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Schokolade

Minority Report rebooted

Veröffentlicht in Apple & Co, Gadgets, Internet, Technologie | 28. März 2009 | 14:46:59 | Roland Müller

Dass das MIT Media Lab jederzeit für Überraschungen gut ist, sollte sich herumgesprochen haben. Diesmal aber ist es schon verblüffend, was die Fluid Interfaces Group an Amerikas führendem universitären Hightech-Thinktank ausgebrütet hat: Ein Mensch-/Computerinterface, das bis ins Detail an Tom Cruise‘ Arbeitsplatz in dem SF-Thriller Minority Report erinnert…

(©Foto: Pranav Mistry via flickr)

Ist dies ein weiterer und diesmal vielleicht entscheidender Schritt zur augmented reality, dem nicht nur von Frogdesign-Mastermind Mark Rolston angestrebten „Verschwinden“ der Computer aus der physischen Welt? Mag sein. Was allerdings ausgesprochen spannend ist an der Arbeit des MIT-Doktoranden Pranav Mistry, ist die Tatsache, dass die Hardware, aus der er das mobile Gestik-Interface zusammengebaut hat, gerade mal 350 US$ Materialkosten verursacht.

In einem spektakulären YouTube-Video präsentiert Pranav Mistrys alerte Professorin Pattie Maes „Sixth Sense“, wie das Gestikinterface werbewirksam und höchst programmatisch genannt wird, im Einsatz. Anlässlich der alljährlichen Technology, Entertainment, Media Konferenz (TED) in Long Beach. Und auch wenn dies erst ein frühes Labormuster sein mag, faszinieren schon jetzt die Möglichkeiten!

Wo funktioniert das Ganze? Immer und überall. Berührungslos, ohne fest installierte Kamera oder einen stationären Rechner. Auf praktisch jeder Projektionsfläche. Inklusive der eigenen Hand, dort beispielsweise mit der Funktionalität eines Telefons…

Wie funktioniert das Ganze? Erschreckend einfach. Mittels der intelligenten Verknüpfung von Miniatur-Beamer, Webcam und einem Mobilrechner, auf dem das eigentliche Herz der Idee arbeitet: eine leistungsfähige Bildverarbeitungssoftware, vollgestopft mit Algorithmen zur Interpretation der Gesten, dem Entschlüsseln von Barcodes und dem Erkennen von Objekten. Gesteuert mittels vier farbigen Fingerhütchen aus Kunststoff auf den Fingerkuppen des Benuzters, die die Webcam erkennen lassen, wo welche Geste gemacht wird. Das Ergebnis: Eine vollständige Überlagerung von realer und virtueller Welt an nahezu jedem beliebigen Ort.

Beispielsweise auf einem entsprechend codierten Flugticket, auf das nach entsprechender Geste die aktuelle Verspätung des gebuchten Fluges projiziert wird.

Oder, aus das eine spannennde Anwendung, auf der Sportseite der Tageszeitung, auf die nach Erkennen des Codes ein Video des Fußballspiels projiziert wird, an dem man Interesse hat. Die Anwendungsmöglichkeiten scheinen schier endlos zu sein, um auf diesem Weg Realität und virtuelle Informationen ineinander zu überlagern und miteinander zu verknüpfen. Es müsste sich nur ein potentes Unternehmen finden, das diesen Ansatz aufgreift und serienfähig macht. Na, und wer kommt uns da zu allererst in den Sinn?

Klar! Vielleicht hat ja Apple den „Sixth Sense“, Mistrys geniales Interface in die Apple-Welt zu übertragen? Die Chance dazu könnte sich schon bald bieten. Denn erfahrungsgemäß wagen die meisten der jungen MIT-Abgänger frühzeitig den Sprung in die Selbstständigkeit – auch wenn Mistry in diesem Interview noch keine Hinweise darauf gibt…

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