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Archiv für die Kategorie ‘Gesellschaft’

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Heute in der Paulskirche…

Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik | 09. November 2014 | 23:37:16 | Roland Müller

NeunterNovember

Es ist wieder so weit. Ganz Deutschland jubelt. Lauthals, voller Emphase und voller Begeisterung über die eine unblutige deutsche Revolution, die – nein, nicht wir! – unsere ostdeutschen Landsleute vollbracht haben. Ohne Zweifel ein Ereignis von historischer Tragweite. Und doch… ganz schleichend gerät vor der auch in den Medien plakativ inszenierten Wiedervereinigung die Tatsache ins Hintertreffen, dass eben dieser 9. November nicht nur anno 1989 Geschichte geschrieben hat. Sondern gleich vier Mal in der deutschen Geschichte des blutigen 20. Jahrhunderts…

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Ein Tag mit Octavio Solis

Veröffentlicht in Gesellschaft, Kultur, Kunst, Literatur, Musik | 31. Mai 2014 | 15:57:09 | Roland Müller

Octavio_opener

Octavio Solis, nie gehört? Das kann gut sein hier in der Bildungsrepublik Deutschland, wo uns von den großen Dramatikern allenfalls Bert Brecht ein Begriff ist. Oder, wenn wir in der Schule im Englischunterricht aufgepasst haben, vielleicht noch Eugene O’Neill, dessen gebrochenen, jeden Glauben verlorenen Charaktere bereits in den zwanziger Jahren die Kehrseite des amerikanischen Traums in einer Weise darstellten, wie sie heute im Angesicht des zerfallenden US-Mittelstands wieder von erschreckender Aktualität ist. Eben dieser Eugene O’Neill war es, der uns Ende Mai diesen Jahres in seinen Bann und damit ins sonnige Kalifornien gezogen hat. Genauer gesagt nach Danville unweit von Oakland, wo der Literaturnobel- und  Pulitzerpreisträger mit seiner dritten Ehefrau sieben Jahre seines Lebens verbracht hatte. Im sogenannten Tao House, heute eine National Historic Site mit leider gar nicht so einfachem öffentlichem Zugang. Genau hier waren wir auf Einladung der Eugene O’Neill Foundation mit Freunden verabredet, um im historischen Ambiente der im Rahmen der ‘Playwright’s Theater Series’ zur intimen Theaterbühne umgebauten Scheune “The Old Barn at Tao House” der Aufführung von “El Paso Blue” beizuwohnen, einem der mittlerweile mehr als 20 Theaterstücke eben jenes Octavio Solis, der vielen Kennern der US-Literaturszene nicht erst seit der Pulitzerpreis-Nominierung seines Stückes “Lydia” als einer der bedeutendsten Dramatiker der Gegenwart gilt. Wir hatten die Chance, uns an historischem Ort selbst zu vergewissern, ob dem so ist…

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Engagement für mehr Substanz

Veröffentlicht in Gesellschaft, Medien, multimedia | 09. Februar 2014 | 15:04:49 | Roland Müller

Substanz_Video

Wenn gestandene Journalisten sich aufmachen, geben den Strom zu schwimmen, dann ist das nicht nur aller Ehren wert, sondern verdient auch handfeste Unterstützung! Deshalb haben wir uns entschlossen, das jenseit aller lousy pennies ambitionierte Projekt von Georg Dahm und Denis Dilba namens “Substanz” zu unterstützen. Nicht nur mit medialer Aufmerksamkeit, sondern ganz konkret mit hartem Cash im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne bei startnext. Was ihnen vorschwebt, erläutern sie in einem Dreieinhalbminuten-Video. Und wer weiß, vielleicht bietet der mutige Ansatz ja über den vergleichsweise herniederliegenden Wissenschaftsjournalismus hierzulande hinaus eine echte Perspektive für neuartige journalistische Geschäftsmodelle ganz generell? Es wäre zu hoffen. Denn eines ist klar: So wie derzeit, mit dem zu Tode Reduzieren von Redaktionen und dem gnadenlosen Ausbeuten freier Journalisten kann es auf Dauer nicht weitergehen. Wir jedenfalls drücken den beiden Entrepreneuren alle Daumen und versuchen unsere Geldbörse weiter offenzuhalten. Über den aktuellen Stand des Projekts kann man sich übrigens hier auf dem laufenden halten…

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Mandela – was bleibt

Veröffentlicht in Gesellschaft, Politik | 10. Dezember 2013 | 23:08:03 | Roland Müller

DerVersoehner

Nelson Rolihlahla Mandela, oft liebevoll mit seinem Clannamen Madiba gerufen, ist tot. Und eigentlich fehlen uns die Worte, um zu beschreiben, was dies bedeutet. Man stelle sich das vor: 27 Jahre in einer engen, kahlen Gefängniszelle zu verbringen, dann die Freiheit zu erlangen und nicht der Versuchung zu erliegen, es jenen heimzuzahlen, die einen eingekerkert haben. Hass und himmelschreiende Ungerechtigkeit zu vergelten mit Vergebung und Versöhnung. Man muss schon lange suchen, zurückgehen bis zum Neuen Testament, um eine vergleichbare Persönlichkeit zu entdecken. Selbst der Vergleich mit Mahatma Gandhi hinkt schlussendlich. Obwohl ein Gandhi-Zitat im Kern trifft, wofür Madiba stand: Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.” Und wahrlich, eine solche Veränderung der Welt, vor allem aber der sie vermeintlich Regierenden, wäre uns allen nur zu wünschen – die in langen Reihen Einzug hielten im Stadion von Soweto, um ihm, dem Versöhner, zu huldigen. Nicht einer unter ihnen, dem man zugestehen könnte, dem langen Schatten des großen Afrikaners auch nur einen Schritt weit nahezukommen. Realpolitik? Eine beliebte Ausrede, um das Menschliche hintenan zu stellen. Und doch… War da nicht für einen Moment – herbeigesungen von einer urafrikanischen Heiterkeit in der gemeinsamen Trauer – eine Ahnung einer Welt zu verspüren, wie sie vielleicht sein könnte? Kein Paradies, aber eine Welt von Respekt, gegenseitiger Wertschätzung und gemeinsamem Handeln. Nächstenliebe, die ach so schwer fällt. Jedem, außer ihm, Tata, dem Vater eines Landes, eines Kontinents und irgendwie dieses ganzen Planeten. Hoffen wir, dass sein Vorbild lange strahlt und selbst sein Tod zu etwas gut ist: nämlich dazu, dass sich Südafrika auf seine Werte besinnt und den Weg weitergeht, den Mandela begonnen und gelebt hat. Und ja, nicht nur Südafrika…

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Zornig bis zuletzt

Veröffentlicht in Gesellschaft, Kultur, Literatur, Politik | 22. November 2013 | 10:54:13 | Roland Müller

Dieter2013

Nein, dies ist kein Nachruf, kann keiner sein. Dieter Hildebrandt hat einen Ruf, der jeden Nachruf überdauern wird, sogar den der FAZ oder den der ZEIT. Vor allem aber solche, die derzeit zu Papier und Web gebracht werden von jenen, die zeitlebens seinen gerechten Zorn hervorriefen. Und davon gibt’s weißgott eine Menge. Was da nicht alles geschwurbelt wird vom “größten deutschen Kabarettisten” bis zum “Gesicht des Scheibenwischer”. Nur den Kabarettisten in ihm zu sehen wird ihm so wenig gerecht wie jedes andere Etikett, das die scheinheilig Wohlmeinenden ihm nun posthum anheften. Nein, Dieter, Nachrufe, das war eh nie dein Ding. Sei davon verschont. Stattdessen sollten wir alle uns eine Scheibe abschneiden vom gerechten Zorn, dem pointierten Bloßstellen politischer Unerträglichkeiten und der sprachlichen Brillanz eines gegen sich selbst und andere unerbittlichen Sisyphos, der unermüdlich und bis zuletzt mit Lust unserer Republik und ihren reagierenden statt regierenden Volksvertretern dorthin getreten hat, wo es weh tat. Ihm darin nachzueifern, wo immer sich die Gelegenheit bietet, ist das Beste, was wir nun für ihn tun können.

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