Kamera
Schokolade

Basteltag im Café

Veröffentlicht in Fotografie | 08. März 2009 | 18:47:02 | Roland Müller

Es geht tatsächlich so einfach wie das Brezelbacken! Ein ruhiges Händchen vorausgesetzt ist es eine 10-Minuten-Aktion, aus einem zwar in Kanada gefertigten, gleichwohl aber optisch exzellenten Leica Summicron-R 35mm 1:2,0 ein Nikon-Objektiv zu machen. Nachdem dies als Fingerübung neulich schon einem 90er Summicron-R zugestoßen war, wollen wir den Umbauprozess heute, an diesem verregneten Sonntag, ein wenig ausführlicher darstellen…

Man nehme: Ein in der Bucht günstig ersteigertes Leica Summicron-R 35mm 1:2, gefertigt in Kanada sowie einen Umbausatz der spanischen Tüftlerschmiede Leitax. Dazu die notwendigen feinmechanischen Werkzeuge zum Entblättern der Leica-Optiken. Dann entfernt man auf der Bajonettseite des Objektivs mittels geeignetem Feinschraubendreher (gibt’s ebenfalls bei Leitax) die drei schwarzen Schlitzschräubchen, die die ebenfalls schwarze Abdeckblende halten. Nach Lösen der Schrauben lässt diese sich mit einem Kunststoffhebel oder einem hölzernen Zahnstocher und gebotener Vorsicht heraushebeln. Dann rücken wir dem eigentlichen Leica-Bajonett zu Leibe.

Dieses ist mit sechs Schrauben gesichert, die wir nun ebenfalls herausdrehen. Das Bajonett lässt sich daraufhin leicht abheben. Bitte aufpassen, dass keine der winzigen Schrauben im Objektivinnern „verschwindet“. Das wäre sehr kontraproduktiv… Eine Uhrmacherpinzette hilft, derlei Ungemach zu vermeiden.

Nun kommt ein besonders diffiziler Akt. Denn das im Bild rot markierte Stahlkügelchen will sicher verstaut werden. Es sorgt dafür, dass nach Montage des Nikon-Bajonetts der Blendenring sauber und weich rastet. Schlauerweise haben die Spanier ihrem Umbauset ein Ersatzkügelchen beigepackt. Sehr vorausschauend! Mir ist nämlich einens bereits abhanden gekommen – trotz vorsichtigem Einsatz der Uhrmacherpinzette!

Nun müssen nur noch die beiden Stützbleche nebst deren Unterlegscheiben abgeschraubt und verstaut werden. Am besten zusammen mit Originalbajonett und Kleinteilen in einem klaren, wiederverschließbaren Plastikbeutel. Falls später mal ein Rückbau erwünscht sein sollte. Dann wird mit den sechs Original-Bajonettschrauben das neue Nikon-Bajonett montiert, alles schön festgezogen. Und voilà…

Wir erfreuen uns an hochlichtstarkem Objektiv-Zuwachs für unsere Redaktions D2X, an der das 35er-Summicron-R dank Crop-Faktor zur 52mm Normalbrennweite mit Lichtstärke 1:2,0 wird. Womit sich dann ohne großes Experimentieren im Blendenvorwahlmodus der Nikon, automatischer Zeitenbildung und AF-Confirm-Signal im Sucher ganz ordentliche Fotos wie dieses machen lassen – auch wenn es fürs Café unüblich eine Teekanne ist, die wir abgelichtet haben. Sorry…!

Tags: , , ,

weitere Artikel

« | »

5 Antworten zu “Basteltag im Café”

  1. 08. Mai 2009 um 20:56:32 | Johannes TR sagt:

    Hallo! Eine tolle Neuigkeit. Mich interessiert noch, ob die Springblende mit der Nikon F100 funktioniert und Offenblendmessung bei Zeitautomatik. Das wäre optimal. Ich werde mir das Nikonbajonett für meine Leica-Objektive holen.
    MfG Johannes

  2. 09. Mai 2009 um 19:30:39 | Roland sagt:

    Die technische Ausführung ist top! Die Belichtungsmessung erfolgt bei Arbeitsblende. Was aber kein Problem darstellt, da meine Leica-R Optiken alle hoch lichtstark sind. Blendenvorwahl mit Zeitautomatik funktioniert bei der D2X einwandfrei. Sollte bei der F-100 genauso sein. Ich werde in den kommenden Tagen zwei weitere Objektive umbauen – ein Summicron-R 50mm 1:2,0 und eventuell ein Macro Elmarit-R 60mm 1:2,8 (obwohl das an der Olympus E-330 ziemlich gut ist…). Mein Elmarit-R 19mm 1:2,8 ROM funzt leider nicht, da die Hinterlinse ca. drei Millimeter zu lang baut fuur den Schwingspiegel der D2X. Echt schade eingedenk der Güte dieses Objektivs. Ich werde es wieder auf das ursprüngliche Leica-Bajonett rückbauen…

  3. 10. Mai 2009 um 10:30:56 | Johannes TR sagt:

    Hallo Roland! Heißt das, daß das Objektiv immer auf die eingestellte Arbeitsblende geschlossen ist, oder springt die Blende erst beim Auslösen auf die Arbeitsblende? Dann wäre es etwas finster im Sucher, wenn man z.B. Blende 8 eingestellt hätte. In diesem Fall wären die ZF-Objektive von Carl Zeiss die bessere Wahl, weil der Sucher hell ist und die Blende erst bei der Aufnahme auf die Arbeitsblende springt (Springblende mit Offenblendmessung). Wie auch immer, ich habe den Bausatz bestellt und werde es bald selbst sehen.
    MfG Johannes

  4. 15. Mai 2009 um 12:05:26 | Johannes TR sagt:

    Hallo! Ich habe ein Problem. Vorhin kam das Austauschbajonett von Leitax. Es war sehr einfach zu montieren. Mein Objektiv ist ein 28er Elmarit ASPH ROM aktuelle Bauart. Ich habe es an die Nikon F100 angesetzt. Wie ich vermutet hatte, funktioniert es nur mit Arbeitsblende. Die Blende ist immer auf Arbeitsblende geschlossen und der Sucher daher je nach Blendenwahl entsprechend dunkel.
    Das ist aber noch nicht mein Problem. Das Objektiv läßt sich nicht mehr von der Kamera entfernen. Es entriegelt einfach nicht mehr, wenn ich den Knopf drücke. Was kann man da tun? Hat jemand einen guten Rat??? Gab es noch mehr Leute mit diesem Problem???
    MfG Johannes

  5. 15. Mai 2009 um 20:04:29 | Roland sagt:

    Puh! Hm, die ASPH ROM-Version hatte bisher meines Wissens nach noch niemand adaptiert. Ich bin mir nicht sicher, ob die mechanisch identisch ist mit der „normalen“ Version II. Ich habe bisher nur Leica-R Opriken umgebaut, die andere bereits erfolgreich adaptiert hatten. Und dabei gab es keinerlei Probleme mit dem Bajonett. Das besagte 19mm ROM musste ich allerdings weider rückbauen, weil die Hinterlinse minimal zu lang war. Deine F-100 funktioniert ansonsten? Fotos machen mit dem Objektiv auch? Versuch mal das Objektiv leicht in der Fassung zu bewegen und dabei nach mechanischen Geräuchen zu horchen. Ansonsten würde ich mal an Leitax mailen! Die Jungs sind sehr hilfreich…

Hinterlasse eine Antwort