Kamera
Schokolade

Hofberichterstattung in Afghanistan und die Mona Lisa

Veröffentlicht in Medien, Politik | 15. August 2008 | 13:31:10 | Dirk Kirchberg

Fährt ein Minister ins Ausland, zudem ins kriegerische Ausland, reisen natürlich auch gern Journalisten mit. Schließlich wartet meist eine prächtige Geschichte auf den Vertreter der reportierenden Zunft. Ob das dann alles so stimmt, was da berichtet wird, spielt keine größere Rolle. Denn was schnell und oberflächlich recherchiert und berichtet wird, ist eben auch schnell komsumiert und verdaut.

Wer meint, nur die Amerikaner würden sich auf solche Auftritte verstehen, bei denen ein Senator in den Irak fährt, dort über einen Markt spaziert und hinterher rühmt, wie friedlich alles sei, dabei aber vergisst, die zwei Dutzend Schärfschützen und die Handvoll Black Hawks zu erwähnen, die die gesamte Szenerie abgesichert haben, der irrt. Denn auch Deutschland beherrscht diese Disziplin der Bilderproduktion für die Heimatfront, an der es zu überzeugen gilt. Denn sonst versiegen ganz schnell die Geldquellen, die so wichtig sind, um diesen Krieg, und bestehe er auch nur aus Propaganda, zu gewinnen.

Unser Außenminister, Frank-Walter Steinmeier, reiste kürzlich nach Afghanistan inklusive Pressetross, weihte eine Trinkwasseranlage ein, die seit sechs Jahren in Betrieb ist, eröffnete eine Armeeschule, die ebenfalls seit sechs Jahren in Betrieb ist und schon viermal eröffnet wurde, und präsentiert ein Sanierungsprogramm, das Teile einer sonst zerfallenden Altstadt wieder aufbauen soll.

Und was macht die versammelte Journaille? Sie fragt nicht weiter nach, frisst, was ihr hingeworfen wird und freut sich über starke Bilder und höhere Auflagen bzw. Einschaltquoten. Bill Gates sagte einmal prophetisch: »Wer die Bilder beherrscht, beherrscht die Köpfe.« Jener gründete Corbis und kaufte die digitalen Bildrechte der Mona Lisa und spielt sich jetzt als Retter der Menschheit auf.

Und was lernen wir daraus? Krieg ist nicht immer nur da, wo Männer in Flecktarn rumrennen, sondern auch da, wo die Wahrheit verdreht und benutzt wird.

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