Dieses Video erinnerte mich daran, dass ein Land eigentlich von den Menschen, die in ihm leben, und nicht von den Politikern geprägt wird. Demokraten, Diktatoren und Extremisten jeglicher Couleur versuchen stets, ihre Macht zu sichern. Dabei sind die eigentlichen Machthaber die Menschen selbst. Und sie sind immer häufiger auch im Angesicht der Gefahr für das eigene Leben bereit, dafür zu kämpfen.
Es ist also passiert: Der Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss erklärte auf einer Demonstration gegen Internetsperren direkt vor dem Willy-Brand-Haus, dass er nach 40 Jahren Mitgliedschaft aus der SPD austreten und in die Piratenpartei eintreten wird. Tauss, gegen den noch Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verbreitung kinderporografischen Materials laufen, gesteht ein, dass es ein Fehler war, sich nicht besser abgesichert zu haben. Aber da in Deutschland immer noch die Unschuldsvermutung gelte, sah der Vorsitzende der Piratenpartei, Dirk Hillbrecht, keinen Grund, der gegen eine Aufnahme sprach und begrüßte Tauss als neues Piratenparteimitglied.
Am 18. Juni hatte Tauss nach der Annahme des Entwurfs zum ZugErschwG den 134.014 Unterzeichnern der ePetition gegen Netzsperren, die wohl erst nach der Sommerpause behandelt werden wird, zugerufen, sie sollten weiterkämpfen. Er selbst werde auch nicht resignieren. Einen Demo-Song zur Aktion gibt es übrigens auch schon. Bilder von der Mahnwache in Berlin (inklusive CC-Lizenz) gibt’s hier.
Update: Christian hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass es ein Foto gibt, das darauf hindeutet, dass Tauss schon lange Pirat ist.
P.S. Das veränderte Bild ist übrigens kein offizielles Pressefoto, sondern eine kreative Überarbeitung unsererseits, das wir als (sichtlich künstlerisch limitierten) Remix verstanden wissen möchten. Sollten wir damit jemandes Rechte verletzen, bitten wir um kurze Nachricht. Wir sind erreichbar.
Das Deutsche Welle Global Media Forum (#dwgmf) stand in diesem Jahr unter dem Slogan Conflict Prevention in the Multimedia Age und fand im ehemaligen Bundestag in Bonn statt. Da die Konferenzsprache Englisch war, und ich vorwiegend Journalisten aus aller Welt kennengelernt habe, wird dies hier der erste zweisprachige Artikel im Café. Es folgen zahlreiche Fotos, Videointerviews und Links sowie meine pur subjektiven Eindrücke.
The 2009 edition of the Deutsche Welle Global Media Forum (#dwgmf) was titled Conflict Prevention in the Multimedia Age and was located at the former German Bundestag in Bonn. Since the main language at the forum was English and I mostly met journalists from all over the world, this here will be the first bilingual article in the Café. Up next are many photos, video interviews and links plus my purely subjective impressions.
Heute ist der 25. Mai, und damit ist heute der 8. Towel Day in Gedenken an den im Café besonders verehrten Schriftsteller Douglas Adams. Am diesjährigen Handtuchtag möchten wir aber nicht nur DNA gedenken, sondern auch Tobias Landin, im Netz besser bekannt als Kojv. Kojv war viele Jahre lang die treibende Kraft hinter dem Towel Day. Im November 2008 verstarb Landin im Alter von nur 30 Jahren. Er hat verfügt, dass seine Asche an dem für ihn so wichtigen Tag verstreut werden soll.
Wir empfehlen natürlich, die Bücher von Adams auch in Buchform zu erwerben. Wer den Guide aber nun nicht besitzt und am Handtuchtag dennoch ein wenig schmökern möchte, hat online die Gelegenheit dazu. Wir übernehmen allerdings keine Garantie für die sprachliche Qualität.
Das Handtuch, das ich auf dem Foto hochhalte, gibt es exklusiv im Towel Shop. Schickes Teil, sehr hochwertig, wenn auch nicht ganz billig für ein Handtuch. Aber wir wissen ja: »Ein Handtuch ist so ungefähr das Nützlichste, was der interstellare Anhalter besitzen kann.«
Du bist Deutschland – der Slogan dieser Kampagne, die ein positives Deutschland-Gefühl zum Ziel hatte, allerdings von vielen Seiten wegen der flachen Inhalte kritisiert wurde, inspirierte Alexander Lehmann zu einem Titel für seine Diplomarbeit, in der er die derzeitigen Bestrebungen einiger Politiker und Behörden thematisiert, Überwachung und Zensur die Sicherheit in Deutschland zu stärken. Lehmann produzierte einen Film und textete den bekannten Slogan in Du bist Terrorist um – und wurde umgehend von der für Du bist Deutschland verantwortlich zeichnenden Agentur KemperTrautmann angemahnt.
Lehmann soll innerhalb von drei Tagen alle Hinweise auf die Du bist Deutschland-Kampagne entfernen und soll auch die Domain dubistterrorist.de nicht mehr verwenden.
Liebe KemperTrautmänner, warum in aller Welt mahnt Ihr einen kritisch denkenden Menschen ab? Weil er Euren Slogan verändert nutzt? Habt Ihr ein Markenrecht für alle Du bist-Kombinationen? Also auch für Du bist bekloppt, Du bist ein Nixchecker und Du bist nicht besser als Zensursula?!
Überraschend finde ich die Tatsache, dass die Persiflage der Spreeblickler damals ohne Konsequenzen blieb. Vielleicht lag es ja an der Größe des Blogs? Wollte man damals eventuell nicht die deutsche Blogosphäre direkt an der Spitze angreifen? Aber diesmal ist es ja nur ein kleiner Querulant, dem man mal locker den Arsch abmahnen kann?!
Nun, liebe KemperTrautmänner, da habt Ihr Euch ordentlich verrechnet. Im Jahre 2009 ist es egal, wie groß oder klein ein Projekt im Web ist. Das Web ist engmaschiger denn je, daher erfahren wir von solchen Sauereien schneller. Und können schneller und breiter darauf reagieren.
Und damit sind wir am heutigen Tag, dem Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland und des deutschen Grundgesetzes, schon beim Hauptfilm angekommen. Viel Spaß bei Du bist Terrorist!