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Archiv für die Kategorie ‘Kultur’

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Die Stimmen der Zukunft

Veröffentlicht in Apple & Co, Kultur, Kunst, Literatur | 26. Oktober 2020 | 15:04:14 | Roland Müller

Zwischen Utopie und Dystopie liegt oft nur ein Wimpernschlag. Oder aber jene knapp 190 Seiten junges literarisches Schaffen, das Herausgeber Samuel J. Kramer in Poetry for Future eingefangen hat. Das vergleichsweise dünne Büchlein, erschienen im Satyr Verlag, Berlin, zeigt, welche kreativen Potenziale die aktuelle Pandemie in der deutschen, österreichischen und schweizerischen Poetry Slam und Lyrik Szene freizusetzen in der Lage ist. 45 Autor*innen von Anja Utler bis Yannick Steinkeller liefern Stoff zum Denken. Poetry Slam und hehre Dichtkunst, Ungereimtheiten und Gereimtes, bissige Satire und schmerzhafe Analyse, Bedenkenswertes und Rebellisches, alles ist in dieser Anthologie vertreten. Ihr wollt wissen, wie die Generation Z tickt? Wie sie angesichts des auf uns zurollenden globalen Kollaps‘ Worte findet, um die gesellschaftliche Sprachlosigkeit zu überwinden? Dann ist es an der Zeit, diese 45 Texte für übermorgen zu lesen. Vielleicht, ja vielleicht dämmert dann dem einen oder anderen, was wir gerade dabei sind anzurichten. Und wie wir da – womöglich – wieder herauskommen. Vielleicht sogar mit einem blauen Auge. Und mit einem lachenden…

Als Appetithäppchen zitiere ich nachfolgend einen Absatz aus Marina Sigls Ein Bericht (ab Seite 18 der Anthologie):

April. Das Wasser ist inzwischen hüfthoch. In meinem Keller wachsen nun seltene Wasserpflanzen, die in anderen aquatischen Lebensräumen vom Aussterben bedroht sind. Auch verschiedene Wasservögel haben sich in alten Kellerregalen Nisthöhlen gebaut. Erik beschließt, seine Masterarbeit in aquatischer Biologie über die Pflanzen zu schreiben. Mein Vermieter hat vom Biotop in meinem Keller gehört und kassiert nun Eintritt für die Touristenattraktion. Schaulustige trampeln durch die Tümpel der Frösche und überfüttern die Enten mit Brot, das aufgeweicht und flockig den Pflanzen im Wasser ihr Licht nimmt. Anna startet eine Kampagne zum bewussten Umgang mit der Umwelt.

Poetry For Future. 45 Texte für übermorgen, Hrsg. Samuel J. Kramer. Satyr Verlag, Berlin 2020 (ISBN: 978-3-947106-60-8)

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Frankfurter Buchmesse 2020

Veröffentlicht in Internet, Kultur, Literatur, Medien | 17. Oktober 2020 | 14:56:15 | Roland Müller

Die Zwischenbilanz

Alle großen Messen des Jahres 2020 wurden abgesagt. Alle? Nein. In Frankfurt am Main fand trotz aller Widrigkeiten die weltgrößte Buchmesse statt. Wenn auch in diesem öden Pandemiejahr nicht physisch in den endlosen Messehallen der Mainmetropole. Sondern als weitestgehend digitales Event, ergänzt durch dezentrale kleine Veranstaltungen in der Stadt. Man muss Juergen Boos und seinem Team gratulieren zu dem Mut und der Risikobereitschaft, die es erforderte, vergleichsweise kurzfristig das physische Mega-Event der Verlagsindustrie in ein digitales zu verwandeln. Und man muss sagen: Es ist gelungen!

Zum Abschluss der traditionellen Fachbesuchertage am Freitag kann sich die vorläufige Bilanz sehen lassen: 4.422 digitale Aussteller*innen aus 103 Ländern haben sich auf der Plattform buchmesse.de registriert. Kein schlechter Wert gemessen an den gut 6.000 Ausstellern, die die Buchmesse normalerweise analog zu verzeichnen hat. Im Veranstaltungskalender der Buchmesse wurden in der Messewoche 3.627 Events eingetragen. 2.362 Nutzer*innen haben das Matchmaking-Tool genutzt, das auch über den Messezeitraum hinaus zur Verfügung steht. 

Auf der Frankfurt Rights Plattform wurden seit dem 1. Oktober 2020 4.165 Ver- und Einkäuferaccounts aktiviert. Innerhalb der FBM20-Mitgliedschaft wurden über 31.100 Titel hochgeladen, insgesamt sind auf Frankfurt Rights aktuell über 400.000 Titel gelistet. 

„In einem Jahr, in dem Messen überall auf der Welt hybrid oder ausschließlich in digitaler Form stattgefunden haben, ist es uns gelungen, die internationale Buchbranche an wenigen Tagen zusammenzubringen. 148.000 User*innen aus 183 Ländern haben bis heute die digitalen Angebote in der Messewoche genutzt. Mit unseren Angeboten wollten wir den digitalen Rechtehandel unterstützen, ein Schaufenster sein für Neuerscheinungen aus vielen Ländern und die Vernetzungsangebote für viele Branchenexpert*innen und Publishing Professionals anbieten. Zugleich haben wir mit den Veranstaltungen im Weltempfang auf der ARD-Buchmessenbühne und dem von Litprom und KFW Stiftung veranstalteten African Perspectives Symposium, ein literaturbegeistertes Publikum im Netz erreicht,“ äußerte ein offenbar zufriedener Juergen Boos in der aktuellen Pressemitteilung.

Die Website der Frankfurter Buchmesse wurde zum Schaufenster der digitalen Buchproduktion: 6.800 Einreichungen von Präsentationskacheln durch digitale Aussteller*innen wurden für die 13 Themenseiten auf buchmesse.de erfasst. Das mag nicht ausreichen, die Messe zu refinanzieren, aber es ist ein wichtiger Indikator für das Gewicht, das die Frankfurter Buchmesse auch in diesen, vielleicht gerade in diesen Zeiten besitzt.

Wir hier vom digitalen Café berichten bekanntlich seit 2007 regelmäßig und ausführlich von den Autoren, Neuerscheinungen, Absonderlichkeiten und Geschehnissen auf den Messefluren. Dass wir dies nun erstmals nicht in der bewährten Weise tun konnten, schmerzt ein wenig, zugegeben, Aber wir drücken Juergen Boos und uns die Daumen, dass Frankfurt in 2021 „seine“ Buchmesse wieder so ausrichten kann, wie wir alle dies lieben und schätzen. Mit Trubel und Stimmung in oftmals überfüllten Hallen und der Chance, Bücher im Wortsinn begreifen zu können.

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Einmal Elbphilharmonie und zurück

Veröffentlicht in Design, Genuss, Kultur, Kunst, Musik | 13. Februar 2020 | 11:03:05 | Roland Müller

Die Abendkasse der Elbphilharmonie Hamburg

Hamburg ist in vielerlei Beziehung einen Reise wert. Seit die Elbphilharmonie als das neue Wahrzeichen der Hansestadt eröffnet ist, addiert sich ein weiterer Grund hinzu – insbesondere für Jazzfreunde und sonstige Konzertgänger. Wird die Akustik des Neubaus nach dem Entwurf des Architektenbüros Herzog & de Meuron dem legendären Ruf gerecht, den der verantwortliche japanische Ingenieur Yasuhisa Toyota diesbezüglich genießt? Wir haben es uns angehört…

Der Blick aus Etage 12, Bereich C, Reihe 3

Asymmetrisch, organisch, licht und irgendwie von einem anderen Stern. Das Innere des Großen Saals der Elbphilharmonie fasziniert.

Helle, natürliche Farbtöne, ein Grundaufbau im klassischen Agora-Stil und Diffusorelemente rundum sollen den perfekten Erlebnisraum schaffen für Künstler und Konzertbesucher.

Die Verteilung der Besucherränge erinnert ein wenig an einen Bienenkorb. Wie sich dieser ungewohnte Innenaufbau auf die Raumakustik auswirkt? Nun, wir konnten uns davon am 6. Februar 2020 einen Eindruck verschaffen. Beim vierten der von Manfred Eicher, dem Gründer des legendären Labels ECM kuratierten Konzerte der Reihe „Reflektor Manfred Eicher“

Eigentlich einem Doppelkonzert, denn im ersten Teil brillierte Egberto Gismonti an zehnsaitiger Gitarre und Piano, im zweiten Teil trat das Avishai Cohen Quartett auf. Beides herausragende Jazz-Interpreten, die von Manfred Eicher entdeckt, gefördert und auf ECM veröffentlicht wurden. Aus naheliegenden weil urheberrechtlichen Gründen verzichten wir hier auf Fotos von deren Performance. Aber soviel sei nach gut zwei Stunden intensivem Hörgenuss gesagt: Für Solisten und kleine Jazz-Besetzungen ist die Raumakustik des Großen Saals unfassbar gut. Was auch Egberto Gismonti zutiefst überrascht bestätigte, als er feststellte, dass der Raum vollkommen frei von Echos und ungewollten Reflexionen sei. Das Ergebnis ist eine unglaublich Intimität der musikalischen Darbietung. Jedes Detail beim Anzupfen einer Gitarrensaite und selbst der leise, sonst für das Publikum unhörbare „Klick“, der vor dem eigentlichen Perkussivton des Instruments entsteht, wenn der Pianist die Tasten berührt, wird hörbar. Unglaublich. Akustisch ein ganz großer Wurf. Dem im übrigen das Doppelkonzert an jenem Abend in jeder Beziehung gerecht wurde! Zusammengefasst kann man also guten Gewissens behaupten: Die Elbphilharmonie ist eine Konzertreise wert!

Nachtrag: Um den Konzertausflug nach Hamburg perfekt zu machen, empfiehlt es sich, so wie wir im The Westin zu übernachten, einem Top-Hotel der Marriot-Gruppe im Gebäude der Elbphilharmonie, unmittelbar unter den Konzertsälen gelegen. Es ist genial, bei jedem Wetter in geschätzt 5 Minuten trockenen Fußes ins Konzert zu kommen 😉

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Frankfurter Buchmesse – ab 2020 ganz neu

Veröffentlicht in Kultur, Kunst, Literatur, Medien | 24. September 2019 | 15:30:48 | Roland Müller

2019 wird für die Frankfurter Buchmesse das letzte Jahr im alten Gewand sein. Bereits im kommenden Jahr heißt es: schöner, höher, weiter! Mit den bereits in diesem Jahr abgeschlossenen Revitalisierungsarbeiten an der Halle 6 und dem Abtragen der Halle 5 ab Ende des Jahres mit anschließendem Neubau bis 2023 kommt es eh schon zu großen Veränderungen auf dem Frankfurter Messegelände. Noch gravierender aber wird das neue Entrée der Buchmesse sein. Ab 2020 empfängt die Halle 1 mit einem neuen, großen „Fenster zur Stadt“ die Hunderttausende von Besuchern. Die dank der riesigen Glasfront an der Ostseite lichtdurchflutete Halle liegt in unmittelbarer Nähe des vielfrequentierten City-Eingangs und der Halle 3 und soll für ein ganz neues Buchmesse-Gefühl sorgen. Stadtzugewandter als je zuvor präsentiert die weltgrößte Buchmesse damit ihr Angebot und macht im übertragenen Sinne die Transparenz und Weltoffenheit, für die die Messe seit jeher steht, ganz unmittelbar erlebbar. Die Hallen 1 und 3 werden durch zwei ineinander übergehende Freiflächen verbunden. Der Weltempfang – Zentrum für Politik, Literatur und Übersetzung – zieht von Halle 4.1 in Halle 1.1., ebenso werden die unabhängigen Verlage in dieser Hallenebene platziert. Der Bereich Papeterie & Geschenke zieht in Halle 3.0, während das Blaue Sofa seinen Standort in Halle 3.1 behält. Wir sind gespannt!

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Moulüe – Die Entschlüsselung Chinas auf 426 Seiten

Veröffentlicht in Gesellschaft, Kultur, Literatur, Politik | 01. Dezember 2018 | 11:21:49 | Roland Müller

Mit der zunehmenden Eskalation des politischen und ökonomischen Verhältnisses zwischen den USA und der VR China – getrieben durch einen von Mr. Trump angezettelten Handelskrieg – wird es um so wichtiger zu verstehen, welche Strategien, Planungsziele und Denkhorizonte die chinesische Führungsebene bewegen, so zu handeln wie sie handeln. Mit der nun vorliegenden, umfangreich überarbeiteten und aktualisierten zweiten Auflage  von „Moulüe – Supraplanung“ legt Prof. Harro von Senger im Hanser Verlag erneut und nachdrücklich jenes Buch vor, das wie kein anderes ermöglicht, China in die Karten zu schauen. Wir haben es gelesen…

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