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Schokolade

25,000,000,000 US$

Veröffentlicht in Apple & Co | 02. November 2008 | 15:12:01 | Roland Müller

Nach dem letzten Kassensturz verfügt Apple derzeit über liquide Reserven in Höhe von 25 Mrd. US$. Ein überaus stattlicher Betrag, größer noch als die aktuellen Barmittel von Microsoft und durchaus geeignet, unter Ausnutzung des aufgrund der Finanzkrise derzeit billigen Marktes geschickt zuzukaufen. Frage also: Welche Optionen bieten sich Cupertino, das eigene Portfolio von Produkten und Dienstleistungen strategisch geschickt zu ergänzen? Wir machen uns ein paar Gedanken…

NVIDIA, Nintendo, Sun Microsystems, Electronic Arts, Adobe… So lauten in absteigender Rangreihe die Kandidaten, sprich: Ergebnisse einer Umfrage, die Wired unter Online-Lesern angestellt hat, um herauszubekommen, wen die Bloggerwelt den gerne in Applehänden sehen würde. Nintendo scheint uns ein wenig hoch gegriffen, nicht nur preislich. NVIDIA ist schon fast zu logisch, als dass Apple zugreifen würde. Zumal dann die Möglichkeiten wegfielen, sich im Einkauf durch gegeneinander Ausspielen der Grafikkarten-Anbieter ökonomische Vorteile zu verschaffen. Sun Microsystems ist wegen seiner Aktivitäten MySQL, OpenOffice und Java vielleicht diskutabel, ansonsten aber zu sehr außerhalb des ertragreichen Apple-Kerngeschäfts. Zumal die Gefahr besteht, sich mit dem massiv schwächelnden Enterprise-Servergeschäft ein Fass ohne Boden ins Haus zu holen. Und Electronic Arts? Als weltweit größter unabhängiger Spieleentwickler sicher kein schlechter Kandidat. Aber Apples Affinität zum Spielegeschäft – insbesondere jenem im Windows-Markt – ist dann so groß auch wieder nicht, als dass dies ein strategisch besonders brillanter Schachzug wäre. Spiele hatten bisher in Apples Strategie noch nie eine besondere Rolle gespielt.

Dann wäre jenseits dieser Umfrage noch Research in Motion (RIM) im Gespräch, zumindest in Analystenkreisen. Also der Blackberry-Anbieter. Da dieser aber durch die steigenden iPhone-Verkaufszahlen eh zunehmend unter Druck gerät, wäre Apple schlecht beraten, jetzt schon in Bereich derartiger Buisness-Anwendungen groß einzusteigen. Zumal RIM an der Börse als etwas überteuert gilt. Und Steve Jobs, wie man weiß, legt bei Akquisitionen gesteigerten Wert auf ein exzellentes Preisleistungsverhältnis.

Wie wäre es dann zum Beispiel mit einem massiven Investment in die Telekommunikations-Infrastruktur? Ein fetter Anteil an AT&T, Verizon oder der Deutschen Telekom mit ihrer Tochter T-Mobile zum Beispiel? Hm, aber wozu? Schließlich hat Apple mit den aktuellen Knebelverträgen die großen Telekoms eh ganz gut im Griff, ohne gleich Milliarden hineinpumpen zu müssen.

Bleibt zuletzt dann doch… Adobe Systems! Und das wäre in der Tat eine nicht zu fette, aber in ihrem Marktsegment außerordentlich dominante Beute. Gerade die Hälfte der liquiden Apfelmittel von 25 Mrd. US$ würden genügen, um Acrobat, After Effects, Dreamweaver, Photoshop und Co. zu vereinnahmen und mit einem Schlag zum Schwergewicht im Softwaregeschäft zu werden. Apples trotz reduzierter Gewinnprognose immer noch fulminanter Cash Flow-Rendite von 10% käme das sehr entgegen. Und von Cupertino nach San José, zum Adobe Headquarter, sind’s zudem nur wenige Meilen Fahrstrecke für Steves neuen, wie immer nummernschildlosen AMG-Mercedes SL55

Fazit also: Apple wäre gut beraten, im Zuge des aktuellen Kursverfalls zum richtigen Zeitpunkt Adobe Systems zu übernehmen. Ob dies allerdings im Interesse der Anwender liegt, das ist eine ganz andere Frage. Stöhnen die (und wir) doch eh schon über das Beinahe-Monopol von Adobe im grafischen Bereich.

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2 Antworten zu “25,000,000,000 US$”

  1. 02. November 2008 um 20:09:40 | Joe sagt:

    Interessantes Thema; Apple sollte die Barreserven nutzen um eigene Aktien zurückzukaufen

  2. 02. November 2008 um 23:40:22 | Daniel sagt:

    Schöner Artikel, vor allem gut zusammengefasst!

    Adobe zu kaufen brächte vor allem noch einen weiteren Vorteil: Flash und Shockwave, etc. Das halbe Web2.0 funktioniert nur auf dieser Basis.
    Würde Apple also wirklich Adobe kaufen, wären sie ein Mega Gewicht, was Webvideos, streamingdienste, etc. angeht. Und könnten Microsoft Silverlight, (Das in Verbinund mit Azure in der Tat ernst zu nehmende Desktop-Konkurrenz bedeutet) zumindest vorerst weiter Wasser abgraben (Siehe auch Adobe’s Silverlight Konkurrent).
    Wäre auch für MobileMe gut.

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