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Gedanken zum 7. Oktober 2023

Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik | 07. November 2023 | 16:56:20 | Roland Müller

Heute, genau einen Monat nach dem blutrünstigen Massaker der Hamas-Miliz an mehr als 1.400 israelischen Kindern, Müttern und Großmüttern, Vätern und Großvätern und zwei Tage vor dem 9. November, dem Tag der Erinnerung an die Reichpogromnacht, als in Deutschland die Synagogen brannten, ist es Zeit, innezuhalten.

Wir müssen uns die Frage stellen, wie gefühlskalt, teilnahmelos und abgestumpft wir in diesem unseren Land geworden sind. Warum haben die von der Hamas selbst gedrehten Horrorvideos von abgeschlachteten und teils geköpften Kindern, vergewaltigten Frauen, aufgeschlitzten Bäuchen Schwangerer und in ihren Häusern lebendig verbrannter Menschen nicht berührt? Warum haben sie nicht unsere Herzen erreicht? Warum sind wir nicht zu Tausenden und Zehntausenden auf die Straße gegangen, um gegen das schlimmste Pogrom an jüdischen Menschen seit dem Terror der Nazis zu protestieren? Was hätten wir getan, wenn – gemessen an der Bevölkerungszahl – hierzulande entfesselte Terrorbanden johlend und videografierend knapp 20.000 deutsche Mitbürgerinnen und Mitbürger abgeschlachtet hätten?

Müssen wir uns vielleicht eine ganz andere Frage stellen?

Die Frage, wie tief der Antisemitismus in unserer deutschen Gesellschaft verwurzelt ist und wie oberflächlich die Wurzeln von Humanismus, Mitgefühl und Empathie verankert sind?

Offenbar sehen viele von uns, eine überwiegende, beharrlich schweigende Mehrheit, nicht die Menschen, die leiden; wollen sie nicht sehen, wokken sich nicht dazu äußern, wenden sich ab. Starren Tage und Wochen danach auf die Bilder gepeinigter palästinensischer Kinder, die die Bildschirme fluten. Ebenfalls Opfer eines Krieges, den eine Terrororganisation angezettelt hat, die in ihrer religiös-ideologischen Verblendung nicht einmal davor zurückschreckt, die eigenen Mitbürger als Geiseln zu nehmen, sie gar vorauseilend als Märtyrer zu bezeichnen, deren verdammte Pflicht es sei, für die Sache der Hamas zu sterben. Immerhin, und das erschrickt mich wirklich, scheinen vielen Deutschen die leidenden Palästinenser emotional näher zu gehen als die abgeschlachteten Israelis. „Die sind doch selbst dran schuld“, tönt es aus ganz rechten und ganz linken Kreisen. Dort, wo einerseits offener, andererseits subtiler, intellektuell verbrämter Antisemitismus schon immer zu Hause war. Ebenso in Kreisen mancher Muslime, die zu uns geflüchtet sind oder schon lange bei uns leben. Oft genug angeheizt von den ErdoÄanen dieser Welt, die nihr ganz eigenes Süppchen kochen und die Palästinenser seit Jahrzehnten für ihre eigenen Interessen missbrauchen. Wie leicht sich doch mit den passenden Bildern und Erzählungen Opfer zu Täter stilisieren lassen. Wie blind wir doch erneut darauf hereinfallen, wie schon in den zwölf Jahren eines tausendjährigen Reichs. Und lange davor. Die selben Erzählungen, die selbe Mechanik der Entmenschlichung. So durchsichtig. So erkennbar. So wirkungsvoll.

Beginnt es wieder?

Danke an das Börsenblatt des deutschen Buchhandels für diesen Appell.

Danke an Robert Habeck für diese Rede. Eigentlich wäre es Sache des Bundeskanzlers gewesen, sie zu halten.

Danke für diese Initiative des deutschen Literaturbetriebs.

Danke für diesen Beitrag auf buchmarkt.de

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