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Lumix Fotofestival: Multimediales Storytelling

Veröffentlicht in Fotografie, Medien, Technologie | 19. Juni 2010 | 10:36:50 | Dirk Kirchberg

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Auf dem Lumix Fotofestival in Hannover sind nicht nur 1400 Fotos von 60 Fotografen aus aller Welt zu sehen, sondern auch 21 Multimedia-Produktionen, also Geschichten, die aus Fotos, Videos, aufgenommenen O-Tönen und Animationen bestehen. Ein neue Ausdrucksform scheint sich ihren Weg zu bahnen. Aber was kann Multimedia, wie funktioniert diese neue Form der Reportage – und wer bezahlt dafür? 7_panel Diese Fragen wollten Michael Hauri, Foto-Absolvent der FH Hannover, und Mitbegründer der Multimediaproduktionsfirma 2470media, der Medienjournalist Klaus Jarchow, der Multimediajournalist Matthias Eberl, Robert Wenkemann von FAZ.net und der freie Fotojournalist Uwe Martin, der mit Kollegen den gemeinnützigen Verein Spill the Beans für die Präsentation und Förderung von Multimedia gegründet hat, erörtern.

Das erste und wahrscheinlich das technisch derzeit virulenteste Problem sahen alle Diskussionsteilnehmer in der Darstellung multimedialer Projekte in der vom Software-Hersteller entwickelten Flash-Technologie. Diese sei zwar aus gestalterischen Gründen eine gute Wahl, lasse aber eine Indizierung durch Suchmaschinen wie Google nicht zu. Außerdem werde Flash auf dem von der Verlagswelt gepriesenen Tablet-PC namens iPad von Apple nicht dargestellt. Sinnvoller und besser vermarktbar wäre der Umstieg auf ein Filmformat wie das derzeit sehr beliebte Mpeg4.

8_eberlDas iPad als erstes Kind einer neuen Generation von Tablet-PCs sahen alle Teilnehmer als revolutionär an. „Fotos müssen nicht mehr durch Druck haptisch werden, sondern bleiben digital, sind so austauschbarer und können zudem auch animiert werden“, sagte Wenkemann. Wie aber sollte diese neue Erzählform im Netz präsentiert werden, fragten sich die Diskussionsteilnehmer. Große, zeitaufwendige und kostenspielige Produktionen seien nicht unbedingt nötig, sagte Robert Wenkemann. „Wir schnüren lieber kleine Päckchen und bieten diese mundgerecht an.“ Man gönne sich multimedial erzählte Geschichten, schließlich erzeuge so etwas Aufmerksamkeit.

Eberl, der für eine seiner Audio-Slideshows über eine Münchner Bar mit dem Reporterforum-Preis ausgezeichnet wurde und als Pionier dieser neuen Spielart in Deutschland gilt, stapelte tief: „Ich experimentiere selbst noch viel.“ Auch er habe das Medium zuerst nicht ernst genommen, dann aber schnell erfahren, wie vielschichtig man Geschichten plötzlich erzählen könne. „Die Audio-Slideshow wird in einigen Jahren gleichberechtigt neben der Textreportage und dem Videobeitrag stehen.“

Michael Hauri merkte an, dass zwar durch die multimediale Produktion der Stress steige, aber auch das Ergebnis sei so deutlich mannigfaltiger. „Ich kann mich so an Geschichten herantrauen, die fotografisch allein nicht funktioniert hätten, mit Video dagegen plötzlich wunderbar erzählt werden können.“ Dafür müsse man aber alle Medienarten – Bild, Text, Audio, Video – verstehen und wissen, wann man am besten welche einsetzen soll.

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Ein Problem bestünde derzeit aber in der Vermarktung. „Wir kaufen nichts an“, sagte Wenkemann von FAZ.net, „das tut mir furchtbar leid.“ Dafür habe man derzeit einfach kein Geld. Pro Woche produziere die Redaktion eine Audio-Slideshow, diese werde aber von festangestellten Fotografen erstellt. 4_display3 Klaus Jarchow verwies auf die Vorteile des Internets, in dem man als Produzent von Inhalten keinen Verleger mehr brauche, um Aufmerksamkeit zu generieren. „Die Verlage sind in Gefahr, gegen das Internet zu verlieren.“ Als Beispiel dafür, wie zukünftige Finanzierungsmodelle aussehen könnten, erklärte Hauri, dessen Firma im Vorfeld zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika fünf multimediale Stücke über Fußball in Afrika produziert und dann an den Deutschen Fußball-Bund lizensiert hat.

Zwar bleibe die Vermischung von PR und Journalismus weiterhin ein Problemfall wegen möglicher Einflussnahme von Auftraggebern auf redaktionelle Inhalte. In diesem Falle aber hätte der Auftraggeber sich nie eingemischt. Hauri gab den Kritikern recht, fügte aber auch hinzu: „Was willst Du derzeit machen?“

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