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Apple und das Traumtablett

Veröffentlicht in Apple & Co, Design, Gadgets, Internet, Literatur, Medien, Mobilität, Musik, Sport, Technologie, Unterhaltung | 22. Januar 2010 | 01:38:27 | Dirk Kirchberg

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Kaum hatte Apple still und heimlich im Dezember vergangenen Jahres das Yerba Buena Center im kalifornischen San Francisco gebucht, herrschte bei den Fans des Computerherstellers Hochstimmung. Schnell waren sich Mac-Nutzer und Medien einig, was das Unternehmen mit dem markanten Obstlogo präsentieren werde: Es könne sich nur um den sagenumwobenen, nie bestätigten, aber oft beschworenen Tablet-PC handeln, also einen superflachen, mobilen Computer ohne Tastatur, der sich über den Bildschirm bedienen lässt. Als möglicher Produktname wurde „iSlate“ kolportiert. „Slate“ heißt im Englischen die Schiefertafel.

Nun verschickte Apple offizielle Einladungen für den 27. Januar an ausgewählte Pressevertreter. „Erleben Sie unsere neueste Kreation“, heißt es auf der mit Farbklecksen verzierten Einladung, die anmutet, als hätten Kinder sie mit Fingerfarben illustriert – was manche Journalisten als indirekte Bestätigung des Tablet-Gerüchtes verstehen wollten. Schließlich würde ein solcher Computer mit den Fingern bedient. Aber auch in dieser Einladung ließ Apple offen, um was es sich bei dieser „neuesten Kreation“ handeln wird.

Zahlreiche Indizien werden von Analysten und Kolumnisten so gedeutet, dass es nur das „iSlate“ sein kann. Nicht nur soll dieses Wunderding sich so einfach wie ein iPhone bedienen lassen. Besonders die Benutzerfreundlichkeit des Betriebssystems wird unter iPhone-Fans immer wieder hervorgehoben. Darüber hinaus soll das „iSlate“ für die Medienlandschaft schaffen, was das tragbare Medienabspielgerät iPod für die Musikbranche vollbrachte, nämlich nichts Geringeres als das alles überragende Geschäftsmodell für Bezahlinhalte zu begründen. Denn erst der iPod und die Verwaltungssoftware iTunes sowie der dazugehörige Music-Store brachten den Durchbruch für den digitalen Musikverkauf über das Internet. Das amerikanische Magazin „Sports Illustrated“ produzierte einen Videoclip, in dem eine mögliche Zukunft dieser Inhalte präsentiert wurde. Zu Texten und Fotos kamen viele Videos und interaktive Grafiken hinzu. Diese multimedialen Inhalte kann der Nutzer zudem nach Belieben neu anordnen.

Die Medienwelt scheint das iSlate förmlich herbeizusehnen, denn der Umsatz, den Apple mit in seinem App-Store mit meist sehr günstigen iPhone-Programmen generiert, dürfte wie das gelobte Land der Bezahlinhalte wirken. Neue Zahlen von Gartner, einem der weltweit führenden Marktforschungsunternehmen für Informationstechnologie, belegen, dass der weltweite Umsatz mit den sogenannten Apps im Jahr 2009 rund 4,2 Milliarden Dollar, also 2,9 Milliarden Euro, betrug. Apple verfüge damit aktuell über einen Marktanteil von 99,4 Prozent am Geschäft mit Anwendungen für Smartphones und tragbare Multimediageräte. Für 2010 prognostiziert Gartner Umsätze von bis zu 6,2 Milliarden Dollar. Bis 2013 sollen sogar 29 Milliarden Dollar oder umgerechnet rund 20 Milliarden Euro möglich sein.

Die renommierte US-Zeitung „The Wall Street Journal“ will erfahren haben, dass Verlage wie HarperCollins und Conde Nast und Zeitungen wie die „New York Times“ bereits mit Apple über die Verbreitung von digitalen Inhalten verhandelten. Letztere gab am Mittwoch bekannt, dass man ab 2011 ein variables Bezahlsystem für das eigene Onlineangebot einführen wird. Eine bestimmte Anzahl von Artikeln der „New York Times“ soll weiterhin kostenlos zu lesen sein. Ab einem gewissen Nutzungsgrad braucht der Leser dann aber ein Abonnement. Darüber hinaus sollen amerikanische Fernsehunternehmen wie CBS und Walt Disney, dem der Sender ABC gehört, und Spielehersteller wie Electronic Arts an Kooperationen interessiert sein.

Die Frage bleibt: Was muss das iSlate alles können, um Analysten und Apple-Fans Freudentränen weinen und Konkurrenten in Depressionen fallen zu lassen – sollte es am 27. Januar denn tatsächlich vorgestellt werden? Sollten sich die Gerüchte bestätigen, so könnte das Gerät über einen 26 bis 28 Zentimeter großen, drucksensitiven Bildschirm verfügen und zwischen 800 und 1000 Dollar kosten. Zudem wird vermutet, dass statt einer Festplatte ein sogenannter Flash-Speicher verbaut wird. Das hätte eine längere Batterielaufzeit zur Folge, was gerade für ein mobiles Gerät wichtig ist. Die meisten Analysten rechnen mit einer Veröffentlichung im zweiten Quartal dieses Jahres. Und ob das Gerät dann auch sofort in Europa zu haben sein wird, bleibt fraglich. Möglich wäre ein Szenario wie einst beim iPhone: Zuerst wurden die USA abgedeckt, dann nach und nach der Rest der Welt.

Das amerikanische Weblog „Valleywag“ wollte Fakten schaffen, statt weiter im Gerüchtenebel herumzustochern und bot Geld für Fotos und Videos des „iSlate“ an. 10.000 Dollar bekäme derjenige, der ein authentisches Foto des Tablet-PCs liefern könne. Für ein Video eines funktionierenden Exemplars bot man 20.000 Dollar. Sollte jemandem ein Schnappschuss von Apple-Chef Jobs samt „iSlate“ gelingen, würde Valleywag sogar 50.000 Dollar überweisen. Und für „eine Stunde allein mit dem Gerät“ kündigte das Blog ein Honorar von 100.000 Dollar an. Keine Überraschung: Einen Tag später hatten die Betreiber des Blogs eine Abmahnung von Apple auf dem Tisch. Und werteten diese Abmahnung sogleich als Beweis für ihre Tablet-Träume.

Es bleibt also noch ausreichend Zeit für neue Gerüchte und Vermutungen. Oder für Tagträume, wie sie ein Nutzer, der sich beim Kurznachrichtendienst Twitter „johnrudy“ nennt, beschreibt: „Hat noch jemand eine Vision von Steve Jobs, wie er am 27. mit einem iSlate in jeder Hand die Bühne betritt – wie Moses mit den zehn Geboten?“

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Eine Antwort zu “Apple und das Traumtablett”

  1. 22. Januar 2010 um 08:10:26 | Tweets die Cafe Digital» Blogarchiv » Apple und das Traumtablett erwähnt -- Topsy.com sagt:

    […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von I want a Mac! und Jenny D., GWaver erwähnt. GWaver sagte: Cafe Digital» Blogarchiv » Apple und das Traumtablett http://goo.gl/fb/KOE6 […]

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