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Schokolade

rp08.2: Buzzwords und eingeschlafene Füße

Veröffentlicht in Gesellschaft, Internet, Medien, Technologie | 04. April 2008 | 09:34:49 | Dirk Kirchberg

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Während ich am Mittwoch Abend schön artig früh ins Bett gegangen bin, um am Donnerstag fit zu sein, feierte Sascha Lobo eine Twitter-Follower-Party in seiner Wohnung. Als er dann am nächsten Morgen auf dem Panel zum Thema „Mit Blogs Geld verdienen: Reloaded“ erschien, wirkte er ein wenig lethargisch, so, als habe er höchstens zwei Stunden Schlaf bekommen. Der Iro stand trotzdem wie eine eins.

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Mit Robert Basic saß Deutschlands Blogger Nr. 1 mit auf der Bühne. Dieser gab durchgehend das enfant terrible mit einer ziemlich selbstgerechneten Note und motzte über dies und das. Einzige wichtige Info, die ich von diesem Schauspiel mitgenommen habe: Basic verdient mit seinem Blog zwischen 3.000 und 3.500 Euro pro Monat.

Die Diskussion explodierte, nachdem sich Basic und Lobo gegenseitig ihrer Abneigung versichert hatten. Fast-O-Ton Lobo: „Er hasst mich, ich finde seine Einträge ätzend.“ Und schon war Stimmung in der Scheune!

Nächstes heißes Eisen, das die Gemüter anpeitschte: adical, das Unternehmen, das Lobo zusammen mit den SpreeBlick-Betreibern vor rund einem Jahr gegründet hat, weil „es so ein Unternehmen geben muss“, weil sich gute Blogs ihrer Meinung nach finanzieren können sollten. Zu Recht, wie ich finde. Allerdings erinnerte mich Lobos Reaktion auf Kritik an ein trotziges Kind, das zum ersten Mal auf dem Schulhof erlebt hat, dass das Leben kein Rosengarten ist. Sachlich ging es darum, dass adical nach dem Yahoo-Hickhack seit rund einem dreiviertel Jahr einfach nichts nach außen kommunizierte. Und das von einigen der prominentesten A-Blogger. Tja, aber daran sieht man mal, was aus Rebellen wird, wenn sie selbst zu Unternehmer mutieren. Und es ging um TKP, aber das kann uns mal bitte jemand erklären, der sich damit auskennt. Ich habe es nur ansatzweise verstanden. Aber wir haben hier ja auch keine Werbung…

Auch wenn hier in Berlin einige der A-Blogger zugegen sind, so fällt der Promifaktor doch eher mickrig aus. So turnt hier zum Beispiel Nils Bokelberg rum. Ja, genau, der Typ, der im letzten Jahrhundert bei Viva den Klassenclown gab. Und nun? Irgendwer erzählte mir, dass Bokelberg nun bei einem Filmblog mitschreibt. Von Viva zum Filmkritiker – das nenne ich mal einen Weg. Wie gelesen habe, moderiert er nun auch im Internet. Das musste ja kommen.

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Peter Sunde von thepiratebay.org allerdings riss den Groupie-Faktor massiv in die Höhe. Denn nach seinem Vortrag wurde er umstellt, geekisch angelächelt und ausgefragt. Fehlte eigentlich nur noch, dass er Autogramme auf Laptops und Mäuse hätte schreiben müssen…

Insgesamt empfand ich den Mittwoch eher als Brückentag. Die Vorträge plätscherten so dahin. Kein Thema konnte mich so richtig fesseln. Vielleicht lag es aber auch an mir, da ich unbedingt den Freitag herbeiwünschte, denn dann steht endlich die Video-Subkonferenz an.

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Die Mittagspause verbrachte ich mit anderen Teilnehmern in einer angesagten Gaststätte, dem St. Oberholz. Das Essen, Pasta mit Lauch und Champignons, war so lala. Der Vorteil der Location ist der komplett freie und kostenlose WLAN-Zugang. Und wenn die eine oder Seite doch mal länger lädt, kann man einfach die anderen Besucher beobachten. Mir wurde gesagt, hier würden einige Promis regelmäßig aufschlagen, wie etwa „Cosma“. Ich dachte, dabei würde es sich um Cosma Shiva Hagen handeln, wurde aber eines Besseren belehrt. Denn hier geht es um Kosmar, der im echten Leben Markus Angermeier heißt und mir als Twitter-Gott beschrieben wurde. Sehr buzzig, wie ich finde.

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Überhaupt ist Berlin superbuzzig. Hip sein, MacBook Air dabei haben, oder zumindest ein iPhone scheint Pflicht. Und wer nicht twittert, wird sowieso schief angeschaut. Beim Mittagessen erklärte mir Alexander Broy vom Blog Schundroman, warum ich nicht twittere. Ich schaue nämlich auch keine Soaps. Und Twitter wäre nichts anderes als eine Soap. Ein passender Vergleich, wie ich finde. Damit habe ich für mich dann auch abschließend geklärt, dass der Twitter-Hype ohne mich auskommen muss.

Und nun zum Schluss ein Verkostungsbericht des wohl überschätzten Getränks dieser re:publica. Das Zeug findet hier in der Kalkscheune reißenden Absatz. Nein, es geht nicht um Bionade, sondern um Club Mate. Ein Blogger, den ich fragte, wie das bernsteinfarbene Gesöff denn schmecke, antwortete nur: „Speziell.“

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Im Selbstversuch kam ich zu folgendem Ergebnis: Der erste Eindruck erinnerte an Ginger Ale. Doch anstatt der leichten Schärfe, die mit der Süße bei Ginger Ale einhergeht, folgt beim Club Mate im Abgang ein Geschmack, den ich als Mischung aus abgestandener Apfelschorle und eingeschlafenen Füße beschreiben würde.

Ich habe die Flasche zwar ausgetrunken, mein Magen nimmt mir aber das immer noch übel… Stay tuned!

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4 Antworten zu “rp08.2: Buzzwords und eingeschlafene Füße”

  1. 05. April 2008 um 12:31:16 | claude sagt:

    Ich denke mir, daß hat mit dem Mate-Tee zu tun.
    Mein kleiner Bruder hat seinerzeit von einer Konzertreise in Südamerika die Utensilien und 1kg von dem Zeug mitgebracht.
    Es wurden vielleicht 3 x Tees gekocht.
    Gerade, wenn Du so einen gediegenen Geschmack hast, (siehe auch Kaffeeeinträge) war das sehr mutig von Dir.
    Ich möchte gerne auch mal hippen Sch… teuer verkaufen.

    Bis Morgen

    Claude

  2. 05. April 2008 um 18:46:43 | kosmar sagt:

    total buzzig.

  3. 06. April 2008 um 16:29:44 | dan sagt:

    ach kinners, club-mate ist doch schon ewig dabei (in Berlin -> CCC-Kongresse)… mittlerweile auch in ganz deutschland,w eil sich wohl in den letzten jahren auch die vertriebswege in ein 2.0 verwandelt haben …

  4. 15. April 2008 um 08:32:04 | endor sagt:

    hm, also mir schmeckts 🙂

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