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Archiv für die Kategorie ‘Gesellschaft’

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Lesen stärkt die Immunität

Veröffentlicht in Gesellschaft, Literatur, Politik | 10. Mai 2020 | 10:37:45 | Roland Müller

Zwei Bücher, die man in diesen Tagen gelesen haben sollte

Nachdem in diesen Tagen immer mehr Menschen in eng gepackten Massen gegen die Einschränkungen auf die Straße gehen, mit denen die Regierung versucht, der Pandemie Herr zu werden, kann ein wenig Fachlektüre nicht schaden, um eine gewisse Resistenz auszubauen gegen die grassierende Unvernunft. Denn die besagten Demonstrationen sind längst unterwandert und instrumentalisiert worden von einem merkwürdigen Amalgam linker wie rechter Verschwörungstheoretiker, Impfgegnern, rechtsnationaler Völkler und knallharter Neofaschisten. Mit der traurigen Folge, dass die durchaus begrüßenswerte kritische Diskussion der durchaus nicht immer angemessenen verfassungseinschränkenden Maßnahmen gegen die Ausbreitung von COVID-19 dabei längst in den Hintergrund getreten ist.

Lesen bildet auch hier. Nämlich eine gesunde Grundimmunität gegen die Einflüsterungen geistig gestörter Apologeten abstruser oder einfach nur gefährlicher Theorien – Menschenfänger, denen es schon immer nur um eines ging: Macht über Menschen zu erlangen.

Wir empfehlen gegen die Einflüsterungen jener, die unter dem Etikett eines neuen Patriotismus den klassischen Faschismus auferstehen lassen wollen Michaela Murgias fundierte und gleichwohl satirische Anleitung „Faschist werden“. Ein tiefsinniger Spaß mit überaus ernstem Hintergrund, der vielleicht dem einen oder anderen die Augen öffnen wird, wer sich da auf unseren Straßen umtut.

Mit Prof. Dr. Michael Butters „Nichts ist, wie es scheint“ lassen sich so ziemlich alle gängigen Verschwörungstheorien wissenschaftlich korrekt als das erkennen, was sie im Grunde sind: Ausdruck einer diffusen Angst und verzweifelter Versuch, einer komplexe Welt mit einfachen Antworten gerecht zu werden, mögen diese auch noch so absurd sein. Butter analysiert kühl, präzise und unwiderlegbar die Mechanismen, die Verschwörungstheorien zugrunde liegen.

Beides zusammen die perfekte Wochenendlektüre in Zeiten wie diesen. Enjoy!

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Gegen den Home Office Blues

Veröffentlicht in Gesellschaft, Internet | 25. April 2020 | 13:40:43 | Roland Müller

Gemälde des Cajun-Künstlers George Rodrigue (1944-2013)

Vielen Selbstständigen und zwangsweise im Home Office Tätigen fällt früher oder später die Decke auf den Kopf – sie entwickeln einen „Home Office Blues“. Die einen früher, die anderen später. Ganz selten nur jene, die eh seit Jahren von Zuhause aus arbeiten wie unsereiner. Um Euch allen da draußen das heimische Arbeitsleben ein wenig leichter zu machen, nachfolgend ein paar Tipps, was man gegen das erste Aufkeimen des Home Office Blues tun kann…

Regel 1: Dem Tag eine Struktur geben

Feste Regeln gliedern den Tagesablauf. Zum Beispiel um 8 Uhr aufstehen, waschen, ankleiden. 8 Uhr 30 Kaffee kochen und in Ruhe das Frühstück genießen. Ab 9 Uhr 30 an den Laptop setzten und bis zum Mittag alles abarbeiten, was kreative Energie benötigt. Mittagspause von 12 Uhr bis 13 Uhr 30 (inklusive Mittagessen zubereiten und verzehren). Bis 14 Uhr in Ruhe verdauen und die Gedanken sammeln. Von 14 bis 16 Uhr 30 dann wieder an den Laptop und die eher „mechanischen“ Tagesaufgaben abarbeiten. Anschließend eine Runde spazieren gehen, um den Tag zu resümieren. Und so weiter, je nach individueller Beschaffenheit und Biorythmus. Mehr Arbeitszeit ist kaum vonnöten, denn zuhause strukturiert arbeiten ist gut 30 Prozent effektiver als die Anwesenheit im Büro. Zumal die lästigen Endlos-Meetings wegfallen.

Regel 2: Kontakt halten mit Kolleginnen und Kollegen

Per Mail, Skype oder Conferencing-Software wie MS Teams oder Zoom (Version 5.0, weil erst diese halbwegs sicher ist). Auch das gute alte Telefon ist hilfreich! Ansonsten gilt es, sich bewusst zu wehren gegen lässiges Zwischendurch-mal-facebook-schauen auf dem Mobilphone.

Regel 3: Arbeitsplatz-Kleidung auch im Home Office

Nicht mit Jogginghose und T-Shirt an den Laptop setzen. Dies garantiert ein schleichendes Abgleiten vom Arbeitsmodus in den Privatmodus. Und das ist extrem ineffizient. Aus dem gleichen Grund sollte der häusliche Arbeitsplatz klar getrennt sein vom sonstigen privaten Lebensraum. Laptop am Wohnzimmertisch, das geht gar nicht!

Regel 4: Keine Ablenkungen dulden

Arbeit ist Arbeit. Jede Unterbrechung von außen behindert des Flow des Abarbeitens aller Aufgaben. Das muss auch für die sonstigen Angehörigen des eigenen Privathaushaltes einsichtig sein. Ohne Disziplin ist das kaum zu schaffen. Ein klärendes Gespräch zu Beginn der Home Office Phase mag da Klarheit schaffen.

Regel 5: Diese Regeln sind nicht in Stein gehauen

Wenn sich im persönlichen Tagesablauf herausstellt, dass die eine oder andere Regel nicht durchsetzbar ist, so what? Jeder Mensch ist anders. Also nachdenken und an die eigenen Befindlichkeiten und Erfordernisse anpassen!

Good luck 🙂

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Stellt Euch vor, es ist Frühling und keiner darf raus…

Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik | 19. März 2020 | 15:41:41 | Roland Müller

Bewertet man die geradezu kindliche Ingnoranz, mit der am 16. März in Berlin, Baden-Württemberg und woauchimmer noch Tausende und Abertausende von vorwiegend jugendlichen Müßiggängern den Frühling begangen haben – im kuscheligen Beisammensein unter dem Label „Corona-Party“ – dann steigt die Wahrscheinlichkeit für einen kompletten Lockdown der Republik stündlich. Daran wird aller Voraussicht nicht einmal die Blut-, Schweiß- und Tränenrede unserer Kanzlerin etwas ändern. Auch wenn diese unerwartet klar und eindeutig ausfiel, ohne die übertriebene Emphase eines Macron oder die Theatralik eines Herrn Kurtz.

Richten wir uns also darauf ein, dass irgendwann in den kommenden Tagen das böse, böse Wort „Ausgangssperre“ all jene zur Räson ruft, die das Glöckchen bisher noch nicht klingen gehört haben. Und ergreifen wir – sofern nicht längst geschehen – die notwendigen Schutzmaßnahmen. Nicht nur in unserem eigenen Interesse, sondern vor allem im Interesse unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger!

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Im Anfang war das Wort

Veröffentlicht in Gesellschaft, Medien, Politik | 26. Februar 2020 | 10:49:13 | Roland Müller

Das älteste Prinzip der Menschheitsgeschichte

Überaus lesenswert, wenn man die manipulativen Mechaniken der quasifaschistischen Verstichwortung durchschauen möchte, deren sich insbesondere der Höcke-Flügel der AfD bedient: Heinrich Deterings in Reclams Universal-Bibliothek erschienene Analyse „Was heißt hier ‚wir‘?“ – Zur Rethorik der parlamentarischen Rechten“. Leseproben gibt’s hier.

In diesem Zusammenhang lohnt es sich auch, sich jenes kleine Zitat in Erinnerung zu rufen, mit dem Thomas Mann in einem Briefwechsel mit seinem Bruder Heinrich 1936 die damalige wie die heutige Situation erschreckend hellsichtig auf den Punkt bringt:

„Sie haben die unglaubwürdige Kühnheit, sich mit Deutschland zu verwechseln! Wo doch vielleicht der Augenblick nicht fern ist, da dem deutschen Volke das Letzte daran gelegen sein wird, nicht mit ihnen verwechselt zu werden.“

(Foto: WDR Übertragung des Rosenmontagszuges in Düsseldorf 2020)

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Erkenntnis zum Sonntag

Veröffentlicht in Gesellschaft, Internet, Medien, Politik | 16. Februar 2020 | 10:59:02 | Roland Müller

Ein Journalist ist ein Mensch mit eigenen Überzeugungen, der nicht die Überzeugungen des Organs zu vertreten hat, bei dem er beschäftigt ist. Er braucht Zeit für die Reflexion und sollte frei sein von dem Druck, über jedes Ereignis exklusiv und vor den Kollegen zu berichten. Nicht schnell muss man informieren, sondern gut. Ein Journalist sollte so über Ereignisse berichten, dass man sie versteht. er hat die Quellen offenzulegen, zu hinterfragen und nicht selbst Schlussfolgerungen anzubieten, sondern den Leser in die bestmögliche Lage zu versetzen, dies selbst zu tun. Sein Ziel sollte es nicht sein, dem Leser zu gefallen, sondern ihn aufzuklären. Er sollte über die Glaubwürdigkeit der Quellen informieren und stets die Wahrheit im Blick haben, und scheint sie historisch betrachtet noch so zerbrechlich. Er soll die Funktionsweise der internationalen Presseagenturen offenlegen, um den kritischen Geist der Leser zu wecken. Seine politisch-moralischen Kommentare sollte er in dem Bewusstsein verfassen, dass die Verpflichtung zur Wahrheit nicht ausschließt, Position zu beziehen. Er sollte die Fakten in Bezug zueinander setzen, ein gewisses Talent zur Ironie haben, sich weder oberlehrerhaft noch als Moralapostel oder Richter gerieren, stets um Objektivität bemüht sein und die Bedeutung einer Information einschätzen können. Er muss wissen, dass sein Recht auf Kritik mit der Pflicht zur Selbstkritik einhergeht.

(Nach Albert Camus in La Démocratie à faire, II, S. 523)

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