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Schokolade

Pflichtlektüre im Café

Veröffentlicht in Genuss, Gesellschaft, Kultur, Kunst, Medien, Musik, Politik | 27. Februar 2009 | 18:32:40 | Roland Müller

Zugegeben, Mainstream ist etwas anderes. Aber warum sollten wir hier im digitalen Café auch unbedingt Mainstream-Magazine lesen? Es reicht uns völlig aus, dass der Main nur wenige Kilometer von hier entfernt ist… Um aber unseren werten LeserInnen fürs kommende Wochenende ein paar Tipps für angemessene, die Großhirnrinde anregende Lektüre zukommen zu lassen, laden wir hiermit zu einer kleinen Leserunde ein…

ad 1: brand eins – was sich dezent im Untertitel „Wirtschaftsmagazin“ nennt, ist weit mehr als das. Nämlich gegen den Strich gebürstet. Nicht mal in Finanzkrisenzeiten wie diesen ergehen sich die Hamburger um Chefredakteurin Gabriele Fischer und Schwerpunkt-Thematisierer Wolf Lotter in Katastrophen-Lyrik. Stattdessen titelt die neueste Ausgabe rotzfrech mit „Gute Nachrichten“. Wunderbar. Und alles andere als neoliberal (wie manche Kritikaster immer noch meinen). Aber vom Kopf her ein paar Schritte weiter als beispielsweise eine Kanzlerin, die uns mit 2009 „ein Jahr der schlechten Nachrichten“ verspricht. Anlesetipp ganz aktuell: ab Seite 44 Wolf Lotters gewohnt bärbeißig-brillanter Grundsatzartikel „Der Sturm und die Windmühlen“.

ad 2: DATUM – „Die Seiten der Zeit“. So weit, so gut. Dass aber ausgerechnet aus der benachbarten, publizistisch weitgehend monopolisierten und boulevardisierten Alpenrepublik ein Magazin kommt, das Qualitätsjournalismus nicht nur predigt, sondern lebt, das verblüfft dann doch. Klaus Stimeder und Johannes Weyringer, die beiden kooperativen Chefredakteure, haben es in wenigen Jahren geschafft, eine Truppe im Geiste und im Schreiben unabhängiger Köpfe um sich zu scharen, die wie so oft im eigenen Lande nichts gilt oder aneckt oder verstört oder alles zusammen. Dafür im Ausland, sogar im fernen Britannien, eine Auszeichnung nach der anderen für vorbildliche journalistische Arbeit einsammelt. Was lehrt und das? Nun, vielleicht, dass es jenseits von Spiegel (soso)  und Focus (naja) Lesenswertes gibt, das zudem einen tiefen Einblick gibt in die Befindlichkeiten unserer österreichischen Freunde und ein ums andere Mal klarmacht, wie verdammt wenig wir doch von ihnen wissen. Anlesetipp ganz aktuell: Ab Seite 62 Moritz Gottsauner-Wolfs augenzwinkernder Artikel über die noch jungfräuliche Proficatcher-Szene in der Alpenrepublik, „Unter der Matte“.

ad 3: Jazzthing – Eigentlich ja nur ein Musikmagazin mit dem Schwerpunkt Jazz. Jenem Musikstil also, der mal gerade zwei bis drei Prozent des Umsatzes im Musikmarkt ausmacht. Gnadenlos textintensiv, zum Teil mit Seiten, auf denen nichts anderes steht als Wörter, Wörter, Wörter. Einfach unerträglich… gut und lesenswert. Einziger Nachteil nach intensivem Studium: Die Gefahr ist groß, dass man aufgrund sehr aus(ver)führlicher und eben nicht intellektuell verquaster Besprechungen von Künstlern und CDs permanent genötigt ist, Jazz-CDs zu googeln und zu ordern. Das kann teuer werden. Gibt aber ein gerüttelt Maß an zusätzlicher Lebensqualität. Speziell, wenn man das spätabendliche Anhören mit PartnerIn, Katzen und einem gepflegten Single Malt begleitet. Vorbildlich auch die von dem magazin angestoßene und finanzierte CD-Reihe „Jazz thing Next Generation“, eine wahre Fundgrube neuer Talente. Anlesetipp ganz aktuell: ab Seite 16 in der Rubrik ‚Jazz Cooks‘ Dieter Ilgs überaus gaumenschmeichlerische Beschreibung des kulinarischen Aufeinandertreffens von Ulita Knaus und Tim Rodig, unter dem Titel „Die Alphatierchen“.

In diesem Sinne: Ein geruhsames Wochenende und viel Spaß beim Schmökern!

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Eine Antwort zu “Pflichtlektüre im Café”

  1. 28. Februar 2009 um 21:28:26 | Duesenschrieb» Blogarchiv » Lesestoff mit Zündstoff sagt:

    […] halber und weil ich am Wochenende zu faul bin, das Gleiche zweimal zu schreiben, habe ich drüben im Café meine drei Lieblingsmagazine in ihrer jeweils aktuellsten Ausgabe rezensiert. Immer nur Werbung […]

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