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Schokolade

All Things Kaffee

Veröffentlicht in Genuss | 24. Mai 2008 | 00:57:58 | Dirk Kirchberg

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Ich war vor einer Weile bei einem Kaffeeseminar bei Thomas Brinkmann. Der Mann ist nicht nur stolzer Geschäftsführer eines Fairtrade-Kaffeefachgeschäfts, sondern auch Deutschlands amtierender Kaffeeröstmeister. Also der beste Ansprechpartner, um herauszufinden, wie der Kaffee im Café noch professioneller zubereitet und somit noch ausgewogener genossen werden kann.

Besonders spannend war das Verkosten eines Kaffees, der auf fünf verschiedene Arten zubereitet worden war. Als da wären: Die in Fachkreisen als Giftspritze bekannte kleine italienische Alu-Herdkanne, die Espressomaschine, der Handfilter, die French Press und die Karlsbader.

Das Ergebnis nach der Verkosten des fast kalten Kaffees (denn Kaffee sollte, um das volle Aroma schmecken zu können, bei einer Temperatur von rund 30 Grad Celcius verkostet werden): Die Giftspritze schmeckte grausam schlecht, dann die Espressomaschine, dann die French Press, gefolgt vom guten alten Handfilter (aus Prozellan, versteht sich) und der Karlsbader.

Die Karlsbader Kanne, komplett aus Porzellan, – selbst der Filter ist aus Porzellan – rockte einfach gewaltig. Was soll ich sagen – seitdem wir eine Karlsbader unser Eigen nennen, kommt meine Siebträgermaschine (eine Bazzar A2) kaum noch zum Einsatz. Aber auch das wird sich mit der Zeit wieder ändern.

Neuerdings haben wir auch wieder eine Handmühle mit Kegelmahlwerk. Es ist wunderbar analog, Samstag oder Sonntag morgens in die Küche zu schlurfen, Kaffee in die Mühle zu füllen und den Bohnen langsam aber sicher mit jeder Umdrehung ihren Duft zu entlocken.

Einige Worte zu Thomas Brinkmann vom Contigo. Er lernte sein Kaffeehandwerk in der Weltstadt des Kaffees: in Wien! Und nach einer Karriere als Marketingfuzzi hat er nun seine Berufung gefunden. Gut für den Kaffee, und natürlich auch gut für uns. Dieser Mann wusste auf jede Frage eine Antwort. Er hat ein unglaubliches Wissen rund um den Kaffee – wie er angebaut wird, wie er behandelt und geröstet wird, wie er am besten in die Tasse kommt.

Bevor ich ich auch nur ansatzweise versuche, alles aufzuschreiben, was ich in den vier Stunden bei Thomas Brinkmann gelernt habe – und daran kläglich scheitern würde –, hier noch eine nette Anekdote, mit der man auf jeder Party angeben kann: Welches Land ist – nach Brasilien – der größte Kaffeeproduzent der Welt? Weiß es jemand? Irgendjemand? Nein, nicht Mexiko, auch nicht Kolumbien, und erst recht nicht Kenia. Kleiner Tipp: Die erste Ernste wurde erst 1989 eingefahren…

Es ist: Vietman! Und laut Brinkmann wird da nur Robusta – der übrigens für den äußerst unangenehmen Kaffeemundgeruch verantwortlich ist… – der übelsten Qualität angebaut. Und wer kauft diesen Mist? Weiß es jemand? Irgendjemand? Allen voran selbstredend Nestlé.

Dass Vietmann heute die Nr. 2 im weltweiten Kaffeegeschäft ist, daran ist übrigens Erich Honecker Schuld. Denn er ließ Kaffeepflanzen nach Vietnam bringen, weil er dem kapitalistischen Ausland sozialistischen Kaffee entgegensetzen wollte. Eine Ironie des Schicksals, dass Honni für den schlechtesten Kaffee der Welt verantwortlich ist…

Also, Arabica ist das Beste, was man sich antun kann. Der beste Arabica hat sich im wahrsten Sinne des Wortes gewaschen – und zwar mit rund 150 Liter Frischwasser pro Kilo! Soviel zu unserem individuellen ökologischen Fußabdruck…

Wusstet Ihr übrigens, dass es nur 0,8 mg pro Kilo Restkoffein im entkoffeinierten Kaffee enthalten sein darf, dafür aber rund 2 mg Dichlormethan?! Mit dem Zeug wird die Mehrheit des Kaffees entkoffeiniert, weil die anderen Methoden wie CO2 und Wasser nicht effektiv arbeiten bzw. hohen Ertragsverlust mit sich bringen. Und wusstet Ihr auch, dass die Angabe 100 % Arabica überhaupt keine Garantie dafür ist, wieviel Arabica wirklich drin ist? Außer, man kauft bei Profis wie Brinkmann.

Ich könnte ewig so weitermachen, aber viel besser ist ein Kaffeeseminar bei der Kaffeeschule. Also, nicht vergessen: Wir sind, was wir essen – und trinken!

Ich habe zwei kleine Videos beim Seminar drehen dürfen, in denen Thomas Brinkmann die verschiedenen Kaffeeröstverfahren erklärt.

Kaffeeseminar Teil 1

Kaffeeseminar Teil 2

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3 Antworten zu “All Things Kaffee”

  1. 24. Mai 2008 um 12:15:44 | Felix sagt:

    Hallo,

    was ich mich immer wieder frage: Warum werden Kaffeemaschinen mit Espresso-maschinen verglichen? Hat eine „Karlsbader“ nicht eine ganze andere Funktion als eine Espressomaschine? Filterkaffee und Espresso sind doch zwei verschiedene Paar Schuhe. Dachte ich immer. Irre ich mich da?

    Danke für die schönen Einblicke. Ich sollte so einen Workshop auch mal machen….

    Gruß,

    F.

  2. 24. Mai 2008 um 13:30:46 | Dirk Kirchberg sagt:

    Es geht in erster Linie um Kaffee und die verschiedenen Zubereitungsarten. Die Variationen machen es spannend, denn an einem Tag bin ich in Stimmung für Filterkaffee und an anderen Tagen darf es gern ein Espresso sein. Heute etwa freue ich mich jetzt auf einen Caffé latte auf dem Balkon.

    Also, einfach mal durchprobieren. Es ist überaus spannend!

  3. 29. Mai 2008 um 16:03:13 | Matthias sagt:

    Neue Wege,
    ich habe gerade die Karlsbader von Contigo erhalten und die Jungs von Contigo haben mir sogar einen Äthiopischen Superkaffee beigelegt als Probe und es hat mir die Schuhe ausgezogen. Gott war das lecker. Handmühle ist geordert bei manufactum. Alles was wir bisher trinken von Tschibo bis sonst was ist nur Müll. Ich bin kein Espresso-Mann und liebe diesen Handaufgebrühten. DANKE DIRK! Du hast mein Leben erweitert. Danke Contigo!

    LG Matthias, MacGuardians

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