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Schokolade

Der ultimative Kaffeetest (2)

Veröffentlicht in Genuss | 29. März 2008 | 17:04:28 | Roland Müller

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Nachdem Kollege Dirk unlängst ganz frech unsere Serie von Kaffeetests gestartet hat und das ausgerechnet auch noch mit einem Jamaican Blue Mountain, wiil ich mich nicht länger zurückhalten. Die vielleicht einzige Kaffeesorte, die einen Blue Mountain zu toppen vermag, ist ein reinsortiger Hawaiianischer Kona. Und um genau den soll es hier gehen. Allerdings, und das ist sicher eine Besonderheit dieses Tests, im Anschluss werde ich die Bezugsquelle auf Hawaii verraten, ein paar Worte zum Eigenimport verlieren und dezent darauf hinweisen, dass dieser rund 50 Prozent billiger kommt als der Einkauf hierzulande – brutto, inklusive aller Nebenkosten!

Hawaii… wie das schon klingt! Wer hört da nicht die Pazifikbrandung rauschen, sieht sich mit einer Blumenkette um den Hals urlaubstrunken über einen menschenleeren weißen Sandstrand lustwandeln, während im Hintergrund die fast bis zum Gipfel bewaldeten Vulkankegel in den Himmel streben. Nun, lassen wir die sehr idealisierten Urlaubsbilder mal beiseite und schauen wir uns an, was es mit dem Kaffeeanbau in diesem Pazifikparadies auf sich hat. Laut der Kaffee Zentrale erfolgt der Anbau an den Hängen der Vulkane Mauna Loa, Hualalei und Mauna Kea im westlichen Kona-Distrikt. Die Anbauflächen des ertragreichen Arabica-Kaffees sind bei idealen Boden- und Klimaverhältnissen vergleichweise beschränkt. Schließlich befinden sie sich auf einer Insel. Ein Großteil des auch hierzulande vermarkteten Kona-Kaffees enthält gerade mal 5 bis 10 Prozent der edlen Südseebohne. Reiner Kona, zumal noch als Lagen-Kona von einer der kleinen, familiengeführten Top-Plantagen, ist in Deutschland entweder gar nicht oder nur zu astronomischen Preisen zu bekommen. Grund genug für die Café Digital Crew, dem Abhilfe zu schaffen…

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Nach sorgfältiger Internet-Recherche haben wir den direkten Kontakt gesucht zu einer der nach Meinung des lokalen Hawaiianischen Kaffeeboards besten Plantagen der Insel: die Huahua-Farm des Ehepaars Clare und Phil Wilson, 10,5 Acres groß, in 300 Metern Höhe bei Holualoa gelegen, bei allerlei lokalen Verkostungen hoch dekoriert und für uns der absolute Geheimtipp für sortenreinen Kona. Wir haben übers Internet zweimal fünf Pfund, zusammen also gut viereinhalb Kilogramm Kona-Bohnen, dunkel geröstet, geordert und per Kreditkarte online bezahlt. Es dauerte wenig mehr als eine Woche, bis der edle Stoff bei uns eintraf…

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Nachdem wir im ersten Durchgang die auf unseren Wunsch sehr dunklen – wir haben die Gelegenheit genutzt, bei der Bestellung auch den Röstgrad festzulegen: dunkel! – kleinen bis mittelgroßen und wie eingefettet glänzenden Kaffeebohnen in das Mahlwerk der Redaktions-Jura eingefüllt hatten, gab es gleich einen ersten Aha-Effekt: Konabohnen sind so fetthaltig, dass sie in einem herkömmlichen Kegelmahlwerk nicht richtig nachrutschen. Sie klumpen zusammen! Also Kommando zurück und die klassische Brühmethode reaktiviert. In einer Bodum-Brühkanne mit kochendem Wasser aufgegossen entwickeln sich sofort regelrechte Duftwolken aus Dampf und Aromen. Wahnsinn! Nachdem der Kaffeeschlamm zu Boden gesunken ist, drücken wir das Brühsieb zum Kannenboden durch und gießen ein: Schwarzer, dampfender Kaffee blubbert in die Tasse und verheißt eines dieser Schlüsselerlebnisse im Kaffeegenießerleben… Keinerlei Säure! Ein kraftvolles, trotzdem feines, herbbitteres Kaffeearoma mit einem vollen, leicht fruchtigen Körper und einem unendlich langen, nussigsüßen Abgang. Mein Gott! Das macht süchtig. Zudem: Bitte niemals, unter keinen Umständen Zucker in diesen Kaffee geben! Das wäre ein Sakrileg. So also schmeckt sortenreiner 100-Prozent-Kona aus einer der besten Lagen der Insel. Mein lieber Dirk, betrachte den wirklich exzellenten Jamaicaner als getoppt! Das hier ist die ultimative Kaffeedroge. Womit wir beim Preis wären… 80 US$ für fünf Pfund, zuzüglich Fracht und Einfuhrumsatzsteuer. Inklusive aller Kosten haben wir für viereinhalb Kilogramm sortenreinen Kona der Spitzenklasse rund 160 EUR bezahlt. Was einem Preis von 17,50 EUR pro Pfund entspricht. Viel Geld für Krönungsopfer, aber immer noch 50 Prozent billiger als das, was bei deutschen Anbietern für Kona geringerer Qualität oder Blends verlangt wird. Was die Lagerung angeht: Einfach die Bohnen in Gefrierbeutel umfüllen und ins Tiefkühlfach damit. So hält sich der edle Stoff viele, viele Monate ohne Aromaverlust. Aloha!

[Bezugsquelle: Huahua Farm, Hawaii, via Online-Store]

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6 Antworten zu “Der ultimative Kaffeetest (2)”

  1. 29. März 2008 um 23:55:09 | claude sagt:

    ich auch bitte.

  2. 02. April 2008 um 19:04:30 | homofaber sagt:

    Hier im schönen Wien haben wir gerade den angeblich teuersten Kaffee der Welt kennengelernt: Kopi-Luwak. Am meisten irritiert hat mich allerdings weniger der Preis des Getränks, sondern die Tatsache, dass eine Maus durch die Küche lief … Und die Geschichte von Kopi-Luwak ist auch mehr eine, die man wohl nur am 1. April senden konnte: http://www.hauptsacheteuer.de/27.11.2007-kopi-luwak-der-teuerste-kaffee-der-welt-12.html

  3. 16. April 2008 um 12:28:47 | Steuerfahndung sagt:

    Vorsicht Deutschland hat eine Kaffeesteuer. Selbst ein paar hundert Gramm Rohkaffeemuster muessen ordentlich beim Zoll angemeldet sein („Sample without commercial value“) ,,,

    Es gab den Fall das Leuts bei Ebay in den NL Kaffee bestellt haben, und dann recht lange später, plötzlich Post vom FA bekommen haben in denen Ihnen Steuerhinterziehung vorgeworfen wurde!

    Aber mal ehrlich der Kaffee oben im Bild schwitzt „wie ein sehr dunkler Espresso-Rost“ ,,, die aetherischen Oele und Fette die an dei Oberflaeche treten werden natuerlich oxidieren, na also ich weiß ja nicht ,,,

    Diese Spezialitätenwelle die D ueberrollt ist vornehmlich Marketing!

  4. 16. April 2008 um 13:21:57 | Roland sagt:

    Danke für den dezenten Hinweis. Aber selbstverständlich ist unsere Kona-Lieferung korrekt verzollt! Und trotz Einfuhrumsatzsteuer, Zoll und Fracht mit rund 13,50 EUR je Pfund preiswert! Wer sich den Zoll sparen will, der importiert einfach grünen, also ungerösteten Kaffee. Der ist nämlich in Deutschland zollfrei! bedeutet aber, dass man selbst rösten muss. Wie und womit das geht, dazu demnächst mehr wo? Genau, hier im Café Digital!

    mit entspannten Grüßen (Roland)

  5. 27. Juni 2008 um 16:40:11 | Frank sagt:

    Auf Grund dieser Beschreibung bin ich einfach mal eurem Rat gefolgt und habe den Kaffee auch bestellt. Als ich gestern anderthalb Stunden auf dem Zollamt verbringen musste habe ich es fast bereut. Aber jetzt… der schmeckt wirklich total gut. Da kann man dann ja keinen anderen Kaffee mehr danach trinken 😉 Vielen Dank für den Tip jedenfalls!

  6. 28. Juni 2008 um 08:41:10 | Roland sagt:

    Hallo Frank,

    vielen Dank fuur die positive Rückmeldung! Ja, stimmt schon, je nachdem, welches Zollamt man bemühen muss, kann der buurokratische prozess schon etwas nervig sein… Aber es lohnt sich! Und das erst recht, wenn man sich anschaut, was ein erstklassiger Kona hierzulande zu kosten pflegt (wenn man ihn überhaupt bekommt). Aber auch der Nachteil ist klar: Für die überwiegende Mehrzahl der Kaffees ist man dann verloren ;-))) In diesem Sinne: Enjoy!

    mit einem freundlichen Aloha: Roland

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