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Fforde für Satire-Ffans

Veröffentlicht in Gesellschaft, Literatur, Politik | 23. August 2026 | 09:48:34 | Roland Müller

Wer Jasper Ffordes berühmte Thursday-Next-Reihe kennt und generell Altertnativweltengeschichten schätzt, wird von seinem neuesten, endlich in deutscher Übersetzung erschienenen Roman begeistert sein.

„Wie die Karnickel“ spielt in einem britischen Kaff nahe der walisischen Grenze. Wer den Autor kennt, kann sich denken, dass er die scheinbar friedliche, erzkonservative und traditionelle Kulisse aufmischen wird. Denn hier wie in weiten Teilen Großbritanniens sorgt ein „Ereignis“ dafür, dass 1,2 Millionen fortpflanzungsfreudige Kaninchen, aber auch etliche Füchse, Wiesel und sonstiges Getier in menschengroße, intelligente und sprachbegabte Mitwesen verwandelt werden. Ein Schock für das Vereinigte Königreich und seine im Kern rassistische Gesellschaft.

Die daraus entstehende Geschichte fokussiert sich auf den Protagonisten Peter Knox, der eine Entscheidung treffen muss: Bleibt er Zaungast der Entwicklung und linientreuer Mitarbeiter der „Rabbit Compliance Taskforce“ oder stellt er sich gegen die Mehrheitspolitik im Königreich und schlägt sich auf die Seite der veganen, friedliebenden und überaus klugen Nager, als diesen die Zwangsumsiedelung in einen Lagerkomplex inn Wales droht?

Eine irre Geschichte. Eine großartige Satire auf die Entwicklungen in den europäischen Staaten. Absurd komisch, voller zutiefst liebenswerter Figuren und zugleich ein brutaler Spiegel unser eigenen xenophoben Gegenwart. Unbedingt lesenswert! Verbunden mit einem großen Dank an den Satyr Verlag, der das Original brillant übersetzt auf den deutschen Buchmarkt gebracht hat!

Nachwort: Wir wünschen uns generell mehr Aufmerksamkeit für Jasper Ffordes Werk. Gerade weil es mit meisterhafter Komik und großem Sprachwitz gesegnet ist. Etwas, was im deutschen Buchmarkt nach wie vor zu kurz kommt.

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Die Stimmen der Zukunft

Veröffentlicht in Apple & Co, Kultur, Kunst, Literatur | 26. Oktober 2020 | 15:04:14 | Roland Müller

Zwischen Utopie und Dystopie liegt oft nur ein Wimpernschlag. Oder aber jene knapp 190 Seiten junges literarisches Schaffen, das Herausgeber Samuel J. Kramer in Poetry for Future eingefangen hat. Das vergleichsweise dünne Büchlein, erschienen im Satyr Verlag, Berlin, zeigt, welche kreativen Potenziale die aktuelle Pandemie in der deutschen, österreichischen und schweizerischen Poetry Slam und Lyrik Szene freizusetzen in der Lage ist. 45 Autor*innen von Anja Utler bis Yannick Steinkeller liefern Stoff zum Denken. Poetry Slam und hehre Dichtkunst, Ungereimtheiten und Gereimtes, bissige Satire und schmerzhafe Analyse, Bedenkenswertes und Rebellisches, alles ist in dieser Anthologie vertreten. Ihr wollt wissen, wie die Generation Z tickt? Wie sie angesichts des auf uns zurollenden globalen Kollaps‘ Worte findet, um die gesellschaftliche Sprachlosigkeit zu überwinden? Dann ist es an der Zeit, diese 45 Texte für übermorgen zu lesen. Vielleicht, ja vielleicht dämmert dann dem einen oder anderen, was wir gerade dabei sind anzurichten. Und wie wir da – womöglich – wieder herauskommen. Vielleicht sogar mit einem blauen Auge. Und mit einem lachenden…

Als Appetithäppchen zitiere ich nachfolgend einen Absatz aus Marina Sigls Ein Bericht (ab Seite 18 der Anthologie):

April. Das Wasser ist inzwischen hüfthoch. In meinem Keller wachsen nun seltene Wasserpflanzen, die in anderen aquatischen Lebensräumen vom Aussterben bedroht sind. Auch verschiedene Wasservögel haben sich in alten Kellerregalen Nisthöhlen gebaut. Erik beschließt, seine Masterarbeit in aquatischer Biologie über die Pflanzen zu schreiben. Mein Vermieter hat vom Biotop in meinem Keller gehört und kassiert nun Eintritt für die Touristenattraktion. Schaulustige trampeln durch die Tümpel der Frösche und überfüttern die Enten mit Brot, das aufgeweicht und flockig den Pflanzen im Wasser ihr Licht nimmt. Anna startet eine Kampagne zum bewussten Umgang mit der Umwelt.

Poetry For Future. 45 Texte für übermorgen, Hrsg. Samuel J. Kramer. Satyr Verlag, Berlin 2020 (ISBN: 978-3-947106-60-8)

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