Genießt die Zeit!
Veröffentlicht in Genuss, Gesellschaft, Kultur | 24. Dezember 2007 | 22:36:19 | Roland Müller
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Sie werden rarer in der immer kommerzielleren deutschen Medienlandschaft, aber es gibt sie noch, die sogenannten Alpha-Journalisten. Stefan Aust, 13 Jahre lang Augstein-geadelter, designierter Chefredakteur des Spiegel, zählt unbestritten dazu. Seit gestern ist in seinem Fall – wobei Fall durchaus wörtlich zu nehmen ist – in der Vergangenheitsform zu berichten. Denn unter großem Mediengetöse hat ihm die traditionell die Spiegelgeschicke mitbestimmende Mitarbeiter KG einvernehmlich das Vertrauen entzogen. Dass dies ausgerechnet in seiner urlaubsbedingten Abwesenheit vom Arbeitsplatz geschehen ist, kann man nicht als allerbesten Stil interpretieren. Bei aller sicher berechtigten Kritik an seinem Führungsstil und der von ihm forcierten Umpositionierung des Spiegel im seit Focus wesentlich härter gewordenen Markt der meinungsprägenden politischen Magazine sollten gewisse Spielregeln doch eingehalten werden, finde ich. Sei es, wie es sei, er hat es geschafft, die Auflage des Spiegel über der magischen Einmillionenschwelle zu halten, auch wenn er dazu inhaltliche Kompromisse eingegangen ist. Es wird spannend sein, zu beobachten, wer seine Nachfolge antreten wird und auf wessen Betreiben er oder sie in Austs Fußstapfen treten wird, um die „frischen Ideen“ zu liefern, an denen es den Betreibern seines Abgangs zu mangeln schien. Sollte, wie hier und da kolportiert wird, Mathias Müller von Blumencron, der alerte Chef von Spiegel Online, auf den verwaisten Chefredakteurssessel gehievt werden, wäre dies zumindest etwas Neues. Denn damit würde meines Wissens erstmals ein „Onliner“ die Marschrichtung eines großen, klassischen Printmediums übernehmen. Allerdings einer von einiger Ambivalenz…
(©Foto ausschnittsweise: spiegelgruppe.de)
Nachtrag: Wer sich einen schnellen Überblick auf die Kollegen-Kommentare zum Aust-Abgang verschaffen will, klickt sich durch die hier im Café Digital traditionell ausliegenden Zeitungen, in der alle zu Worte kommen – FAZ, taz, Tagesspiegel, Die Presse, W&V, Netzeitung, Süddeutsche, Financial Times, Frankfurter Rundschau, Der Standard, Hamburger Abendblatt, Berliner Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, NZZ, RP, Welt, Horizont…
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Nachdem die Mehrzahl meiner Bekannten und Freunde sich höchstpersönlich am 9. November zum nächstgelegenen T-Mobile-Shop begeben haben, war ich ein wenig fauler und habe mein iPhone online bestellt. Zugegebenermaßen eingedenk früherer Erfahrungen mit dem Magentamonster mit einem gewissen Unwohlsein bezüglich zügiger Auslieferung. Aber auch ein Verschleppen des Versands hätte ja durchaus eine reizvolle Geschichte fürs Café Digital ergeben, keine Frage. Stattdessen jedoch kann ich hier nur vermelden, dass die Mannen des neuen Maybrit-Illner-Schwarms René „Dobermann“ Obermann tatsächlich ihre Aufträge zügig abgearbeitet haben. Vielleicht ja, weil die Lawine nur ein Lawinchen war? Würde mich nicht wundern. Man weiß ja, dass der deutsche Konsument voll des Misstrauens ist gegenüber jedweder Neuerung, insbesondere wenn diese sonstwo auf der Welt Technikbegeisterung auszulösen vermag, igitt! Wie auch immer, ich erfreue mich noch voller 24 Stunden Vorfreude (*grins*).
Nachtrag: Nachdem mich die DHL-Lieferung nicht angetroffen hatte, bestellte ich für den Folgetag eine Zweitauslieferung. Die hat auch tatsächlich geklappt. Nach langwierigem procedere an der Haustür (Identitätsnachweis, insgesamt fünf Unterschriften…) hatte ich endlich das Apfelstückchen in den zittrigen Händen. Womit aber das weitere Warten leider noch kein Ende hatte. Denn nun galt es (laut beiliegendem T-Mobile-Schrieb) bis zu 24 Stunden zu warten auf die immerhin automatische Freischaltung der mitgelieferten SIM-Karte. Sobald die Karte dann freigeschaltet ist, kann das schon bekannte Aktivierungsverfahren im iTunes Store stattfinden. Allerdings: Meine persönliche T-Mobile-Rufnummer wird mir eh erst später, zusammen mit dem postalischen Begrüßungsschreiben, anvertraut. Mann, Warten aufs Christkind ist da ja nichts dagegen!
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Immer wieder jammern die großen Kaufhäuser, ihnen würden die Kunden ausgehen. Diese würden viel lieber in riesige Malls am Stadtrand fahren, wenn sie nicht gleich alles, was sie brauchen, über das Internet bestellen. Woran das liegt? Vielleicht sollten die Damen und Herren Jammerlappen einfach mal wochentags kurz nach 18 Uhr ihre eigenen Kaufhäuser besuchen und versuchen, einen so genannten Fachverkäufer zu finden.
Vor ein paar Tagen hatte ich in einem PR-Machwerk, das sich Magazin nennt, eine Anzeige eines großen hannoverschen Kaufhauses entdeckt, das sich damit rühmte, gerade erst die hauseigene Golfabteilung auf 255 Quadratmeter erweitert zu haben. Und der Geschäftsführer klotzte: „Golf ist eine Stärke unseres Hauses.“
Da ich dieser Tage mit dem Spiel rund um den mickrigen weißen Ball (wieder) begonnen habe, wollte ich mir mal die ganzen Gimmicks anschauen, von denen viele Golfer glauben, sie bräuchten sie unbedingt, um ihr Spiel zu verbessern.
Und so stand ich vorgestern Abend in jener auf 255 Quadratmetern erweiterten Golf-Abteilung und fühlte mich, so wie sich Cowboys vor 100 Jahren in der Prärie gefühlt haben müssen: Allein, sehr allein – denn weit und breit war kein Verkäufer zu entdecken.

Nach einer grob geschätzten Viertelstunde, in denen ich mich über Ballsammelröhren und batteriebetriebene Caddies sowie Plastikarmbänder allergenfreie Silikonarmbänder, die laut Hersteller in einem aufwendigen Prozess mit karbonisiertem Titan, Turmalin und Keramik angereicht wurden und nun die Balance des körpereigenen Ionen-Haushalts regulieren sollen, amüsierte, fragte mich die für die Golfbekleidung zuständige Dame, ob sie mir denn helfen könne.
Ich erläuterte ihr, dass ich mich nach Eisensätzen für Linkshänder erkundigen wolle, worauf sie sofort einwarf, sie kenne sich nicht aus und der Kollege aus der Schlägerabteilung habe auch schon Feierabend gemacht. Sie wolle aber mal schauen, ob sie noch jemanden finde, der mir helfen könne.
Sprach’s und verschwand für weitere 10 Minuten.
Ein sehr erschöpft aussehender Verkäufer kam endlich gemächlichen Schrittes auf mich zu, stellte sich als Abteilungsleiter vor, klagte mir sein Leid, dass ein Mitarbeiter krank sei, ein weiterer im Urlaub und der zuständige bereits nach Hause gegangen, und er selbst habe gar keine Ahnung von Golf. Ich möge doch dieser Tage wiederkommen.
Ein ähnliches Szenario wurde von meiner Freundin auf der Suche nach einer Jogginghose erlebt. Folgender Dialog entfaltete sich:
Verkäuferin: „Wofür brauchen Sie die Hose denn?“
Suchende: „Für’s Joggen.“
Verkäuferin: „Also so richtig laufen?“
Suchende: „Genau, für’s Laufen.“
Verkäuferin: „Dann sind Sie hier falsch. Hier ist der Fitness-Bereich. Sie müssen ins Erdgeschoss zu den Fußball- und Basketballsachen. Da gibt’s auch Jogginghosen.“
Und die Moral von der Geschicht‘? Fachverkäufer gibt es nicht!
Was so natürlich nicht ganz stimmt. Es gibt sie nur nicht mehr in diesen überproportionierten Megakaufhäusern, die vom krokodilledernen Taschenkalender über den Hackblock aus kanadischer Eiche bis zur Multifunktions-Golfsocke alles bereithalten – nur eben keine Fachverkäufer, und das schon gar nicht nach 18 Uhr!
Ich gehe mittlerweile immer lieber und häufiger in die kleinen Spezialgeschäfte, die mir vielleicht nicht den günstigsten Preis machen können, mich dafür aber wirklich beraten. Denn letztlich sind wir doch alle nur Suchende, die auch mal endlich etwas finden wollen…