Kamera
Schokolade

FBM 2026 Tag 3 und 4: Volle Hallen und tschechische Luftpilze

Veröffentlicht in Kultur, Kunst, Literatur | 18. Oktober 2026 | 21:38:38 | Roland Müller

Wie erwartet war es megavoll an den letzten Messetagen. Wie immer auf der Frankfurter Buchmesse. Aber immerhin war gewährleistet, dass wir als Fachbesucher bzw. Presse am Hauptstrom vorbewi navigieren durften. Ein echter Fortschritt gegenüber vergangenen Messen, an denen dieses Preivileg nur Ausstellern zustand.

Da wir uns diesmal intensiv auf dem Stand des Ehrengast Tschechien umschauen wollen, steueren wir direkt Richtung Halle 4. Auf halbem Weg und an gewohnter Stelle befand sich der tschechische Pavillon.

Da es noch früh am Messetag war, lungerten noch nicht viele Besucher am Counter und Bokkstore.

Nach einem Blick hinunter ins Restaurant und noch weiter hinab zur ARD und ZDF Bühne wagten wir uns durch den Eingang.

Es geht los!

Um uns zu orientieren, werfen wir einen Blick in die Runde, von links anch rechts.

Luftpilze, wohin das Auge blickt.

In unterschiedlichen Größen und Formen, aber leider untauglich, um darauf zu sitzen!

Ganz rechts die sogenannte Shore Stage, eine von zwei Veranstaltungsbühnen.

Davor die Bühnen- und Tontechmik.

Wir stolpern mitten ins laufende Programm.

Grund genug, uns ein wenig ins Tagesprogramm zu vertiefen.

Wir ziehen weiter. Schon kommen die ersten minialistischen Bücherregale in Sicht, dahinter die zweite Bühne mit dem sehr maritimen Namen Harbour Stage.

Viele, viele Bücher, aber noch wenig Menschen. Das macht uns die Arbeit leichter.

Was fällt uns zu Tschechien ein? Natürlich das legendäre böhmische Bier. Und natürlich gibt es dazu ein Standardwerk: PIVO Mythos tschechisches Bier.

Ein paar Regalplätze weiter stoßen wir auf einen Roman, nein, den Roman, der in Tschechien diskutiert wie kaum ein anderer: Schokoladenblut von Radka Denemarkova.

Ins Deutsche übersetzt von Eva Profousova.

Erschreckend heutig und faszinierend aktuell, obwohl es um die Entwicklungen des 19. Jahrhunderts geht.

Wir ziehen weiter.

Eine schöne Idee: Nicht nur Lesungen werden auf den beiden Bühnen gehalten, es wird auch musiziert.

Wir nehmen Platz und lauschen einem Duo, dass klassische tschechische Musik interpretiert. Zum Teil transkripiert von Orchester auf Violine und Klarinette. Überraschend: Das funktioniert sogar bei Smetanas Die Moldau. Tolle Performance.

Na endlich! Die klassischen Klänge noch im Ohr stoßen wir auf eines meiner Lieblingsbücher: Milan Kunderas Die Kunst des Romans.

Dankenswerterweise neu übersetzt und schon jetzt in der neuen Fassung ganz oben auf meiner Leseliste als Autor. Und Achtung: Das ist kein Roman, sondern ein siebenteiliges Essay!

Spannendes Angebot: Mit dieser Box kann man durch eine Unmenge großartiger Illustrationen tschechischer Künstler zu navigieren.

Die werden dann vergrößert auf dem Auswahl-Screen.

Und anschließend projiziert auf einen der überdimensionalen Luftpilze.

Daneben gibt’s ein weiteres großflächiges Projekt, bei dem ein Textbox-Roboter mit einer physischen Illustratorin zusammenarbeit. An jedem Tag eine andere Künstlerin, aber immer der gleiche Roboter.

Mit diesen letzten Eindrücken im Kopf räumen wir das Feld und machen uns auf den Nachhauseweg. Nächstes Jahr werden wir wieder zugegen sein. Dann hoffentlich in gesundheitlich besserem Zustand. CU 2027!

Keine Kommentare »

FBM 2026 Tag 2: Alle reden über KI

Veröffentlicht in Kultur, Kunst, Literatur | 11. Oktober 2026 | 21:46:54 | Roland Müller

KI ist das Mega-Thema dieser FBM. Und sie macht vor nichts mehr halt. Auch nicht vor unseren Kindern.

Immerhin bemüht sich bspw. KinderGPT um Transparenz und beschreibt sewine Intention mit „Entwickelt mit pädagogischer, wissenschaftlicher und technologischer Begleitung und gemeinsam mit Partnern aus Bildung, Forschung und Kinderwelt.“ Man wird sehen müssen, inwieweit das zutrifft. Und ob es langfristig unser Hauptproblem, das zurückgehende Lesenkönnen der Jüngsten, lösen wird, keine Ahnung.

Nach diesem ersten Eindruck des zweiten Messetags eilen, nein flüchten wir weiter zu den drei Fragezeichen. Wie schön, dass diese längst kultige Jugendbuchreihe weiter lebt und ihre LKeser findet.

Und ja, New Adult lassen wir mangels Interesse links liegen. Da können die Stapel selbstähnlicher Literatur noch so hoch wachsen.

Sehr viel spannender war hingegen, was auf der Discovery Stage geschah: Ein Gespräch mit Lektor:innen, die aus dem Nähkästchen plauderten.

Vor dem großen Run (so früh am Morgen ist Halle 5 noch angenehm leer) blicken wir uns weiter um.

Was bei Michael Horenis Biographie von Jürgen Klopp besonders auffällt, ist der Titel „Glaube Liebe Klopp“. Irgendwie schwingt darin genau jener Optivismus und Positivismus mit, der dem Rest der Republik längst abhanden gekommen ist. Bedauerlicherweise.

Eine schöne Überraschung ist auch die Anwesenheit der kleinen, feinen und bestens über Social Media vernetzten Buchhandlung Literaturenkind. Merch, Merch, Merch!

Und dann endlich ein erstes Buch-Highlight: Der neue James Lee Burke, einer unserer absoluten Krimi-Lieblingsautoren!

„Neonregen“ verspricht wieder alles, wofür der mittlerweile über achtzigjährige Autor steht: Phantastisch ausgearbeitete Protagonisten und Nebencharaktere, eine unfassbar dichte Athmossphäre udn einen fesselnden Plot.

Für uns ein unbedingter LESETIPP!

An Bestsellern mangelt es natürlich auch bei rowohlt nicht.

Das Zentrum Wort widmete sich einem besonders heißen Thema. Übersetzer:innen klagen aus gutem Grund über das unaufhaltsame Vorrücken von Übersetzungs-KIs. Und das aus verschiedenen Gründen. Denn die von KI gelieferten Rohübersetzungen strotzen vor Fehler, verstehen den Kontext nicht und bedürfen einer zeitraubenden Nachbearbeitung. Für die allerdings die Verlage nur noch Hungerhonorare zu zahlen bereit sind.

Wir ziehen weiter zu den S. Fischer Verlagen. Kann man hier noch Neuentdeckungen machen?

Jein. Was uns stattdessen ins Auge springt, ist Carolin Emckes aktuelles Buch „Was zählt ein Mensch?“

So tröge das Cover designt ist, so brisant ist das ist der Inhalt und die Botschaft.

Emcke fordert einen radikalen Humanismus und führt sehr präzise aus, was sie darunter versteht und wie er ausgestaltet sein sollte. Klarer LESETIPP!

Leider müssen wir den heutigen Rundgang mit einer erschreckenden Negativbotschaft beenden. Osnovy Publishing, einer der größten unabhängigen ukraininschen Verlage konnte seinen Messestand nicht bestücken, weil russische Raketen die Bücherlager komplett vernichtet haben.

Während diese Nachricht noch in uns nachklingt, beenden wir unseren zweiten Messetag mit sehr ambivalenten Gefühlen. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das morgen wieder? Wir hoffen es und freuen uns darauf, auch morgen wieder Euer Auge und Ohr auf der größten Buchmesse der Welt zu sein. CU!

Keine Kommentare »

FBM 2026 Tag 1: Alles neu und anders?

Veröffentlicht in Kultur, Kunst, Literatur, Unterhaltung | 08. Oktober 2026 | 22:34:19 | Roland Müller

Die neue Leitung der Frankfurter Buchmesse hatte sich ja entschlossen, ein neues Hallenkonzept für die diesjährige Messe umzusetzen. Hat es geklappt? Bringt es etwas? Wir versuchen, das auf einem ersten Rundgang zu klären.

Erst einmal schaut alles ganz normal aus. Relativ wenig Betrieb am Mittwochmorgen. Wir betreten die Messe durch den Haupteingang und stehen schon bald auf der Rolltreppe Richtung Halle 3 bis 12. Weiter vorne rechts geht es zum Pavillon des diesjährigen Ehrengasts Tschechien.

Halle 3.0 bietet einen bunten Mix aus Publikumsverlagen (die teils auf ihren bekannten Standplätzen beharrt hatten und allerlei mittlere und kleine, meist unabhängige Verlage. In Halle 3.1 im Stockwerk darüber, finden sich nun keine deutschen Publikumsverlage mehr, sondern internationale.

Beim ersten Rundegang treffen wir auf alte Bekannte, zum Beispiel den Verbrecher Verlag.

Auch einer unserer erklärten Lieblinge, der mittlerweile genossenschaftlich organisierte Mare Verlag, findet sich ein paarMeter weiter.

Demnächst einen genaueren Augenschein wert ist der kleine Stand der Arno Schmidt Stiftung. Es muss ja nicht gleich um den Zettelkasten gehen.

Noch ein bevorzugter Anlaufpunkt – nicht nur für Freunde der berühmten roten SALTO-Reihe – ist der Klaus Wagenbach Verlag. Mit seinem Programm werden wir uns noch genauer befassen.

Die Frankfurter Verlagsanstalt traut sich etwas: Erstmals bringen die traditionsreichen Frankfurter eine Reihe von sogenannten Pockets heraus, Taschenbücher eben. Auch da lohnt sich ein genauerer Blick.

Ebenfalls in Halle 3.0 zu finden ist einer der führenden und renommiertesten Independents: VQ, Voland & Quist.

Auf der anderen Seite der Halle und damit am „alten“ Platz dominiert Klett-Cotta.

In einem der Parallelgänge zieht wie bereits im vergangenen Jahr ein überdimensionales Buch die Messebesucher zum Stand von Kein & Aber. Diesmal spielt Franziska Gänslers Roman „Orca“ den Köder.

C.H.Beck inszemniert seine verkaufsstarke Freddie-Mercury-Biographie. Unübersehbar und zu typischen Freddie Mercury Posen animierend. Spätestens morgen wird das vermutlich ein Hotspot für Selfie-Fans.

Ebenfalls hier zu finden ist der Stand von PEN Berlin. Mit Vorstand Deniz Yücel bei der Arbeit.

Zum Abschluss unseres Rundgangs durch Halle 3.0 stolpern wir über unser Tages-Highlight. Beim Podium Rheinland-Pfalz präsentieren Laali Lyberth, die Verlegerin des kleinen, aber feinen Inuit Verlags und die Historikerin, Übersetzerin und Kuratorin des Grönländischen Nationalmuseums und -archivs in Nuuk, Ujammiugaq Engell. Hier bei der Verkabelung vor der Lifepräsentation der deutschen Ausgabe des Bestiarium Groenlandicum.

Alles bereit? Dann kann’s losgehen.

Nach der zwanzigminütigen überaus spannenden Präsentation von Ujammiugaq Engell, die mit ihrer strahlenden Fröhlichkeit und Eloquenz die Bühne rockte, ging’s zum Signieren. Anschließend fanden wir noch Zeit, ein wenig mit den beiden Damen zu diskutieren. Für uns das erfreuliche Ende des ersten Messetages.

Und das neue Hallenkonzept? Scheint zu funktionieren. In Halle 4.0 erwarten uns größtenteil Romantasy undnDark Romance Verlage nebst dem dazu gehörenden Merchandise-Artikel. In Halle 5.0 schließlich haben sich die restlichen Publikumsverlage niedergelassen. Eigentlich rechtübersichtlich. Mal sehen, ob sich unser Eindruck morgen bestätigt. CU tomorrow!

Keine Kommentare »

Für Ludwig van Fans

Veröffentlicht in Kultur, Kunst, Literatur, Musik | 30. August 2026 | 15:16:47 | Roland Müller

Nächstes Jahr feiert Bonn seinen größten Sohn. Ein Jubiläum, das auch literarischer Begleitung bedarf. Der Buchverlag Sparkys Edition veranstaltet anlässlich des 200. Todestages des genialen Komponisten den Kurzgeschichten-Wettbewerb „Schreib Beethoven!“.

Zwischenzeitlich sind alle Manuskripte eingereicht, eine Long List und eine Short List aufgestellt und die schlussendlich zur Veröffentlichung in der Anthologie ausersehenen Beiträge von der achtköpfigen Fach-Jury ausgewählt. Insgesamt werden 42 Kurzgeschichten in der Anthologie erscheinen. Von höchst unterschiedlicher Ausrichtung.

Am 19. Februar 2027 wird es im Beethoven-Saal (wo auch sonst?) in Bonn eine feierliche Jubiläumsveranstaltung geben, mit Lesungen der prämierten Autoren, spannender Unterhaltung und natürlich viel Musik!

Kommentare deaktiviert für Für Ludwig van Fans

Fforde für Satire-Ffans

Veröffentlicht in Gesellschaft, Literatur, Politik | 23. August 2026 | 09:48:34 | Roland Müller

Wer Jasper Ffordes berühmte Thursday-Next-Reihe kennt und generell Altertnativweltengeschichten schätzt, wird von seinem neuesten, endlich in deutscher Übersetzung erschienenen Roman begeistert sein.

„Wie die Karnickel“ spielt in einem britischen Kaff nahe der walisischen Grenze. Wer den Autor kennt, kann sich denken, dass er die scheinbar friedliche, erzkonservative und traditionelle Kulisse aufmischen wird. Denn hier wie in weiten Teilen Großbritanniens sorgt ein „Ereignis“ dafür, dass 1,2 Millionen fortpflanzungsfreudige Kaninchen, aber auch etliche Füchse, Wiesel und sonstiges Getier in menschengroße, intelligente und sprachbegabte Mitwesen verwandelt werden. Ein Schock für das Vereinigte Königreich und seine im Kern rassistische Gesellschaft.

Die daraus entstehende Geschichte fokussiert sich auf den Protagonisten Peter Knox, der eine Entscheidung treffen muss: Bleibt er Zaungast der Entwicklung und linientreuer Mitarbeiter der „Rabbit Compliance Taskforce“ oder stellt er sich gegen die Mehrheitspolitik im Königreich und schlägt sich auf die Seite der veganen, friedliebenden und überaus klugen Nager, als diesen die Zwangsumsiedelung in einen Lagerkomplex inn Wales droht?

Eine irre Geschichte. Eine großartige Satire auf die Entwicklungen in den europäischen Staaten. Absurd komisch, voller zutiefst liebenswerter Figuren und zugleich ein brutaler Spiegel unser eigenen xenophoben Gegenwart. Unbedingt lesenswert! Verbunden mit einem großen Dank an den Satyr Verlag, der das Original brillant übersetzt auf den deutschen Buchmarkt gebracht hat!

Nachwort: Wir wünschen uns generell mehr Aufmerksamkeit für Jasper Ffordes Werk. Gerade weil es mit meisterhafter Komik und großem Sprachwitz gesegnet ist. Etwas, was im deutschen Buchmarkt nach wie vor zu kurz kommt.

Kommentare deaktiviert für Fforde für Satire-Ffans