werden die unabhängigen Verlage in dieser Hallenebene platziert. Der Bereich Papeterie & Geschenke zieht in Halle 3.0, während das Blaue Sofa seinen Standort in Halle 3.1 behält. Wir sind gespannt!

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Apple und der Verlust des Mutes

Veröffentlicht in Apple & Co, Technologie | 13. März 2019 | 10:27:14 | Roland Müller

Müde, satt und risikoscheu. So könnte man Apple anno 2019 beschreiben. Trotz fast einer Viertelbillion US$ liquider Mittel in der Kriegskasse und 60 Mrd. US$ Jahresgewinn beschränkt sich der einstige Technologieführer darauf, eigene Aktien zurückzukaufen. Immerhin für fast 240 Mrd. US$ über die vergangenen sechs Jahre. Hat CEO Tim Cook der Mut verlassen? Er ist in vielerlei Beziehung kein Tim Apple. Aber seine Politik der kleinen Schritte erinnert fatal an eine hierzulande mit ebenfalls allzuwenig Ambitionen agierende Kanzlerin. Ein „Next Big Thing“ scheint weit und breit nicht in Sicht. zu sein. Oder?

Siri und der spät vorgestellte Apple HomePod haben den Anschluss verloren und liegen längst hinter Amazons Echo-Linie und Googles Home zurück. Trotz vorhandener iCloud hat es Apple versäumt, ein profitables Enterprise Cloud Geschäft aufzubauen. Das Smart-TV-Geschäft schwächelt, lässt sich gar als Fehlstart beschreiben. Und das Projekt Titan, mit dem man in die Entwicklung autonomer Automobile einsteigen wollte, verzeichnet eine deutliche Zahl von Entlassungen. All dies kann man als Indizien für den Verlust des Mutes und der technologischen Risikobereitschaft deuten. Selbst im Kernsegment iPhone fehlen wirkliche Innovationen. Schlimmer noch: Unmittelbare Wettbewerber wie Huawei und Samsung präsentieren als Erste faltbare Smartphone-Bildschirme. Selbst wenn Apple sich aufraffen sollte, diese neue Technologie im nächsten iPad Pro zu integrieren, liegt das Momentum doch längst bei anderen Marktteilnehmern.

Hätte Apple vielleicht gut daran getan Tesla zu kaufen, wie viele Marktbeobachter gehofft und erwartet hatten? Allein die Summe, die Apple in 2018 für den Rückkauf eigener Aktien ausgegeben hat, hätte dafür ausgereicht. Und ja, das wäre durchaus ein Gang ins Risiko gewesen. Zugleich aber auch eine große Chance. Das eine ohne das andere ist nun mal nicht zu haben. Es wäre schade, wenn sich die Prognose bewahrheiten würde, wonach mit dem Tod Steve Jobs auch der kreative Spirit des Unternehmens zu Grabe getragen worden ist. Sollte dies der Fall sein, dann mag der geneigte Leser diesen Text gerne als Nachruf lesen. Als Nachruf auf einen einstmaligen Dealbreaker, der – wie es vielleicht ja auch der natürliche Lauf der Dinge ist – vom eigenen Gewicht und der eigenen, immensen Größe erdrückt worden ist. Schade wär’s schon.

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Heute vor fast 50 Jahren…

Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik, Technologie | 23. Dezember 2018 | 16:02:21 | Roland Müller

…zeigte die Menschheit noch den Mut, neue, große Schritte zu wagen. Wo ist er hingegangen, der Mut, warum hat er uns verlassen? Zumindest im Umgang mit dem Klimawandel ist nichts, aber auch gar nichts davon zu erkennen. Auch Frank Bormans Aussage anlässlich der Mondumrundung mit Apollo 8, genau heute vor 50 Jahren, hat ihre Aktualität nicht verloren: „When you’re finally up at the moon looking back on earth, all those differences and nationalistic traits are pretty well going to blend, and you’re going to get a concept that maybe this really is one world and why the hell can’t we learn to live together like decent people.“ Auch ob die weiteren Schritte tiefer hinein in unser Sonnensystem wirklich realisiert werden, bleibt noch abzuwarten. Selbst wenn ein Mann wie Alexander Gerst uns ein ums andere Mal darlegt, warum dies unumgänglich ist.

(Copyright Foto: NASA Apollo 11 Image Gallery)

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