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FBM 2025 Tag 1: Literadtour, Bücherautomaten und ein Messe-Mayer

Veröffentlicht in Gesellschaft, Internet, Kultur, Kunst, Literatur, Medien, Unterhaltung | 15. Oktober 2025 | 20:31:50 | Roland Müller

Aus aktuellem Anlass beginnen wir unsere diesjährige Berichterstattung von der Frankfurter Buchmesse nicht mit den üblichen Bildern, sondern starten direkt mittendrin, auf der Agora zwischen den heiligen Messehallen. Denn hier trifft am Mittwochmorgen, pünktlich um 10 Uhr 30, unser Held ein: ein junger Mann, der in sieben Monaten mehr als 10.000 Kilometer durch 16 Bundesländer zurückgelegt hat, um mit seiner „Literadtour“ Menschen fürs Lesen zu begeistern.

Herzlich willkommen, lieber Lennart Schäfer! Es war uns ein Vergnügen, dich auf Instagram als einer der ersten Follower auf dieser langen Strecke zu begleiten. Mehr als 10.000 Kilometer mit einem E-Lastenrad voller Bücher, Klamotten, Verpflegung und Reparaturmaterial, das ist schon mal eine Ansage. Von den sieben Plattfüßen unterwegs ganz zu schweigen.

Während Lennarts Start vor sieben Monaten noch lediglich bei Buchmarkt-Insidern und natürlich den Buchhandlungen und Verlagen, die er ansteuerte, Aufsehen erregte, sieht das heute, nach dieser Marathon-Tour des jungen Buchbotschafters schon anders aus. Ein ganzer Pulk TV-Teams, Pressefotografen und Journalisten erwarteten den jungen Mann beim Zieleinlauf und stellten Fragen, Fragen, Fragen. Na klar, wir natürlich auch. Und nun sind wir sehr gespannt darauf, wie Lennart weitermachen wird mit seiner Mission, für die er brennt. So viel hat er uns schon verraten: Er wird die Erlebnisse auf dieser Tour in einem Buch verarbeiten, sobald er zurück ist in seiner Heimatstadt Hamburg. Nach allem, was wir hören, hat sich auch bereits ein Verlag gemeldet …

Nach diesem luftigen Start in den Messemittwoch lassen wir uns beschwingt in die Messehallen treiben, schwimmen mit dem um diese Zeit noch moderaten Besucherstrom Richtung Halle 3.

Die Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat ist am Vormittag des ersten Messetages noch menschenleer.

Auch die Messehallen füllen sich erst langsam. Wir genießen das und wollen uns noch nicht ausmalen, was hier in den kommenden Tagen los sein wird.

Auch bei den Mörderischen Schwestern stapeln sich noch keine Leichen. Wirklich ungewohnt. Das wird sich im Verlauf der Messe aber ändern, ganz sicher!

Dafür treffen wir einen lieben Autorenkollegen, Oliver Baier, der am Stand von Mainbook seinen Debüt-Thriller „Frankfurt Beats“ präsentiert. Wir konnten ihm ja neulich bereits auf einer Lesung lauschen und sind ziemlich begeistert von dieser beklemmenden Mischung aus Frankfurt Vibes und psychologisch tief ausgearbeiteten Figuren.

Wir schlendern weiter und schauen am Stand von Reclam ein paar Besuchern über die Schulter, als sie am Reclam-Bücher-Automat Notizbücher ziehen. Eine witzige Idee in nostalgischer Verpackung.

Ein Stück weiter präsentieren auf der Leseinsel der unabhängigen Verlage die Verantwortlichen der Kurt Wolff Stiftung den Jubiläumskatalog der unabhängigen Verlage. Längst so etwas wie die Bibel der kleinen, unabhängigen Verlage. Die Stiftung versteht sich als Interessenvertretung der zahllosen deutschsprachigen unabhängigen Verlage und engagiert sich für eine vielfältige Verlags- und Literaturlandschaft.

Nachdem sich mittlerweile – es geht auf 13 Uhr zu – Hunger in uns breitmacht und wir nicht unbedingt das durchaus vielfältige und schon mal fette Angebot der diversen Food-Trucks und Stände auf der Agora nutzen wollen, besuchen wir unseren Geheimtipp außerhalb der Messe. Im Ramen Jun Westend in der nahegelegenen Wilhelm-Hauff-Str. 10 meditieren wir über unser weiteres Messebegehen, während wir eine köstliche Ramen schlürfen (und schlabbern, sorry, aber das gehört dazu). Da wir um die Beliebtheit der Adresse wussten, haben wir rechtzeitig vorher online reserviert. Solltet Ihr auch tun!

Zurück auf der Messe stand unser einziger fixer Termin des Tages an, ein Treffen mit Kolleginnen und Kollegen des Autoren-Forums Montségur. Aber naja, viele kamen nicht. Immerhin aber eine liebe Freundin und Kollegin. Allein wegen ihr hat sich das Date gelohnt (Danke nochmal, Inez!).

Anschließend stürzten wir uns wieder in den nun schon zunehmenden Messetrubel. Vorbei an den üblichen Verdächtigen des Droemer Knaur Verlags.

Und zumindest heute ließen wir auch Sen Lin Yus „Alchemised“ links liegen, ein 1.200 Seiten schweres Dark Fantasy Epos, das nach allem, was zu hören ist, auf einer Fanfiction des Harry-Potter-Universums basiert, in dem Draco und Hermine ein Kind bekommen. Um Urheberrechtsstreitigkeiten zu vermeiden, wurden alle derartigen Bezüge rausgewaschen. Ullstein hat den weltweiten Megaseller ins Programm genommen und mit einer bombastischen Startauflage von 300.000 Exemplaren plus entsprechendem Marketing-Budget in die deutsche Lesewelt gesetzt.

Wir lassen die Fantasy hinter uns und steuern den Stand der Aufbau Verlage an, die derzeit ihren achtzigjährigen Verlagsgeburtstag feiern. Unser Besuch ist durchaus nicht ganz uneigennützig und natürlich von Neugier getrieben.

Und ja, das sieht doch ausgesprochen gut aus, was da unter dem Imprint Aufbau Taschenbuch Verlag im Regal platziert ist. Auch wenn es sich immer noch ein wenig weird anfühlt, zugleich Berichterstatter vom literarischen Hochamt des Buchmarktes, der Frankfurter Buchmesse, zu spielen und selbst Thriller-Autor zu sein. Wer mir auf Instagram folgt (@rm.eisrausch) weiß, dass ich „Eisfalle“ für den eisigsten Thriller des Jahres halte. Und hey, ich muss es ja wissen, oder?

Und dann treffen wir ihn doch noch. Gerade wollen wir uns auf den Nachhauseweg machen, den Messe-Mayer! Matthias Mayer mit Klarnamen, seit vielen Jahren ein Berichterstatter vom Geschehen im Buchmarkt und vor allem hinter dessen Kulissen. Was er im für ihn typischen Outfit tut und im für ihn typischen ironischen und satirischen Ton. Ein Genuss, ihm auf buchmarkt.de zu folgen und zu begleiten. Wir können’s nur empfehlen!

Soviel für heute, am ersten Tag der Frankfurter Buchmesse 2025. Morgen geht’s weiter und zwar heftig! Schließlich müssen wir uns ja den Pavillon des Ehrengasts Philippinen genauer anschauen und einen Blick auf deren hierzulande noch viel zu unbekanntes literarisches Schaffen werfen. CU tomorow!

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Tag 1 der FBM 2024: Ein Gefühl der Leere

Veröffentlicht in Gesellschaft, Kultur, Kunst, Literatur, Medien, Politik, Unterhaltung | 16. Oktober 2024 | 21:21:43 | Roland Müller

Natürlich fühlt es sich toll an, einmal auf dem roten Teppich zu stehen. Aber tatsächlich ist das nur ein Aufmerksamkeit schaffender Bildaufmacher für unseren ersten Tag auf der 76. Frankfurter Buchmesse.

Tatsächlich herrschte zumindest auf der Anreise zur Messe einiges Gedränge in der S-Bahn und auf den Rolltreppen. Alles Fachbesucher natürlich nund verspätetes Verlagspersonal. Alles hektisch und meist in die allfälligen Smartphones parlierend. Nun ja, man kennt das.

Immerhin ging es in den Gängen sehr gesittet zu. Noch keine Menschenmassen in Sicht, nur eifrige Rucksackträger:innen und ein Mindestmaß an Presse.

Wie üblich besuchen wir in einem ersten Orientierungslauf Halle 3.0 – bereits hier zeigt sich, dass das Hinzufügen von Halle 1.2 für den zu erwartenden New Adult und Young Adult Rummel gewaltig Druck aus der Messe nehmen wird, indem Platz geschaffen wird für die Besucher. Breite Gänge tun sich auf. Und gleich am Eingang massive Präsenz von Thalia. Nun ja, eingedenk des Umsatzsprungs im aktuellen Buchjahr kein Wunder. Zumal die Buchhandelkette mittlerweile auch als Verleger auftritt.

Wir schlendern weiter, an einem strahlenden Kollegen vorbei – Andreas Eschbach –, der bei Bastei Lübbe überlebensgroß für „Die Abschaffung des Todes“ wirbt.

Wir notieren ganz neue Sitten bei Hoffmann und Campe, die bei dieser Buchmesse ihre Neuerscheinungen auf direktem Wege an den Mann und die Frau bringen wollen.

Bei Droemer Knaur steht wie immer die bekannte Rotunde mit der Parade der Bestsellerautor:innen im Zentrum des Messeauftritts. Details sparen wir uns für einen späteren Besuch auf.

Bei KiWi fällt uns im Vorbeiflanieren zweierlei auf: Einerseits die Überpräsenz von Frank Schätzings neuem Bestseller „Helden“, der sein Altwerk „Tod und Teufel“ zur Trilogie erweitern soll. Der dritte Teil der Mittelalter-Saga steht wohl für nächstes Jahr an? Ein zumindest für uns ungewohnt erscheinender Schritt zurück, bedenkt man die bisherigen Lieblingsthemen des Autors, die meist in einer nahen Zukunft spielten. Andererseits fasziniert uns die Idee, aus Buchrücken eine so aparte Sitzgelegenheit zu bauen – eine Art besitzbares Bücherregal. Durchaus nachbauenswert, wie wir finden.

Wir flattern an der unverkennbaren Ullstein-Eule vorbei und nehmen uns auch hier vor, am nächsten Messetag die Neuerscheinungen genauer in Augenschein zu nehmen.

Anschließend betreten wir vom Obergeschoss aus – Halle 3.1 – die Ballustrade, um frische Luft und einen sonnigen Mittwochmittag zu genießen. Und natürlich, um Euch Daheimgebliebene ein wenig neidisch zu machen. Denn das hier ist allerfeinster goldener Oktober. So weit das Auge über die Agora reicht …

… und reicht …

… und reicht …

… und reicht. So lassen sich sogar die wie immer zahlreichen Raucherinnen und Raucher ertragen, die sich bevorzugt hier draußen versammeln.

Wir beschließen, nach einem kurzen Rundgang über die Agora im Parterre von Halle 4 vorbeizuschauen, wo ARD/ZDF/3sat traditionell ihre Bühne aufgtebaut haben. Und tatsächlich. Hier herrscht bereits reger Sendebetrieb. Wir lauschen eine Weile Jürgen Trittin, der sein neues Werk „Alles muss anders bleiben“ vorstellt, im Gespräch (aka Bücher-Talk) mit Bärbel Schäfer.

Nichts gegen Jürgen Trittin – seine Einblicke in die Befindlichkeiten der Gesellschaft sind tatsächlich lesenswert –, aber noch spannender fanden wir das Interview von WDR Cosmo Moderatorin Claudia D’Avino mit der hierzulande immer noch viel zu wenig bekannten italienischen Bestsellerautorin Susanna Tamaro. Ihr neuestes Buch „Der Wind weht, wohin er will“ hat das Zeug dazu, unser erster Lesetipp dieser FBM zu werden. Wir werden morgen mal am Stand ihres deutschen Verlegers hineinlesen.

Da die Mittags-, sprich: Lunch-Zeit naht, begeben wir uns zum Ausgang, winken den erschreckend schlaffen Flaggen mit dem roten Buchmesse-Logo zu (vermutlich kommt morgen mehr Wind auf) und machen uns auf den Weg zu unserem Lieblings-Japaner ganz hier in der Nähe.

Wir durchqueren der gepflegten Friedrich-Ebert-Anlage und amüsieren uns über ein wenig felide Kunst auf einer Sitzbank im Grünstreifen.

Kurz darauf nehmen wir unsere sicherheitshalber reservierten Plätze im Ramen Jun Westend in der Wilhelm-Hauff-Straße ein, um eine der wirklich vorzüglichen japanischen Nudelsuppen zu schlürfen. Die perfekte Mittagsnahrung an einem anstrengenden Messetag. Sehr empfehlenswert!

Nach einer kurzen Verdauungspause geht’s wieder zurück zur Buchmesse, wo wir uns erstmals in die neue Halle 1.2 wagen, über die an den kommenden Tagen der Sturm der NA und YA Fans hereinbrechen wird. Dank breiter Auslauf- und Relax-Zonen und Meet and Greet Flächen weitaus gefahrloser als vergangenes Jahr in Halle 3.0! Hier treffen wir dann auch liebe Freunde. Die Drei vom BVjA, dem Bundesverband der jungen Autorinnen und Autoren. Links übrigens die rührige Ute Bareiss, Weltenbummler-Autorin. Und rechts die liebe Kollegin Karin Seemayer, die nicht weit von uns zu Hause ist. Ach ja, und in der Mitte natürlich Tobias Kiwitt, der Vorstandssprecher.

Nachdem die 8.000 Quadratmeter der Halle 1.2 derzeit noch wenig zu bieten haben, verziehen wir uns erneut zur Literaturbühne von ARD/ZDF/3sat, um noch ein wenig der BUCHZEIT zu lauschen, moderiert vom sehr geschätzten Gerd Scobel Von den vier präsentierten und mit kurzen Videotrailern angespielten Romanen von Richard Powers („Das große Spiel“), Iida Turpeinen („Das Wesen des Lebens“), Nora Bossong (Reichskanzlerplatz“) und Chetna Maroo „Western Lane“)interessiert uns eigentlich jeder. Obwohl da die vier Präsenteure Barbara Vinken (Universität München), Sandra Kegel (FAZ) und Katrin Schumacher (MDR) sowie Gerd Scobel selbst nicht immer gleicher Meinung waren.

Den Abschluss dieses ersten Messetages bildete für uns ein erster Besuch des Stands der Aufbau Verlage, Berlin, wo man sich während der abendlichen Happy Hour natürlich ganz besonders über den unvermuteten Gewinn einer Literaturnobelpreisträgerin freute: Aufbau ist der deutsche Herausgeber der Werke von Han Kang, deren neuestes Buch Anfang Dezember bei Aufbau erscheinen wird. Titel: „Unmöglicher Abschied“. Vorbestellungen sind bereits möglich!

So, das war’s für heute. Gila und ich hoffen, dass Euch dieser erste, unorganisierte Rundgang Spaß gemacht hat und freuen uns darauf, wenn Ihr uns auch morgen wieder begleitet. Bis dann!

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