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Schokolade

Frankfurter Buchmesse 2012 – ein erster Rundgang

Veröffentlicht in Kultur, Kunst, Literatur, Medien | 11. Oktober 2012 | 19:07:26 | Roland Müller

BM01_Eingang

Erster Fachbesuchertag. Wir machen uns auf den Weg zu unserer nunmehr 5. Buchmesse, über die wir im digitalen Café Bericht erstatten. Immerhin. Und natürlich hoffen wir wieder, dass unsere geneigten Leser es goutieren, wenn wir ihnen als Auge und Ohr auf diesem Weltjahrmarkt der literarischen Eitelkeiten dienen. Diesmal, so viel steht jetzt schon fest, werden wir mehr Lesetipps liefern als in den vergangenen Jahren. Und nicht immer werden diese Tipps mit den gängigen Bestsellerlisten kompatibel sein. Eigentlich sogar so gut wie nie. Lol. Auf geht’s!

BM02_Gewimmel

Unser Besuch beginnt wie immer: mit einem Gewimmel lese- und literaturbegeisterter

Besucher. Auch wenn am ersten offiziellen Messetag der Trubel zum Glück noch

überschaubar ist und die Entspanntheit an den Ständen der Verlage entsprechend

groß. Wir wissen, dass sich das gegen Ende des Messemarathons deutlich geändert

haben wird.

BM03_Videomann

Die ersten Videoteams haben bereits Stellung bezogen. Hier am Stand des Kochbuch-

giganten Gräfe + Unzer. Wahrscheinlich soll wieder einer der Sterneköche auftreten

und promotet werden. Naja, wer kann schon von Gastronomie alleine überleben…

BM04_Diogenes

Wir schlendern durch Halle 3.0 und stöbern ein wenig am Stand eines unserer

Lieblingsverlage, Diogenes.

BM05_Follet+Matt

Ein paar Meter weiter amüsieren wir uns über die gewollten oder ungewollten

Treppenwitze der Verlagspräsentationen. Ken Follett meets Lothar Matthäus – zwei

Titanen des Wortes treffen aufeinander, ähem…

BM06_JKRowling

Im Vorfeld der Messe heftig und ambivalent dikutiert, Joanne K. Rowlings mutiger

oder tollkühner Genrewechsel nach dem Millionenspektakel um Harry Potter.

Wird ihr neues Werk „Ein plötzlicher Todesfall“ zu ihrem eigenen literarischen

Todesfall – bedenkt man die medial hochgeschraubten Erwartungen des Marktes?

Der Spiegel hat da seine Meinung. Warten wir’s ab.

BM07_BooksonD

Was uns bereits an diesem ersten Tag auffällt, ist die explosionsartige Zunahme an

Book-on-demand Anbietern. Verlage wie bod, die Schreibwilligen anbieten, ihre

Manuskripte zu Büchern zu verarbeiten und zu veröffentlichen. Ein Geschäftskonzept,

das sich offenbar etabliert hat. Nun, wenn’s dem Ego dient, darf’s dem Anbieter auch

nützen…

BM07_Dickens

Da halten wir uns vorerst lieber an einen der wirklichen Klassiker, nun (endlich)

neu übersetzt und rundum lesenswert – unser erster Buchmesse-Lesetipp:

Charles Dickens‘ „Große Erwartungen“. erschienen im Carl Hanser Verlag,

München 2011, ISBN 9783446237605. Gebunden, 832 Seiten, 34,90 EUR.

Und ja, wir sind mindestens so begeistert wie Frau Radisch.

BM08_GeorgeMartin1

Ein paar Stände weiter stoppt uns ein übermannsgroßes Plakat. George R. R. Martins

Fantasy-Saga um den Eisenthron. Was ein wenig reißerisch daher kommt, ist in der

Tat ein Epos in der Gewichtsklasse von Tolkiens Ring-Trilogie. Und nach einem

ersten Anlesen gehen wir sogar so weit, zu behaupten, dass George R. R. Martin

das Vorbild womöglich sogar übertrifft. Auch wenn sich das hierzulande noch nicht

wirklich herumgesprochen hat. Vielleicht weil der Mann mit der mittelalterlichen

Attitüde ausgerechnet ein Amerikaner ist?

BM09_GeorgeMartin2

Und fleißig ist er allemal: 10 Bände der Saga „Das Lied von Eis und Feuer“ sind

bereits auf Deutsch erschienen und gehören eigentlich in jede gut sortierte Genre-

Bibliothek. Erschienen bei Blanvalet, ursprünglich Bantam, New York 1996. Aus dem

Amerikanischen von Jörg Ingwersen. Paperback, Klappenbroschur, 576 Seiten.

ISBN: 978-3-442-26774-3. Je € 15,00.

Genau, das ist unser zweiter Buchmesse-Lesetipp!

BM09_Heidenreich_Bertelsmann

Einen Gang weiter, bei Bertelsmann, treffen wir wie alle Jahre wieder Elke Heidenreich,

ins Gespräch vertieft. Keine Ahnung, was sie mit den Bertelsmännern gerade bespricht.

Erwähnenswert scheint uns aber zu sein, dass sie für Random House Audio eine kleine,

aber feine Auswahl der Erzählungen der neuseeländischen Autorin Katherine Mansfield

gesprochen und auf Audio-CD gebrannt hat: ISBN 978-3-8371-1610-6. ca. 9,99 €.

Weltliteratur und unbedingt hörenswert!

BM11_H+CLiteraturnetz

Apropos Weltliteratur. Dankenswerterweise gibt uns Hoffmann und Campe mit seinem

Literaturnetz einen hilfreichen Netzfahrplan, was man denn so als gebildeter

Wohlstandsbürger an Weltliteratur gelesen haben sollte. Hier nochmal

in ganz großer Abbildung zur individuellen Planung der Hausbibliothek.

Wir sind gebührend beeindruckt.

BM12_HanserFrayn

Derweil besuchen wir einen anderen unserer Lieblingsverlage – Hanser – und erfreuen

uns an einem weiteren, dem dritten Buchmesse Lesetipp: „Willkommen auf Skyos“

von Michael Frayn liegt endlich auf Deutsch vor und erschließt uns typisch britisch-

abgründigen Humor. Erschienen im Hanser Verlag, ISBN 978-3-446-23976-0.

17,90 €. Soll mal einer sagen, zum Thema Griechenland gäbe es nichts mehr

zu lachen.

BM13_Grillgewinn

Griechenland, da denkt man unwillkürlich an Sonne und Strand, Grillfeste in der

Abendsonne… Kein Wunder, dass uns im nächsten Gang die Gelegenheit, einen

Luxusgasgrill für die herrschaftliche Terrasse zu gewinnen, entzückt. Naja, nicht

wirklich. Aber auch eine Buchmesse muss ja ihre kleinen Skurrilitäten ausleben,

meist in Form mehr oder weniger origineller Promotions. Das hier ist sicher eine davon.

BM14_LuchterhandPopovic

Bevor uns der Appetit auf Mehr übermannt, gönnen wir uns aber dann doch noch

unseren vierten Buchmesse Lesetipp – eine Story, wie sie schwärzer und

abgründiger kaum sein könnte. In „Der Aufstand der Ungenießbaren“ schildert

uns der geniale Kroate Edo PopoviÄ eine nahe Zukunft, wie wir sie uns ganz gewiss

nicht wünschen. Ein klasse Buch! In deutscher Erstausgabe erschienen im

Luchterhand Literaturverlag, Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 192 Seiten,

ISBN: 978-3-630-87357-2. 17,99 €.

BM15_Indienkochbuch

Nachdem uns auf dem weiteren Rundgang so langsam mittäglicher Appetit beschleicht,

wollen wir wenigstens auf ein einziges Kochbuch hinweisen, das uns heute beeindruckt

hat. Nein, kein Nebenerwerbs-Machwerk irgendeines Sternekochs, sondern ein echtes

Standardwerk für ambitionierte Hobbyisten mit einem Faible für indische Küche, die

wirkliche indische Küche: „Indien – das Kochbuch“, ursprünglich erschienen im

Phaidon Verlag, hierzulande publiziert vom Edel Verlag, rund 1000 Rezepte auf

815 Seiten, ISBN 9783841901606, 39,95 €

BM16_dvaHorvath

Unseren literarischen Appetit vermag ein Kochbuch natürlich nicht zu stillen. Deshalb

gönnen wir uns als fünften Buchmesse Lesetipp Martin Horvaths österreichisch-

schräges „Mohr im Hemd“. Was dann für kulinarisch Eingeweihte doch wieder

eine Anspielung enthält. Erschienen bei DVA, gebunden mit Schutzumschlag, 352

abgründige Seiten, ISBN: 978-3-421-04547-8. 19,99 €.

BM17_WolfHaas

Und weil’s so schön österreichisch war, schieben wir gerade noch unseren sechsten

Buchmesse-Lesetipp hinterher: Wolfgang Haas‘ „Verteidigung der

Missionarsstellung“ – was für ein Titel! – ebenfalls bei unserem beliebten

alpenländischen Nachbarn entstanden und ein weiteres Lesevergnügen für alle, die mit

solchem Schmäh etwas anzufangen verstehen.

BM18_Vorwaerts

Nun besteht die Frankfurter Buchmesse natürlich nicht nur aus Belletristik. Insbesondere

am Vorwärts Stand spielt Politik traditionell die große Rolle. Wir lauschen für eine Weile,

was Herausgeber Klaus Schönhoven und Bernd Faulenbach zur Neuerscheinung

„Willy Brandt. Im Zweifel für die Freiheit – Reden zur sozialdemokratischen

und deutschen Geschichte“ Zu sagen haben. Ein wichtiges, aber kein leichtgewichtiges

Stück jüngerer Zeitgeschichte und wohl deshalb auch der FAZ einen Kommentar wert.

BM19_Kinderbuchstar

Wie wir so dahin schlendern, getrieben vom Zufall und offen für alles, was uns zu Ohren

und Augen kommt, fällt uns ganz am Rande auf, dass die Autoren wohl immer jünger

werden und ganz offensichtlich noch ein wenig mit ihrer plötzlichen Popularität zu

kämpfen haben. zumindest am Stand des Carlsen Verlages. Aber vielleicht ist das ja

nur eine Beobachtung am Rande…

BM20_Comedian

Zumal selbst TV-erfahrene Comedians mitunter ratlos vor den Mikrofonen hocken…

BM21_NuzziPapst

Gar nicht ratlos hingegen war wohl Signore Gianluigi Nuzzi, als er umzugskartonweise

interne Botschaften und Korrespondenzen seiner vorgesetzten Heiligkeit auswertete und

in die geneigte Öffentlichkeit „leakte“. Spannend sind die Inhalte womöglich schon, zeigen

sie doch, dass es im Vatikan zugeht wie in jedem anderen multinationalen Konzern.

Zum Lesetipp reicht’s aber trotzdem nicht.

BM22_Jobs1

Auf dem Weg zur Heiligkeit befindet sich ganz offensichtlich auch der viel zu früh

verschiedene Steve Jobs. Wir amüsieren uns als langjährige und immer noch eingefleischte

Apple-User über die Graphic Novel „Steves Welt“ von Caleb Melby, erschienen bei

Hoffmann und Campe, wobei der Originaltitel der US-Ausgabe ‚The Zen of Steve Jobs‘

dem Thema wohl noch angemessener ist.

BM23_Jobs2

Und fast hätten wir es vergessen zu erwähnen: Das ist selbstverständlich unser

siebter Buchmesse-Lesetipp!

BM24out_Hobbit

Soviel Heiligkeit treibt uns dann doch aus der Halle und in die glasklare, kühle Herbstluft

draußen. Dass uns da prompt eine Megawerbung für den neuesten Kinohit „Der Hobbit“

erwartet, nun ja, sei’s drum. Eigentlich zieht es uns viel mehr zu einer ganz anderen

Location…

BM25out_MoschMosch

…Nämlich zu MoschMosch! Unserer bescheidenen Meinung nach die mit Abstand beste

Verpflegungsadresse auf dem Messegelände zu Buchmesse-Zeiten – ein kleiner Ableger

der unter Insidern gerühmten japanische Nudelküche gleichen Namens in der City.

Deshalb unser den heutigen Rundgang abschließender nicht Lese- sondern Genusstipp.

Enjoy!

Wir melden uns dann am Samstag wieder mit dem nächsten umfangreiche Beitrag

von der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Stay tuned!

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