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Archiv für die Kategorie ‘Gesellschaft’

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Hilliary

Veröffentlicht in Apple & Co, Gesellschaft, Internet, Medien | 25. März 2008 | 17:54:13 | Dirk Kirchberg

Ich verstehe ja, dass Politiker im Wahlkampf gern mal ein wenig ausschmücken, was sie getan haben, dass sie schönen, was sie falsch gemacht haben, und dass so manche offensichtlich hirnrissige Aussage trotzdem getätigt wird, weil man sich ein paar Stimmen davon verspricht. Ich erinnere nur mal an die blühenden Landschaften

Hillary Clinton hat mal behauptet, sie wäre maßgeblich am Friedensprozess in Nordirland beteiligt gewesen – nicht richtig –, sie sagte, sie sei in wichtige Sicherheitsentscheidungen involviert gewesen – nicht richtig (sie hatte nicht die nötige Sicherheitsfreigabe…). Aber nun hat Hillary Clinton eine Bruchlandung hingelegt, die von den Medien süffisant immer und immer wieder vorgespielt und widerlegt wird.

Worum es geht? Nun, Hillary erinnert sich daran, dass sie als First Lady 1996 in Tuzla unter Beschuss gelandet und zu ihrem Fahrzeug gelaufen ist. Das Problem ist: CBS war dabei und hat gefilmt, was damals passiert ist.

Es wurde nicht geschossen, niemand musste laufen, und die Landezone war sogar so sicher, dass ein kleines Mädchen ein Gedicht aufsagen und Hillary küssen konnte.

Hillary und ihre Kampagnenköppe sprechen nun von einem minor blip. Wie resümiert die CBS-Dame so schön? »Memory should always match the videotape…« Wie wahr…

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Die Lust an der List (2)

Veröffentlicht in Gesellschaft, Kultur | 20. März 2008 | 21:46:33 | Roland Müller

suntsu.jpg

So, heute wird es wie versprochen konkret. Damit sich ein jeder schon mal einen ersten Eindruck vom Sinngehalt der 36 Strategeme machen kann, werde ich sie im folgenden erst einmal alle auflisten. Allerdings bin ich so frei, sie der leichteren Verständlichkeit halber mit deutschen Bezeichnungen zu versehen, ihren von Sun Wu (siehe oben) inspirierten kriegerischen Gehalt ziviler fassen und jenen deutschen Sprichwörtern zuzuordnen, die dem Sinngehalt des chinesischen Urtextes am ehesten (wenn auch nicht hundertprozentig!) entsprechen. Ansonsten werde ich Harro von Senger folgen und diese 36 Strategeme in fünf (eigentlich sieben, doch dazu später mehr) logische Gruppen zusammengefasst präsentieren und besprechen.
 Hier also erst einmal der große Überblick, der für den geneigten Leser schon einiges durchblicken lässt und eine vielleicht etwas wenig christliche, aber dafür umso anregendere Osterlektüre hergibt…

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re:publica 08 – Das Café ist dabei

Veröffentlicht in Gesellschaft, Internet, Kultur, Medien | 19. März 2008 | 17:26:08 | Dirk Kirchberg

Nach dem 1. BarCamp in Hannover (123) fahre in nun Anfang April zur re:publica 08 nach Berlin. Der Info-Text und das Beta-Programm klingen spannend. Zugfahrkarte ist gebucht, Zimmer hoffentlich auch bald im DNA-lastigen Heart of Gold-Hostel, Ticket für die drei Tage dauernde Konferenz wird gleich geblockt. Und dann kann’s los gehen. Worum es eigentlich geht? Darum:

Zwischen Kultur, Medien, Politik und alltäglich genutzter Technik: Vom 2. bis 4. April 2008 treffen sich in Berlin Blogger und andere Netzbewohner zur re:publica’08. Das Konferenz-Motto “Die kritische Masse” steht für verschiedene Seiten des gleichen Komplexes: Das Internet und neue Kommunikationsformen werden immer mehr in das Leben der Menschen integriert. Web 2.0-Anwendungen entwickeln sich zu Selbstläufern. Und zum anderen steht auch die Fähigkeit der Masse zur Kritik im Zentrum des dreitägigen Events.

Harvard-Professor Viktor Mayer-Schönberger von der John F. Kennedy-School of Government wird die Keynote über “Nützliches Vergessen” halten: Wie funktioniert Datenschutz im Web 2.0 heute – wie könnte er besser funktionieren? Und wer ist dafür zuständig?

re:publica 08

Die ARD-Generalsekretärin Verena Wiedemann wird mit den Besuchern diskutieren, wie die Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Anstalten im digitalen Zeitalter aussehen könnte. Die Internet-Strategie der ARD soll dabei einem Realitätscheck unterzogen werden. Im direkten Gespräch zwischen denen, die das neue Web gestalten und Vertretern des herkömmlichen Rundfunks sollen dabei Wege und Irrwege aufgezeigt werden. Der Schriftsteller Peter Glaser wird mit Tim Pritlove in einem Live-Podcast für Chaosradio Express über “Die kritische Masse” diskutieren.

Bereits jetzt stehen gut 50 Programmpunkte für die dreitägige Konferenz im vorläufigen Programm. Die Veranstalter erwarten, dass die Besucher im April die Wahl zwischen fast 100 Vorträgen, Diskussionen und Workshops haben werden.

Sehen wir uns in Berlin?

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Die Lust an der List (1)

Veröffentlicht in Gesellschaft, Kultur | 14. März 2008 | 10:48:52 | Roland Müller

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China, das ist längst Allgemeingut, hat sich nach dem ambivalenten ersten auf einen neuen langen Marsch gemacht. Diesmal geht es darum, zur führenden Wirtschaftsmacht des Planeten aufzusteigen. Nachdem das längst wieder von Konfuzius statt Mao vorangetriebene Milliardenvolk vermutlich bereits in diesem Jahr Deutschland vom Thron des Exportweltmeisters verdrängen wird und zudem gerade auch hierzulande zunehmende Unternehmenspräsenz zeigt, kann man nicht länger ignorieren, dass Chinesen anders „ticken“ als wir barbarischen Langnasen. Gerade wer die zwar begründeten, aber oft ungelenken deutschen Statements in Sachen Menschenrechte bei irgendwelchen Staatsbesuchen und die oft mit brillanter Dialektik geführten Reaktionen der Chinesen beobachtet, kommt ins Grübeln. Und recherchiert dann vielleicht ein wenig. So wie ich dies vor Jahren getan habe. Damals noch für eine Artikelserie im Multiuser-Blog Mehrzweckbeutel, die der hier und heute startenden Serie zugrunde liegt. Wie auch immer, jedenfalls bin ich seit damals fasziniert von einem der gravierendsten kulturellen Unterschiede zwischen dem Westen und dem Reich der Mitte, nämlich dem grundsätzlich anderen Verständnis von dem, was wir als „List“ bezeichnen. Und was die Chinesen über Jahrhunderte in Form der berühmten, aber hierzulande kaum beachteten 36 Strategeme niedergelegt haben. Ich will versuchen, hier in der entspannten Umgebung des Café Digital geneigten Besuchern in loser Folge eine Einführung in das listorientierte Agieren einer Kultur zu geben, die als einzige dieser Welt Überlistungstechniken benannt und systematisch zusammengestellt hat.

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Ketzer, Kritiker, Vordenker

Veröffentlicht in Gesellschaft, Technologie | 10. März 2008 | 21:03:09 | Roland Müller

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Sein ELIZA war das erste AI-Programm, das ich auf meinem Apple Macintosh 128k installiert hatte. Für einen Moment wehte damals der Glaube an den unaufhaltsamen Aufstieg der Künstlichen Intelligenz durch mein Zimmer. Nicht allzulange. Denn vergleichsweise schnell stellte sich heraus, dass vieles von dem, was da in den siebziger und achtziger Jahren hochgekocht wurde, das war, was man heute als Hype bezeichnen würde. Joseph Weizenbaum hatte dies und vieles andere mehr früh erkannt. Früher als andere. Er, der nach eigener Aussage mehr durch Zufall als Planung zum Vordenker der aufkommenden Computertechnologie wurde, wandte sich als einer der Ersten wieder von ihr ab. Er wurde zum kritischen Mahner, erkannte intuitiv und intellektuell die Gefahr einer Entmündigung durch die Allgegenwart der Computer und ihre immer komplexer werdenden Strukturen. Abhängigkeit von anderen, und sei es von Maschinen, war dem zweitältesten Sohn einer alteingesessenen jüdischen Familie in Berlin, die 1936, also gerade noch rechtzeitig, aus Deutschland in die USA emigrierte, immer ein Greuel. Als ausgebildeter Meteorologe und später Mathematiker war er an der Entwicklung der ersten Computersysteme beteiligt, arbeitete für Bendix Aviation und general Electric, bis ihn schließlich 1963 der Ruf ans MIT ereilte. Hier wurde er zum Mitbegründer der Computerwissenschaft. Weltweit bekannt machten ihn jedoch nicht seine hoch gerühmten wissenschaftlichen Studien, sondern jenes kleine, harmlos erscheinende Programm namens ELIZA, das in Fachkreisen auf den schönen Namen „A Computer Program for the Study of Natural Language Communication Between Man and Machine“ hörte und mit oft verblüffender Schlagfertigkeit bei den Anwednern den Eindruck erweckte, es mit einer tatsächlichen Maschinenintelligenz zu tun zu haben. Weizenbaum muss dies in höchstem Maße amüsiert haben, wusste doch gerade er um die äußerst rudimentären Dialogfähigkeiten seiner Programmierung. Und doch war es ausgerechnet dieses harmlos erscheinende Programm und sein enormer Erfolg, der ihn schnell und voller Erschrecken erkennen ließ, dass es offenbar ein menschliches Bedürfnis ist, mit Maschinen zu sprechen und ihnen geradezu blindes Vertrauen entgegenzubringen. Diese Wahrnehmung veränderte seinen ganzen Lebensweg. Fortan wurde er zum Mahner in der Wüste. In zahllosen Publikationen formulierte er seine Kritik an einer Computerwissenschaft, die ohne fixe ethische Maßstäbe den Menschen immer weiter entmündigt. Von den USA aus und nach dem Fall der Mauer und seinem Umzug nach Berlin, der Stadt seiner Jugend,  von hier aus zog er gegen den „Imperialismus der instrumentellen Vernunft“ zu Felde, jenem Schlüsselbegriff, den er in seinem vielleicht berühmtesten Werk „Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft“ 1976 etablierte. Ihn zu bekämpfen, daran konnte ihn nicht einmal eine Krebserkrankung hindern. Der er dann doch schlussendlich, am 5. März 2008, zum Opfer fiel – Computerkritiker bis zuletzt, doch niemals das, was ihm seine Kritiker anzudichten versuchten, nämlich technikfeindlich gesonnen zu sein. Was man von ihm lernen kann? Ganz einfach: Dass Technologie ohne eine Ethik ihrer Anwendung eine Gefahr ist für uns alle. Ja, er war ein großer Mann, der Joseph Weizenbaum – einer, der uns fehlen wird.

Übrigens: Der AI-Klassiker ELIZA kann natürlich heutzutage online getestet werden: hier!

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