Kamera
Schokolade

DWGMF: Truly Global Media

Veröffentlicht in Gesellschaft, Internet, Medien, Mobilität, Politik, Technologie | 07. Juni 2009 | 20:36:59 | Dirk Kirchberg

Das Deutsche Welle Global Media Forum (#dwgmf) stand in diesem Jahr unter dem Slogan Conflict Prevention in the Multimedia Age und fand im ehemaligen Bundestag in Bonn statt. Da die Konferenzsprache Englisch war, und ich vorwiegend Journalisten aus aller Welt kennengelernt habe, wird dies hier der erste zweisprachige Artikel im Café. Es folgen zahlreiche Fotos, Videointerviews und Links sowie meine pur subjektiven Eindrücke.

The 2009 edition of the Deutsche Welle Global Media Forum (#dwgmf) was titled Conflict Prevention in the Multimedia Age and was located at the former German Bundestag in Bonn. Since the main language at the forum was English and I mostly met journalists from all over the world, this here will be the first bilingual article in the Café. Up next are many photos, video interviews and links plus my purely subjective impressions.

Das Gebäude nahe des Rheins macht von außen nicht besonders viel her. Aber steht man im Plenarsaal des ehemaligen Bundestages, wird man von der einzigartigen Stimmung gefangen genommen. Die Teilnehmer wurden empfangen von unzähligen Helfern, die sich um die Registrierung und Betreuung der Gäste aus aller Welt kümmerten. Immer, wenn man sich auch nur wenige Sekunden ein wenig ratlos umschaute, stand sofort jemand vom Service neben einem, um weiterzuhelfen.

The building near the Rhine may not look like much, but once you stand in the plenary chamber of the former Bundestag, this special atmosphere instantaneously takes hold of you. The participants were greeted by countless aides, who helped with registration and were always there to give directions.

Das alles verlief so reibungslos, ruhig und unglaublich professionell, dass ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen WegweiserInnen, KellnerInnen, ÜbersetzerInnen bedanken möchte. Man konnte sich voll und ganz auf die Diskussionen und Workshops konzentrieren.

The whole service went smooth and seamless, just perfect. I want to thank the organization team and every single aide, interpreter and waiter. One could concentrate completely on the panel discussions and workshops.

Der erste Vortrag, den ich besuchte, widmete sich dem Constructive innovation journalism und wurde von der Stanford University ausgerichtet. Hier zeigten David Nordfors vom Stanford Center for Innovations in Learning und Ulrik Haagerup, Head of News, Danish Radio, dass sich die derzeitige Berichterstattung oftmals nur auf negative Ereignisse konzentriert. Das alte Motto If it bleeds, it leads sei leider immer noch in vielen Newsrooms tonangebend.

Ein Problem sei auch, dass 90 Prozent der Menschen nicht fähig seien, ihre Gewohnheiten zu ändern, selbst wenn man ihnen mit dem Tode drohe, sagte Haagerup. Dies hätte ein Versuch gezeigt, in dem man Patienten nur noch sechs Monate zu leben prognostizierte, würden sie nicht sofort ihre Ess- und Lebensgewohnheiten ändern. 90 Prozent waren genau dazu nicht in der Lage.

Das Zitat des Tages kam von Ulrik Haagerup, der erzählte, dass die Menschen ihm meist vorwerfen würden, Journalisten seien immer so negativ: „Wir sind nicht negativ – wir sind Journalisten!“ Der Vergleich des Tages kam ebenfalls von Haagerup, der konventionelle Berichterstattung mit einer deutschen Kamera aus den 50er Jahren verglich: „Tolle Kamera, aber es kauft sie keiner mehr. Das Rad hat sich weitergedreht.“ Die Forderung beider Vortragender lautete daher auch: „Vergesst das Medium!“

Während des Vortrags lernte ich Kevin Anderson vom Guardian kennen – natürlich direkt neben der Steckdosenleiste. Wo sonst sollten sich Blogger auch treffen? Nach dem Vortrag nutzte ich die Gelegenheit und interviewte Kevin.

The first panel I attended centered on Constructive innovation journalism and was hosted by the Stanford University. David Nordfors from the Stanford Center for Innovations in Learning and Ulrik Haagerup, Head of News at Danish Radio, showed that today’s news coverage mainly centers on the bad and the ugly. The old slogan „If it bleeds, it leads“ still seems to be the way to go in too many newsrooms.

Another problem is, that 90 percent of people aren’t able to change their habits, even if one threatens them with death. A study in which patients got the news that they would surely die within six months if they didn’t change their eating and lifestyle habits, that 90 percent of these patients couldn’t accomplish this task.

The quote of the day came from Ulrik Haagerup, who illustrated that the usual reaction of people to his introduction of him being a journalist was the question why journalists always were so negative: „We are not negative – we are journalists!“ The comparison of the day also came from Haagerup who compared conventional news coverage with an old German photo camera from the 50s: „Great camera, but nobody buys it anymore. We moved on.“ Both speakers demanded: „Forget the medium!“

During the panel I met Kevin Anderson, blogs editor for The Guardian – right next to the plugs. Where else would bloggers meet? I took the opportunity to interview Kevin.

Der nächste Vortrag fand in einem viel zu kleinen Raum statt. Denn das Thema The mobile phone as a conflict prevention tool interessierte weit mehr Menschen als Plätze vorhanden waren. Der Direktor der Medienstiftung Voices of Africa, Pim de Wit, und der Projektkoordinator Olivier Nyirubugara, präsentierten ihr Projekt Voices of Africa, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, in ganz Afrika sogenannte mobile reporters auszubilden. Der spannende Ansatz: Alles, was die mobilen Reporter als Ausrüstung benötigen, steckt in einem modernen Multimedia-Handy. Damit drehen sie Videos, sammeln O-Töne, schreiben Artikel und schicken alles über wackelige Datenverbindungen ins Internet. Mittlerweile haben die Reporter rund 800 Berichte produziert. Einen der mitgereisten mobile reporter, Walter Wilson Nana aus Kamerun, befragte ich zum Projekt.

The next panel was located in a way too small room. The topic The mobile phone as a conflict prevention tool interested many more people than seats were available. The managing director of the Voices of Africa, Pim de Wit, and the mobile reporting project coordinator, Olivier Nyirubugara, presented their project Voices of Africa. The project wants to educate so-called mobile reporters in all parts of Africa. The fascinating aspect: The only journalistic tool the reporters get is a state of the art smart phone. With that, they shoot and edit videos, write articles and upload everything via a shaky data connection to the internet. The reporters already produced around 800 videos. One of the mobile reporters, Walter Wilson Nana from Cameroon, explained the project to me.

Nach einem langen ersten Tag hatte sich die Deutsche Welle etwas Besonderes überlegt. Alle Teilnehmer wurden zu einer Bootsfahrt auf dem Rhein eingeladen. Eine glänzende Idee, sollte ich in den drei Tagen keine weitere Gelegenheit finden, am Rhein ein wenig spazierenzugehen.

After a long first day, the Deutsche Welle invited all participants to a boat trip on the Rhine. A very good idea indeed, since I wouldn’t be able to stroll along the Rhine during all three days of the forum.

Jeder Teilnehmer hatte in seinem Begrüßungspaket, das aus einer schicken Kuriertasche und viel Infomaterial bestand, eine Einladung zu der Rundfahrt, die ich natürlich sofort verlor. Während ich also am Pier in der Schlange stand, überlegte ich krampfhaft, welch plausible Erklärung wohl die Türsteher davon überzeugen könnte, mich doch an Bord zu lassen. Doch wie sich herausstellte, war nicht die Einladung entscheidend, sondern mein Badge – übrigens ein tolles Badge, so klein wie eine Kreditkarte. Wenn aber die Papiereinladung keine Rolle spielt, warum dann überhaupt eine drucken? Hier hätte die Deutsche Welle gleich beweisen können, das das nächstjährige Forumsthema – Globale Erwärmung – bereits jetzt durchdacht wird.

Every participant found a paper invitation to the cruise in his dwgmf special edition messenger bag. Of course, I lost the invitation. And while I was waiting in line, I tried to think of a charming excuse that would convince the bouncers to let me on board. Then I was told that not the invitation was important but my badge, a nice badge of the size of a credit card. If the paper invitation wasn’t obligatory, why print one anyway? The Deutsche Welle could have proven that next year’s forum topic – global warming – is already in the thoughts of the organizers.

Die Bootsfahrt an sich war ein Traum: großartiges Essen, Strandkörbe an Deck, Kellner, die schneller als ihr Schatten bedienten, und viele interessante Gesprächspartner.

The cruise itself was great: excellent food, beach chairs, waiters who served quicker than their shadows and many interesting people to chat with.

Und während wir uns den kulinarischen Genüssen widmeten, schipperten wir an der Brücke von Remagen vorbei, tranken Kölsch – statt Bier – und tauschten uns über die verschiedensten Arbeitsweisen aus.

While we were enjoying the fine food, we went past the Bridge at Remagen, drank Kölsch – instead of beer – and discussed different workstyles.

Kevin Anderson ist ein Journalist, der auf allen Kanälen sendet. Mercedes Bunz, Chefredakteurin von Tagesspiegel.de, nutzte die Gelegenheit und ließ sich in die Untiefen von Ubuntu einführen, das Kevin auf einem USB-Stick gespeichert hatte und damit sein MacBook starten ließ.

Kevin Anderson is a journalistic jack of all trades. Mercedes Bunz, editor-in-chief of Tagesspiegel.de, took the opportunity to let Kevin demonstrate to her how he boots his MacBook under Ubuntu from a USB stick.

Den ganzen Tag und auch den gesamten Abend über fotografierten und filmten Mitarbeiter der Deutschen Welle das Geschehen. Ich fand, es war an der Zeit, mal zurückzufotografieren.

During the whole day and evening, staffers from Deutsche Welle were filming and photographing the forum’s events. I thought it was time to shoot back.

Mein persönlicher Höhepunkt des Abends war der Moment, als am Nebentisch plötzlich Gesang erklang. So wunderbar vielfältig kann nur eine internationale Konferenz überraschen.

My personal highlight was the moment when someone started singing at the table next to us. Only an international conference can surprise with manifold moments like this.

Der zweite Tag des DWGMF fing für mich mit dem Symposium Re-inventing journalism? an, das im Wasserwerk, dem ersten Bundestag Deutschlands, stattfand. Jonathan Marks begann auch sehr vielversprechend mit Sätzen wie „Unterschätzt nicht die Macht der Nutzer!“, „Der Begriff user generated content ist herabwürdigend.“, „Die Menschen werden Nachrichten nicht von toten Bäumen bekommen.“ und „Das ist nicht new nedia – das ist NOW media!“. Doch dann wurden meine Hoffnungen auf eine Session voller augenöffnender Aussagen und Ansätze im Kein erstickt, als Marko Milosavljevic, Dekan des Fachbereichs Journalismus an der Universität Ljubljana, plötzlich wieder die Thesen der konservativen Mediengarde runterbetete: „Blogger sind ja ganz nett, aber sie haben nicht den gleichen Zugang zu Ereignissen wie Journalisten. Journalisten wissen auch mehr als jeder Blogger.“ Zeit für mich, den Raum zu wechseln… Im Plenarsaal diskutierte ein internationales Panel, das sich einig war, dass in vielen Redaktionen viel zu viele Dinosaurier sitzen.

For me, the second day of the DWGMF started with the symposium Re-inventing journalism? that took place in the Wasserwerk, the very first Bundestag of Germany. Jonathan Marks filled me with hope: „Don’t underestimate the power of the users!“, “The term ‚user generated content‘ is degrading.”, “People will not get news from dead trees.” and “It’s not new media – it’s NOW media!”. But then Marko Milosavljevic, head of the Journalism Department at the University of Ljubljana, took the stage and killed all my hopes, when he repeated all those old phrases such as: „It’s nice to have bloggers, but they don’t have access to events like journalists. Journalists also know more than bloggers.“ Time for me to go… In the plenary chamber an international penal discussed how many old school journalists look down on news coverage utilizing new media: „We have a lot of dinosaurs in our newsrooms.”

Ganz und gar kein Dinosaurier bannte dann das internationale Publikum mit seinen multimedialen Bilderschauen, die sehr cinematografisch geprägt sind. Brian Storm, Präsident von MediaStorm, hatte ein bewegendes Paket an Geschichten geschnürt. Oftmals vergisst man, dass man viele Fotos und wenig Videosequenzen sieht. Aber Ton, Animationen und Dramaturgie lassen einen schnell das jeweilige Medium vergessen. Man taucht förmlich in die Geschichte ein. Eine dieser unglaublich ergreifenden Geschichten heißt The Marlboro Marine.

Absolutely not a dinosaur then took center stage and impressed the international audience with his multimedia slideshows. Brian Storm, president of MediaStorm, had brought many deeply moving stories. You often forget that it’s not video you see but photographies. Sound, animation and dramatic composition let you forget about the medium itself. You really dive into the story. One of these stories is entitled „The Marlboro Marine“.

Brian Storm weiß zu begeistern und zu inspirieren. Kein Wunder bei diesen Sätzen: „Unsere Aufgabe ist es, wichtige Informationen zu vermitteln. Ich will, dass Journalismus die Menschen dazu bringt, etwas verändern zu wollen.“ Angesprochen auf Klickzahlen, antwortete Storm: „Zahlen interessieren mich nicht, mich interessiert Qualität. Ich habe dieses Projekt in meinem Wohnzimmer realisiert, in meinen Socken – und eine Million Menschen haben es gesehen.“ Einen Aufruf hatte Storm auch gleich noch parat: „Was jetzt zählt, ist hochwertiges Geschichtenerzählen. Es ist Zeit, dass wir den Journalismus wieder an uns reißen“!

Brian Storm knows how to impress and inspire: „Our job is to keep important information out there. I want journalism to call people to action.” When asked about clicks and pi, he replied: “I don’t care about numbers, I care about a quality experience. I did this project in my living room, in my socks – and I got one million people to watch it.” Storm also offered a call to arms: “What matters most right now is quality storytelling. It’s time for us to take journalism back!”

Bei einem Titel wie Krieg 2.0 zögerte ich nicht lange und war gespannt, was mir Thomas Rid von der Johns Hopkins University und Marc Hecker vom Institut français des relations internationales über die Auswirkung des Web 2.0 auf die moderne Kriegsführung erklären würden. Die beiden haben soeben ihr Buch War 2.0 vorgelegt, das sich der irregulären Kriegsführung im Informationszeitalter widmet. Es war hochgradig spannend, wie schnell und scharfsinnig sie Kriege und Konflikte analysierten und nachwiesen, dass mittlerweile nicht die Taktik auf dem Schlachtfeld entscheidend sein muss, sondern vielmehr die Informationsübermittlung. Das Buch werde ich hier im Café demnächst ausführlicher besprechen – wenn ich denn alles verstehen sollte.

Nach dem Vortrag hatte ich kurz die Chance, Oberstleutnant Andreas Glatzel vom Kommando Strategische Aufklärung der Bundeswehr zu interviewen.

I couldn’t resist the session called Krieg 2.0, in which Thomas Rid, fellow at Johns Hopkins University, and Marc Hecker, fellow at the Institut français des relations internationales, illustrated the effects of „War 2.0“ on modern warfare. Rid and Hecker just published their book entitled War 2.0 that focuses on irregular warfare in the Information Age. It was highly exciting who fast and sharp witted they analyzed war and conflicts and proved that today not only the tactics on the battlefield add to success, but even more the distributing of information. I will review the book here at the Café in depth – if I can grasp everything.

After the session, I got the chance to interview very briefly Lieutenant Colonel Andreas Glatzel of the Strategic Reconnaissance Command of the Bundeswehr.

Am Abend wurden dann im Plenarsaal die BOBs, die Best of Blogs verliehen. Als bestes Videoblog wurde das Projekt Voices of Africa ausgezeichnet. Pim de Vit musste seinen eigenen mobilen Reportern sofort Rede und Antwort stehen.

In the evening, the BOBS – the best of blogs – were presented in the plenary Chamber. Voices of Africa was awarded the prize for the best video blog. Pim de Vit had to answer a lot of questions from his own mobile reporters.

Den Preis der Organisation Reporter ohne Grenzen erhielt Nazli Farokhi für ihr Blog 4equality, das sich für Frauenrechte und gegen Diskriminierung im Iran einsetzt.

The Reporters Without Borders prize was awarded to Nazli Farokhi for her blog 4equality, in which she campaigns for women’s rights and against discrimination in Iran.

Als bestes englischsprachiges Blog wurde Nancy Watzmans Party Time von der Sunlight Foundation ausgezeichnet. Nancy arbeitet als Beraterin für die Stiftung und erzählte mir, wie es ist, einen traditionell ausgebildeten Journalisten zum Vater zu haben.

The best English blog of the year is Nancy Watzman’s Party Time that is funded by the Sunlight Foundation. Nancy is a consultant for the foundation and told to me about her work and her father, who is a traditionally trained journalist.

Am Abend lud die Deutsche Welle in ihre Zentrale, die wenige Häuser neben dem Bundestag liegt. Mich ergriff dieses Gefühl, das ich auch immer spüre, wenn ich auf einem Flughafen bin. Dieses internationale Kribbeln, das einen sofort losfliegen und entdecken lassen will.

In the evening the Deutsche Welle invited every participant to its headquarter located closely to the Bundestag. As soon as I entered the lobby, I got this feeling I get when I am at an airport. This international tingling that makes you want to fly away and explore immediately.

Und auch hier tischte die Deutsche Welle wieder mächtig auf. Allein mit dem Catering-Budget könnte man sicherlich locker die re:publica 10 finanzieren. In allen Gängen warteten Leckereien auf hungrige Medienmacher, die sich nicht zweimal bitten ließen.

Again, the Deutsche Welle served more one could wish for. The catering budget for this party alone would probably be enough to finance the re:publica 10. In every hallway tasty surprises waited for hungry media people – who didn’t have to be asked twice.

Listen!

Auch am dritten und letzten Tag warteten jede Menge spannende Diskussionen und Workshops auf die Teilnehmer. Ich entschied mich für die Veranstaltung News and information design. Als Gastredner hatte das DWGMF Peter Kloeppel, RTL-Chefredakteur, und Christoph Teuner, Chefmoderator bei n-tv, gewinnen können. Und Kloeppel legte auch gleich los wie die Feuerwehr, sang eine Hymne auf die hohen Qualitätsstandards im eigenen Haus, auf recherchierende und abwartende Redakteure, bashte fleißig Blogs und Twitter, lobte seinen Sender über den grünen Klee und ließ einen Trailer abspielen, der unkundigen Teilnehmern sicher den Eindruck vermittelte, hier würde es sich um die beste Nachrichtensendung Deutschlands handeln.

Mir platzte der Kragen und ich stellte Kloeppel die Frage nach den hohen RTL-Standards im Fall des Amoklaufs von Winnenden. In der ersten Liveschalte stand eine völlig hilflose Reporterin vor der Kamera und stammelte etwas von blickenden Lichtern und wie krass das alles sei. Kloeppel antwortete recht souverän, dass man da natürlich einen Fehler gemacht habe und dass die junge Kollegin weiter geschult würde. Allerdings seien ihm wenige Informationen von einem Reporter lieber als keine Informationen von einem Moderator im Studio. Jeder hat das Recht auf seine Meinung. Mir ist aber ein Moderator in einem Studio lieber, der mir sagt, er wisse noch nichts, als eine um Aufmerksamkeit buhlende Praktikantin, die ihr Nichtwissen voyeuristisch aufbauscht. Ein wenig versöhnte mich die ehrliche Antwort von Christoph Teuner: „Seien wir doch ehrlich: Es geht darum, Fehler zu minimieren.“

The third and final day again offered very interesting discussions and workshops. I decided to attend the panel „News and information design“. Peter Kloeppel, editor-in-chief of RTL, and Christoph Teuner, anchorman for n-tv described how they cover news and design information. Kloeppel started by praising high journalistic standards at RTL and researching and thoughtful journalists, bashed blogs and Twitter and presented a trailer that conveyed the image of RTL being Germany’s leading news broadcast.

I blew a casket and asked Kloeppel about the high standards at RTL in the case of the school shooting in Winnenden. The first live coverage at the scene was presented by a totally overwhelmed and helpless reporter who babbled of flashing lights and how crazy everthing was. Kloeppel responded professionally and explained that he prefers little information from a reporter at the scene to no information coming from an anchorman in a studio. Everybody is entitled to their opinion, but I rather have an anchorman telling me that he knows nothing than a for attention touting intern who hypes her lack of knowledge in a voyeuristic way. Christoph Teuner’s honest statement calmed me down: “Let’s be honest: It’s about minimizing mistakes.”

Überall wurde über Medien und Nachrichten diskutiert, und was mir besonders gefiel, war, dass sich hier eine Szene nicht selbst feierte – wie das auf so mancher Web-Konferenz schon mal vorkommt –, sondern hier alle an Lösungen für bestehende Probleme interessiert waren, so auch beim Panel German-American coverage of terrorism issues.

Everywhere, people discussed media and news coverage. I especially liked the fact that journalists didn’t praise themselves – as it sometimes happens at web conferences -, but were searching for solutions to existing problems.

Hier tauschten sich Reporter darüber aus, welche Unterschiede es zwischen den US-amerikanischen und den deutschen Sendern gibt. Alle Diskutanten bestätigten, dass die Arbeit für Reporter in Krisen- und Kriegsgebieten immer gefährlicher wird. Jochen Thies, Deutschlandradio-Korrespondent, merkte an, dass er mit Bestürzung die steigende Begierde nach Extremen in Deutschland beobachte. Miguel Marquez, Korrespondent für ABC News, beantwortete mir nach der Diskussionsrunde einige Fragen.

So were the panelists discussing the topic „German-American coverage of terrorism issues“. Reporters talked about their experience in the field and evaluated differences in news coverage in the US and Germany. All panelists confirmed that reporting from conflicts and war zones has become more and more dangerous. Jochen Thies, correspondent for Deutschlandradio, said: “What I fear in Germany is this growing desire for the extreme.” Miguel Marquez, correspondent for ABC News, willingly answered some questions after the panel.

Und während Markus Beckedahl von netzpolitik.org Tim Weber, Chef der Wirtschaftsredaktion von BBC News Interactive, für seinen Podcast interviewte, fragte ich Ralf Nolting, Chef der DW-Media Services, wie denn sein Fazit zum DWGMF 2009 aussieht.

And while Markus Beckedahl of netzpolitik.org interviewed Tim Weber, business editor for BBC News Interactive, for his Podcast, I asked Ralf Nolting, CEO of DW-Media Services, how he would sum up the DWGMF 2009.

Drei Tage Deutsche Welle Global Media Forum – ich war total platt, aber angefüllt mit Anregungen und inspiriert, weiterzurocken. Ich wollte nur noch in meinen reservierten Sitz im Zug fallen und bis nach Hannover schlafen. Doch die Deutsche Welle lud zu einem letzten Mittagessen ein, von dem ich allerdings nichts abbekam, da ich ein letztes Mal die Flip zückte, um von Kevin Anderson, einem Teilnehmer, dessen Namen ich verlegt habe, Thomas Rid und Marc Hecker eine abschließende Bewertung zu bekommen.

Three days Deutsche Welle Global Media Forum – I was totally exhausted, but filled with impulses and inspired to keep on rocking. I only wanted to get to my seat in the train and sleep until Hannover. The Deutsche Welle, though, invited to one final lunch I didn’t took part in, since I wanted to get a final roundup from Kevin Anderson, a participant whose name slipped my mind, Thomas Rid and Marc Hecker.

Was nehme ich mit vom DWGMF 2009? Dass die neuen Medien noch einige Zeit und Überzeugungskraft brauchen, um endlich als völlig normale Erweiterung der Berichterstattung zu gelten. Auf meinem Weg zum Bahnhof kam ich an einer Wand vorbei, die für mich genau diese Situation verbildlichte: Wir Online-Journalisten, Blogger und mobilen Reporter sind wie diese Kletterpflanze. Wir brauchen Durchhaltevermögen und starke Überzeugungen, um nicht von der grauen Einheitswand der konservativen Medien erschlagen zu werden. Aber letztlich werden wir es nach oben schaffen. </pathos>

What’s my take on the DWGMF 2009? New media still needs time and persuasiveness in order to be perceived one day as a totally normal way of covering news. On my way to central station I came by a wall that symbolizes this situation: We online journalists, bloggers and mobile reporters are just like this vine. We need stamina and strong convictions in order not to be beaten down by the grey wall of conservative media. But in the end, we will make it to the top. </pathos>

P.S. Fast alle anderen Sessions und Panels könnt Ihr bei Soundcloud nachhören. Bei flickr gibt’s jede Menge Fotos der Deutschen Welle und von mir.

P.S. You can listen to almost all other sessions and panels at Soundcloud. On flickr, you can see a lot of photos by Deutsche Welle and by me.

P.P.S. 10 interessante Strategien für den Journalismus 2.0 hat Ulrike Langer formuliert.

P.P.S. Ulrike Langer phrased 10 strategies for a journalism 2.0.

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9 Antworten zu “DWGMF: Truly Global Media”

  1. 08. Juni 2009 um 14:32:56 | Ralf Nolting sagt:

    Lieber Herr Kirchberg,

    gratuliere, das ist die umfassendste und optisch ansprechendste Darstellung der Konferenz, die ich bisher gesehen habe. Kann mir
    vorstellen, dass das eine Heidenarbeit war.

    Herzlichen Dank, Ralf Nolting, GF DW-MEDIA SERVICES GmbH

  2. 08. Juni 2009 um 16:55:34 | Roland sagt:

    Da schließe ich mich an, Dirk – ein Super-Job und ein echtes Aushängeschild fürs Café!

  3. 08. Juni 2009 um 19:42:57 | Linktipps Extraausgabe: Global Media Forum bei Cafe Digital « Medial & Digital sagt:

    […] Top-Tipp in meinen Linktipps geworden. Dirk Kirchberg, freier Journalist und Herausgeber des Blogs Café Digital zieht in einer unglaublichen Fleißarbeit im Nachklang des Global Media Forum zweisprachig auf […]

  4. 09. Juni 2009 um 00:14:56 | Twitted by DW_GMF sagt:

    […] This post was Twitted by DW_GMF – Real-url.org […]

  5. 09. Juni 2009 um 07:20:31 | Dirk Kirchberg sagt:

    Vielen Dank Euch allen! Es freut mich sehr, dass die Rückschau so gut ankommt. Es war zwar viel Arbeit, aber sie hat mordmäßig Spaß gemacht und sich offensichtlich mehr als gelohnt.

    Sorry, this should have been bilingual as well. 😉 Thanks for all the kind words and heads up. It was a lot of work, but it was great fun and more than worth it.

  6. 09. Juni 2009 um 09:02:52 | Jonathan Marks sagt:

    Hi there,

    Congratulations. I think you’ve captured the spirit of the meetings last week better than many „professionals“ because you’re interested in people and the future of the profession.

    I hope you continue to be inspired to write what you feel – and rest assured that I believe bloggers have an important place in our society, especially because they write from the heart. I have also started to post some video I shot in Bonn which may be of interest. http://www.vimeo.com/5050313

    Jonathan Marks.

  7. 09. Juni 2009 um 12:30:49 | Strange Attractor » Blog Archive » links for 2009-06-09 sagt:

    […] Cafe Digital» Blogarchiv » DWGMF: Truly Global Media Kevin: Dirk Kirchberg gives an excellent, bi-lingual (German and English) review of Deutsche Welle's Global Media Forum. I wrote several posts on the Guardian's digital media blog, PDA, and also a post on Strange Attractor. Dirk gives an an excellent overview and several video interviews with people from the conference. A couple of highlights form the post are his interview with Brian Storm of multi-media group MediaStorm and also his comments about Thomas Rid and Marc Hecker's book War 2.0, which looks at Web 2.0 and irregular warfare. It's an excellent book and Thomas and Marc are fascinating and engaging scholars. War 2.0 is well worth a read if you're interested in security policy and new communication technology. (tags: dwgmf global media web2.0 security) […]

  8. 09. Juni 2009 um 13:00:35 | SoulbrotherNo2 sagt:

    Excellent or Chapeau (so the frenchman in the round-up video will understand ;-). Kölsch issue tbd though!
    Watch out for more to come on digital journalism from DW.

  9. 17. Juni 2009 um 06:46:19 | Medial Digital – Medien, digitale Medien, Medienwandel, Journalismus, Internet, soziales Internet, Social Web, Web 2.0» Blogs Journalismus » Linktipps Extraausgabe: Global Media Forum bei Cafe Digital sagt:

    […] Top-Tipp in meinen Linktipps geworden. Dirk Kirchberg, freier Journalist und Herausgeber des Blogs Café Digital zieht in einer unglaublichen Fleißarbeit im Nachklang des Global Media Forum zweisprachig auf […]

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