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Archiv für die Kategorie ‘Gesellschaft’

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Stellt Euch vor, es ist Frühling und keiner darf raus…

Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik | 19. März 2020 | 15:41:41 | Roland Müller

Bewertet man die geradezu kindliche Ingnoranz, mit der am 16. März in Berlin, Baden-Württemberg und woauchimmer noch Tausende und Abertausende von vorwiegend jugendlichen Müßiggängern den Frühling begangen haben – im kuscheligen Beisammensein unter dem Label „Corona-Party“ – dann steigt die Wahrscheinlichkeit für einen kompletten Lockdown der Republik stündlich. Daran wird aller Voraussicht nicht einmal die Blut-, Schweiß- und Tränenrede unserer Kanzlerin etwas ändern. Auch wenn diese unerwartet klar und eindeutig ausfiel, ohne die übertriebene Emphase eines Macron oder die Theatralik eines Herrn Kurtz.

Richten wir uns also darauf ein, dass irgendwann in den kommenden Tagen das böse, böse Wort „Ausgangssperre“ all jene zur Räson ruft, die das Glöckchen bisher noch nicht klingen gehört haben. Und ergreifen wir – sofern nicht längst geschehen – die notwendigen Schutzmaßnahmen. Nicht nur in unserem eigenen Interesse, sondern vor allem im Interesse unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger!

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Im Anfang war das Wort

Veröffentlicht in Gesellschaft, Medien, Politik | 26. Februar 2020 | 10:49:13 | Roland Müller

Das älteste Prinzip der Menschheitsgeschichte

Überaus lesenswert, wenn man die manipulativen Mechaniken der quasifaschistischen Verstichwortung durchschauen möchte, deren sich insbesondere der Höcke-Flügel der AfD bedient: Heinrich Deterings in Reclams Universal-Bibliothek erschienene Analyse „Was heißt hier ‚wir‘?“ – Zur Rethorik der parlamentarischen Rechten“. Leseproben gibt’s hier.

In diesem Zusammenhang lohnt es sich auch, sich jenes kleine Zitat in Erinnerung zu rufen, mit dem Thomas Mann in einem Briefwechsel mit seinem Bruder Heinrich 1936 die damalige wie die heutige Situation erschreckend hellsichtig auf den Punkt bringt:

„Sie haben die unglaubwürdige Kühnheit, sich mit Deutschland zu verwechseln! Wo doch vielleicht der Augenblick nicht fern ist, da dem deutschen Volke das Letzte daran gelegen sein wird, nicht mit ihnen verwechselt zu werden.“

(Foto: WDR Übertragung des Rosenmontagszuges in Düsseldorf 2020)

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Erkenntnis zum Sonntag

Veröffentlicht in Gesellschaft, Internet, Medien, Politik | 16. Februar 2020 | 10:59:02 | Roland Müller

Ein Journalist ist ein Mensch mit eigenen Überzeugungen, der nicht die Überzeugungen des Organs zu vertreten hat, bei dem er beschäftigt ist. Er braucht Zeit für die Reflexion und sollte frei sein von dem Druck, über jedes Ereignis exklusiv und vor den Kollegen zu berichten. Nicht schnell muss man informieren, sondern gut. Ein Journalist sollte so über Ereignisse berichten, dass man sie versteht. er hat die Quellen offenzulegen, zu hinterfragen und nicht selbst Schlussfolgerungen anzubieten, sondern den Leser in die bestmögliche Lage zu versetzen, dies selbst zu tun. Sein Ziel sollte es nicht sein, dem Leser zu gefallen, sondern ihn aufzuklären. Er sollte über die Glaubwürdigkeit der Quellen informieren und stets die Wahrheit im Blick haben, und scheint sie historisch betrachtet noch so zerbrechlich. Er soll die Funktionsweise der internationalen Presseagenturen offenlegen, um den kritischen Geist der Leser zu wecken. Seine politisch-moralischen Kommentare sollte er in dem Bewusstsein verfassen, dass die Verpflichtung zur Wahrheit nicht ausschließt, Position zu beziehen. Er sollte die Fakten in Bezug zueinander setzen, ein gewisses Talent zur Ironie haben, sich weder oberlehrerhaft noch als Moralapostel oder Richter gerieren, stets um Objektivität bemüht sein und die Bedeutung einer Information einschätzen können. Er muss wissen, dass sein Recht auf Kritik mit der Pflicht zur Selbstkritik einhergeht.

(Nach Albert Camus in La Démocratie à faire, II, S. 523)

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Nur ein Midwestern Boy?

Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik | 28. Januar 2020 | 16:07:40 | Roland Müller

Der Wirtschaftsclub Rhein-Main e.V. – 1950 gegründet von jungen Unternehmern und Führungskräften der Wirtschaft im I.G.- Farben- Haus in Frankfurt am Main. Im Gegensatz zu bestehenden Vereinigungen in Deutschland aus der Vorkriegszeit ist dies von Anfang an keine ausschließliche Unternehmer-Vereinigung. Angestellte Manager, Führungskräfte und Arbeitnehmer wurden einbezogen. Dadurch konnten Interessenvertretungen verhindert werden, und es entstand ein „dritter Ort“ mit absoluter Neutralität in parteipolitischer, sozialer, religiöser und wirtschaftlicher Hinsicht. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen stehen bis heute der Austausch von Meinungen und Ideen sowie eine Kontaktaufnahme zu potentiellen Geschäftspartnern. Besonders spannend ist die Auswahl von Gästen und Rednern, die übers Jahr im Wirtschaftsclub auftreten.
Wir hatten das Vergnügen, bei einem wenige Tage zurückliegenden Treffen des Wirtschaftsclubs den US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, kennenzulernen. Nun ja, was heißt schon kennenzulernen? Die Ambivalenz seiner Person eilt ihm ja voraus. Nicht nur in medialen Kreisen wie der FAZ, die ihn als „Brachialdiplomaten“ charakterisiert. Oder die TAZ, die als seine Lieblingsbeschäftigung das Drohen ausgemacht haben will. Wir jedenfalls wollten uns selbst ein Bild machen. In Frankfurt am Main, in der Villa Bonn.
Worauf achteten wir also beim Auftritt von Richard Grenell, der sich selbst mit einem berechnenden Augenzwinkern als „Midwestern Boy“ bezeichnet, als einen ganz normalen Vertreter jenes Mittleren Westens der USA, aus dem sich der Löwenanteil von Trumps Wählern oder besser gesagt Fans rekrutiert? Richtig: auf seine Körpersprache, auf seine Gestik. Und weniger auf das, was er tatsächlich sagte.
Oh ja, der Mann hat Ausstrahlung, Charisma sogar. Und er weiß davon Gebrauch zu machen. Insbesondere, wenn er mit seinen deutschen Freunden spricht und sie vor dem Feind warnt. Was natürlich und schon immer das böse, böse Russland ist. Ein zwar einfaches, wenn nicht sogar eindimensionales Bild. Aber in Anbetracht des Putin’schen Machtbewusstseins zumindest nicht ganz unzutreffend.
Kontrolliert, selbstbewusst, sich jederzeit seiner Gestik bewusst präsentiert sich Mr. Grenell als charmanter Wolf im Wolfspelz. Der einfache Junge aus dem Mittleren Westen weiß ganz genau, was er anbietet und was er einfordert. Dass er dies in einer alles andere als diplomatischen Sprache tut, mag in seiner Natur liegen. Die er immer wieder nicht ohne ein gerüttelt Maß an Koketterie und, wer weiß, Narzissmus inszeniert. Was, wir müssen es zugeben, nicht ohne Eindruck bleibt auf die Anwesenden und uns.
Was bleibt als Fazit? Richard Grenell ist knallhart, sehr direkt, überaus berechnend und im deutschen Walde der Wolf, dem kein Rotkäppchen begegnen mag. Nichtdestotrotz sind seine Argumente präzise, in Teilen nachvollziehbar und zumindest ernsthaft zu diskutieren. Beispielsweise, wenn es um die ja nicht gerade neuen Forderungen Washingtons nach mehr finanziellem und materiellem Engagement Deutschlands in der Nato geht. Weniger goutieren kann man das brachiale Feindbild, mit dem er durch die Lande reist. Aber nun ja, „America First“ lässt vermutlich keine andere Weltanschauung zu. So oder so: ein spannender Auftritt eines sehr interessanten Mannes.

(Copyright Fotos: Roland Müller)

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Heute vor fast 50 Jahren…

Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik, Technologie | 23. Dezember 2018 | 16:02:21 | Roland Müller

…zeigte die Menschheit noch den Mut, neue, große Schritte zu wagen. Wo ist er hingegangen, der Mut, warum hat er uns verlassen? Zumindest im Umgang mit dem Klimawandel ist nichts, aber auch gar nichts davon zu erkennen. Auch Frank Bormans Aussage anlässlich der Mondumrundung mit Apollo 8, genau heute vor 50 Jahren, hat ihre Aktualität nicht verloren: „When you’re finally up at the moon looking back on earth, all those differences and nationalistic traits are pretty well going to blend, and you’re going to get a concept that maybe this really is one world and why the hell can’t we learn to live together like decent people.“ Auch ob die weiteren Schritte tiefer hinein in unser Sonnensystem wirklich realisiert werden, bleibt noch abzuwarten. Selbst wenn ein Mann wie Alexander Gerst uns ein ums andere Mal darlegt, warum dies unumgänglich ist.

(Copyright Foto: NASA Apollo 11 Image Gallery)

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